predigt_2019-05-05

Predigt: Normal krasse Zeiten (Krasse Zeiten. Starker Glaube – Teil 2)

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Datum: 05.05.19
Bibelstelle: Offenbarung 3,7-13
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Sind die Zeiten, in der die Kirche sich momentan befindet, krass, also außergewöhnlich, besonders – oder sind sie normal? Oder sind sie vielleicht beides – krass und normal?

Haben die Christen ihre Gegenwart vielleicht immer schon als "krasse Zeit" empfunden, um sie dann – Jahre später – im Rückblick zu verklären? Sind die Zeiten, in denen die Christen ihren Glauben heute leben, krasser als damals – oder einfach nur krass normal?

Aus dem Bibeltext aus Offenbarung 3,7-13 können wir erkennen, wie Jesus die Situation der Gemeinde in Philadelphia sieht:

  1. Ich weiß – Kirche im Wandel

    Die sieben Briefe an die jungen Christengemeinden im damaligen Kleinasien enthalten die seelsorgerlichen Worte ihres Herrn Jesus Christus. Im Wandel der Zeiten hat der erhöhte Christus für seine Gemeinde ein Wort des Zuspruchs und der Ermahnung.

    Als Adressat dieses sechsten Schreibens an die Gemeinden wird die Christengemeinde in Philadelphia genannt. Philadelphia war eine mittelgroße Stadt in Kleinasien, dem Gebiet der heutigen Türkei. Die Menschen verehrten Dyonisos, den Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Das Leben war kurz genug – also ging es darum, in dieser begrenzten Zeit möglichst viel Spaß zu haben.

    Neben einer ganz auf Lust und Spaß ausgerichteten Religiosität hatte es offenbar ein Kontrastprogramm. Es gab wohl extrem konservative Juden, die sich auf die Bekämpfung der christlichen Gemeinde eingeschworen hatten.

    Die junge christliche Kirche in Philadelphia scheint zwischen die Fronten des Liberalismus und des Fundamentalismus geraten zu sein. Von beiden Seiten wird sie angefeindet: Für die einen, sind die Christen von Philadelphia weltabgewandte Spaßbremsen – für die anderen der bösen, heidnischen Welt verfallene Abtrünnige.

    Es scheint, als wäre die Situation der Christen damals unserer gar nicht so ganz unähnlich. Kirche im Wandel der Zeiten war immer – mal mehr und mal weniger – angefeindete Gemeinde. Dabei waren die Herausforderungen von Zeit zu Zeit verschieden.

    Die Zusage ihres Herrn aber gilt gleichermaßen: Ich weiß, wie du lebst! Ich kenne deine Werke! (Offenbarung 3,8a)

    Der erhöhte Herr lebt mitten in seiner Kirche. Er kennt ihre Werke, ihre Nöte, ihre Verfehlungen und ihre Begrenzungen. ER weiß um unseren Glauben und um unsere Zweifel, um unsere geistliche Leidenschaft und unsere Müdigkeit. Jesus hat uns auf dem Schirm.

  2. Ich weiß – Kirche mit kleiner Kraft

    Du hast nur wenig Kraft, aber du hast dich nach meinem Wort gerichtet und dich unerschrocken zu meinem Namen bekannt. (Offenbarung 3,8b)

    Schwachheit ist wenig attraktiv. Die Gemeinde in Philadelphia hatte augenscheinlich eine äußerst geringe gesellschaftliche Relevanz.

    Und doch gab es etwas, was hat die Gemeinde in Philadelphia ausgezeichnet hat: Sie hat sich die Worte Jesu zu Herzen genommen. Sie hat dem Druck des jüdischen Fundamentalismus widerstanden, der sich auf das Gesetz des Moses berief. Und sie hat der Verführung durch eine hedonistische Geistesströmung widerstanden. Stattdessen hat sie sich an den Worten und Handlungen von Jesus orientiert.

    Fast zweitausend Jahre später stehen wir vor der gleichen Herausforderung wie die Christen damals:

    • Wie können wir die Worte Jesu Christi in unserer Zeit in seinem Sinne umsetzen?
    • Was bedeutet es für uns heute, dass Jesus ein Herz für die Sünder hatte, aber die Sünde verabscheute?
    • Was bedeutet es für uns heute, dass Jesus ein Herz für die Armen und Rechtlosen hatte, dass sein Augenmerk auf Kinder und Bedürftige gerichtet war?
    • Was bedeutet es für uns heute, dass Jesus die fundamentalistischen Gesetzeshüter wegen ihrer Hartherzigkeit hart kritisierte – und das nicht, um sie abzuurteilen, sondern um ihr Herz neu für die Gnade zu entzünden?

    Die Gemeinde in Philadelphia, die um die Bedeutung und Umsetzung der Worte ihres Herrn gerungen hat, wird von Christus belobigt und wertgeschätzt. Die Bedeutung einer Kirche zeigt sich weder an ihrem Kirchengebäude noch an ihren Mitgliederzahlen.

  3. Du darfst wissen – Kirche mit großer Verheißung

    Die Gemeinde in Philadelphia ist von außen betrachtet ein Schwächling – aus der Sicht ihres Herrn ist es eine Gemeinde mit großem Potential: Darum habe ich eine Tür vor dir geöffnet, die niemand zuschließen kann.

    Die offene Tür ist eine starke Zusage in normal krassen Zeiten. Jesus Christus öffnet der Gemeinde in doppelter Hinsicht eine Tür:

    • Im Blick auf ihre Gottesbeziehung: Gegen alle scheinbare kulturelle und etablierte religiöse Übermacht und Überheblichkeit lebt die Kirche von einem Geheimnis. Sie hat einen geheimen Zugang, eine offene Tür zu ihrem Schöpfer, dem allmächtigen Gott. Der Vorhang zum Herzen Gottes ist für sie, die Glaubenden, geöffnet.
    • Im Blick auf ihre missionarischen Möglichkeiten: Wir neigen dazu, vor verschlossenen Türen zu stehen und sie zu bedauern. Der heutige Bibeltext fordert uns heraus, nach offenen Türen für das Evangelium Ausschau zu halten. Statt den Untergang des christlichen Abendlandes zu bedauern und uns einzuigeln, sollten wir die offenen Türen erkennen und hindurchgehen.

    Die Kirche Jesus Christi hat keinerlei Grund, im Selbstmitleid zu versinken. Eine offene Tür ist ihr verheißen. Sie darf und soll vorwärtsgewandt leben. Selbst in schwierigsten äußeren Umständen wird sie am Ende siegreich hervorgehen. Weil Jesus mit seiner Kirche ist: "Siehe, ich komme bald. Halte fest, was du hast! Lass dich von niemand um deinen Siegeskranz bringen!"