predigt_2019-02-03

Predigt: Unverhoffte Begegnung (Leben im Aufbruch/Teil 1)

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Datum: 03.02.19
Bibelstelle: 2. Mose 3,1-14
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Leben im Aufbruch – auch wenn es manches Mal in christlichen Gemeinschaften anders aussieht: Unbeweglichkeit, Traditionalismus und Langeweile sind dem Glauben, wie ihn die Bibel versteht, eher fremd.

Als Nachfolger von Jesus Christus werden wir immer wieder und in unterschiedlichen Zusammenhängen herausgefordert, Altes zurückzulassen und Neues zu wagen. Nachfolger Jesu sind Zugvögel: Immer bereit aufzubrechen – und der Stimme ihres Schöpfers zu folgen.

Wenn wir also dem folgen, der uns in seine Nachfolge berufen hat, dann wird es immer neu darum gehen, mit ihm Schritt zu halten.

Der heutige Textabschnitt aus 2. Mose 3 ist nicht irgendein Text unter vielen Texten, sondern einer der Schlüsseltexte des Alten Bundes:

  • Es geht es um die Berufung des Moses als der Zentralfigur alttestamentlicher Heilsgeschichte: Moses ist der Mann, der das Volk aus Ägypten führt und dem auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln übergeben wird.
  • Es wird hier der Name Gottes "Jahwe" eingeführt. Gott stellt sich seinem Volk zum ersten Mal als der "Jahwe-Gott" vor.
  • Wir haben es hier mit dem längsten Gespräch zwischen Gott und einem Menschen zu tun haben, das uns in der Bibel überliefert ist.
  1. Damals

    Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. (2. Mose 3,1)

    Das haut einen nicht unbedingt vom Hocker, dass sich ein Wüstensohn mit seinem Kleinvieh beschäftigt. Aber Mose – darüber informieren uns die ersten beiden Kapitel des 2. Mosebuches – hatte in seinen jungen Jahren einiges mitgemacht:

    • Er wurde als jüdischer Junge in Ägypten geboren.
    • Dabei war der Zeitpunkt seiner Geburt äußerst ungünstig: Viele Generationen hatten Ägypter und Juden voneinander profitiert und lebten in friedlicher Koexistenz – mit der Zeit jedoch war die Stimmung gekippt. Aus willkommenen Gastarbeitern wurden mögliche Gefährder.
    • Wie durch ein Wunder kommt Mose als Adoptivsohn zur Tochter des Pharaos.
    • Äußerlich war Mose von den Menschen am ägyptischen Hof nicht mehr zu unterscheiden, aber in seinem Herzen war er Jude geblieben.
    • Mose war ein leidenschaftlicher junger Mann, der anpackte, wo er gebraucht wurde und zuschlug, wo er Ungerechtigkeit empfand.
    • In seinem ungezügelten Eifer wird er zum Mörder und flieht nach Midian. Dort heiratet er die Tochter eines Midianiters.

    Mose war angetreten, im Blick auf die Sache Gottes etwas zu bewegen – und jetzt bewegte er sich jahrzehntelang nur noch hinter einer Herde meckernder Wüstenziegen her.

    Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor?

    Bei uns sind es keine Ziegen, hinter den wir herlaufen, sondern Kinderwagen. Uns halten eher unsere Haustiere oder unsere Autos auf Trab. Das geistliche Leben des Moses unterscheidet sich wohl gar nicht so sehr von dem unsrigen. Die großen Vorsätze sind verblasst, der alltägliche Trott hat uns eingeholt.

    In diese geistliche Dürreperiode des Moses offenbart sich Gott – und zwar völlig unvermittelt und souverän. Nach Jahren geistlicher Dürre bekommt Mose von Gott etwas zu hören und zu sehen.

  2. Heute

    Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach Mose: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott aus dem Busch: "Mose, Mose!" Er antwortete: "Hier bin ich!" (2. Mose 3,2-4)

    Der äußere Rahmen dieser Gottesbegegnung ist bemerkenswert:

    • Gott begegnet Mose nicht daheim im Trubel der Großfamilie. Er begegnet ihm in der Einsamkeit der Steppe.
    • Die Steppe, die Wüste sind die Orte, an denen wir uns selbst nicht ausweichen können.
    • Mose war mit sich allein. In der Stille, in der Einsamkeit, völlig unverhofft und unerwartet kreuzt Gott seinen Weg.

    Könnte es sein, dass wir Gottes Reden so selten vernehmen, weil wir ständig dabei sind, Zerstreuung zu suchen?

    Wir suchen Zerstreuung und wundern uns, dass wir am Ende zerstreut sind. Der moderne Mensch kann die Stille kaum noch aushalten, denn dort würde er sich selbst begegnen. Dort könnten Fragen aufbrechen, die ihm Angst machen.

    Die Signale aus der Ewigkeit – Gottes Stimme – vernehmen wir in der Regel in der Stille. Wenn wir beklagen, dass Gott nicht mehr redet: Könnte es sein, dass es nicht an Gott liegt, sondern daran, dass wir nicht mehr hören können, weil die Außengeräusche so laut sind?

    Ein brennender Dornbusch weckt die Aufmerksamkeit des Moses: Der Dornbusch brennt und brennt und verbrennt nicht.

    Die Reaktion des Moses ist nur zu verständlich: Ich will hingehen, untersuchen und verstehen – ich will der Sache auf den Grund gehen, eine vernünