predigt_2019-03-03

Predigt: So geh nun hin! (Leben im Aufbruch/Teil 3)

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Datum: 03.03.19
Bibelstelle: 2. Mose 3 und  4
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Nachdem wir uns in den beiden zurückliegenden Predigten mit dem Alltag des Moses – mit dem heiligen Gott im brennenden Dornbusch und mit der Bedeutung seines geheimnisvollen Namens "Jahwe" – beschäftigt haben, soll es heute um das Thema "Berufung" gehen.

Der Gott, der damals Mose völlig überraschend, am Fuße des Sinai in den Weg tritt, ist derselbe, mit dem wir es auch heute 3500 Jahre später zu tun haben.

Gottes unbedingter Plan, sein Heil in dieser Welt zu verankern und Menschen aus ihrem Elend herauszuführen, hat sich nicht geändert. Um diesen Plan umzusetzen, beruft er auch heute noch Menschen und sendet sie – hier und dort sogar bis in die entlegensten Gebiete der Erde.

Geistliche Aufbrüche brauchen eine göttliche Initialzündung und Menschen, die bereit sind, sich entzünden zu lassen. Es braucht Menschen, die bereit sind, sich mit allem, was sie sind und haben, in seinen Dienst zu stellen.

"So geh nun hin …" (2. Mose 3,10)

Dieses "So" deutet an, dass die Berufung Gottes immer eine Vorgeschichte hat. Was für Moses völlig überraschend war, hat einen Vorlauf. Die Weichen sind gestellt. Der göttliche Zeitpunkt für ein neues Kapitel göttlicher Heilsgeschichte ist gekommen.

Im Hintergrund hat der lebendige Gott gehandelt. Die Rettung des Volkes aus dem Elend ihrer Sklaverei ist nicht nur beschlossen, sondern bereits eingeleitet. Wenn Gott beruft, dann beruft er in vorbereitete Verhältnisse. Beispiel aus dem Neuen Testament: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn." (Galater 4,4)

Gottes Sendung ist keine Sendung aus einer Laune heraus, sondern eingebunden in einen uns verborgenen Plan. ER beruft Menschen – völlig souverän, wen er will, wann er will und zu was er will.

  1. So geh nun hin!

    Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt … so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. (2. Mose 3,8.10)

    Fast eine Million Einträge listet die Internet-Suchmaschine Google unter dem Stichwort "Lebensplanung". Sein Leben zu planen, sich Ziele zu setzen und zu verfolgen, ist für viele unserer Zeitgenossen selbstverständlich. Man will nicht einfach so durch das Leben stolpern, sondern steuert bestimmte Ziele an.

    Wie wohl die Lebensplanung des Moses ausgesehen hat – wenn es denn so etwas gab?

    In jungen Jahren gab es für Mose sicher das eine oder andere beruflich erstrebenswerte Ziel. Für den Ziehsohn der Tochter des Pharaos standen die Türen weit offen.

    Alle ambitionierte Lebensplanung im Leben des Moses fällt jedoch in sich zusammen wie ein Kartenhaus, als er im heiligen Zorn einen ägyptischen Aufseher tötet. Aus dem Hoffnungsträger wird ein gejagter Flüchtling.

    Mose hat Glück. In Midian findet er ein neues Zuhause, eine Frau und eine unbefristete Anstellung. Was will man mehr?

    Zugegeben: So richtig prickelnd war es für Moses sicher nicht, die Viehherde des Schwiegervaters zu weiden. Dennoch: Es hätte schlimmer kommen können.

    Mose hat seine Schäfchen, im wahrsten Sinne des Wortes, im Trockenen. Die großen Pläne sind zwar ausgeträumt – aber das Überleben ist gesichert.

    "So geh nun hin!" Der lebendige Gott unterbricht den Alltag des Moses, er kündigt sich nicht an, er bereitet Mose nicht vor, er gibt ihm keine Bedenkzeit.

    Mose war nicht der erste und wird nicht der letzte sein, den Gott beruft und sendet. Das wohl bekannteste Sendungswort ist die Sendung der Jünger durch Jesus selbst: Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28,18-19)

    Leben im Aufbruch und die Bereitschaft, sich senden zu lassen, sind unmittelbar miteinander verknüpft. Der heutige Bibeltext stellt die Frage nach unserer Lebensplanung:

    • Gibt es einen Plan, den du zielgerichtet verfolgst?
    • Was sind deine Pläne und Ziele für den Rest deines Lebens?
    • In welchen Gleisen bewegt sich dein Leben?
    • Was wäre, wenn der lebendige Gott in deinem Leben noch einmal die Weichen umstellt?
    • Bin ich offen dafür, dass Gott meine Lebensplanung auf den Kopf stellt und mich in eine neue Aufgabe beruft?

    Erfahrungsgemäß haben viele Christen die Frage nach einer göttlichen Berufung dann abgeschlossen, wenn sie so 24 bis 30 Jahre alt sind. Spätestens, wenn eine Familie gegründet wurde, wenn die berufliche Karriere Fahrt aufgenommen hat, scheint die Hörfähigkeit für Gottes Sendung rapide abzunehmen.

    Aber könnte es nicht sein, dass Gott auch uns "Best Ager" noch einmal so richtig fett segnen möchte, wenn wir die Bereitschaft erklären, uns in seinem Reich gebrauchen zu lassen?

    "So geh nun hin!" Gott beruft einen "Best Ager" dazu, Israel aus der Sklaverei zu führen – und dieser bekommt das große Flattern.

  2. Menschliche Vorbehalte und göttlicher Zuspruch

    Die drei Vorbehalte des Moses lauten:

    • Wer bin ich?

      Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? (2. Mose 3,11)

      Die Frage, die Mose seinem Gott entgegenschleudert, ist die Frage nach der Identität: Wer bin ich schon?

      Ein "Best Ager", der mit dem Kleinvieh seines Schwiegervaters beschäftigt ist. Ich bin ein Nobody, ein Niemand.

      Alles, was Mose in jungen Jahren auf die Beine gestellt hat, war Aktion ohne Auftrag, war sicher gut gemeintes Handeln – aber es gab keine göttliche Rückendeckung.

      Die Jahre in der Wüste scheinen tiefe Spuren im Leben des Moses hinterlassen zu habe. Aus einem Heißsporn ist ein demütiger, selbstunsicherer Mann geworden. Es ist bezeichnend, dass Gottes Berufung oft auf die eher kleinlauten, schüchternen Gestalten trifft.

      Sehr eigentümlich, sehr besonders beantwortet Gott die Frage des Zauderers: "Ich will mit dir sein." (2. Mose 3,12)

      "Ich bin mit dir" – nur darum geht’s. Das "Mit-uns-sein" Gottes ist die entscheidende Grundlage für alle Sendung.

      Jesus beruft Menschen in seine Sendung, bei denen viele Dinge noch nicht geklärt sind, auch Fragende und Zweifler.

      Die Qualifikation der Berufenen liegt nicht zuerst in theologischer Sattelfestigkeit, nicht in einem zweifellosen Glauben, sondern in der Allmacht und Gegenwart Jesu Christi: Mir ist gegeben alles Gewalt im Himmel und auf Erden … Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,18.20)

    • Ich kann nicht!

      Mose aber sprach zu dem HERRN: Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt gewesen, auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht redest; denn ich hab eine schwere Sprache und eine schwere Zunge. (2. Mose 4,10)

      Nun auch das noch. Neben einem schwachen Selbstwertgefühl zeichnet sich der berufene Mose durch eine schwerfällige Sprache aus. Sehr selbstkritisch verweist Mose auf den Mangel an Begabungen.

      Beruft Gott die Begabten? Oder begabt Gott die Berufenen?

      Gott widerspricht Mose jedenfalls nicht. Er verordnet Mose kein Sprachtraining, sondern er stellt ihm einen Aaron an die Seite.

      Auch ein Mose, der in der Herausführung des Volkes aus Ägypten eine wesentliche Rolle spielt, bedarf der Ergänzung.

      Im Neuen Testament sind es immer Gruppen, Jünger, Missionsteams, die gemeinsam für das Reich Gottes unterwegs sind. Herausragende Leiter brauchen einen starken Aaron – ein echtes Gegenüber, um nicht abzuheben.

    • Ich will nicht!

      Mose aber sprach: Ach, mein Herr, sende, wen du senden willst. (2. Mose 4,13)

      Trotz aller göttlichen Zusagen startet Mose einen neuen, letzten Versuch der Berufung Gottes zu entkommen. Wir spüren die ganze Verzweiflung des Moses. Die Argumente sind ihm ausgegangen. Jetzt stellt er sich stur.

      "Ach, mein Herr, sende, wen du willst." – Aber genau das geschieht doch gerade: Gott sendet, wen er senden will – nämlich Mose!

      Mose wird am Ende in Gottes Berufung einwilligen. Er wird das Volk aus Ägypten führen – nicht mehr und nicht weniger.

      Der Dienst des Moses wird ein wichtiger Dienst sein. Aber um das Entscheidende wird Gott sich selbst kümmern: "Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand." (2. Mose 3,10)

      Gott wird retten – Mose soll seinem Volk auf dem Weg in die Freiheit vorangehen.

      Vom Neuen Testament aus betrachtet müssen wir sagen: Das Tor in die Freiheit ist längst geöffnet. Am Kreuz von Golgatha hat Gott die Tür zu sich selbst aufgestoßen. Rettung ist geschehen.

      Wir sind gesandt, unsere Mitmenschen auf diese Tür hinzuweisen. Wir sind berufen, Jesus Christus nachzufolgen, offen für seine Wegführung zu sein und dann aufzubrechen, wenn er das Startsignal gibt.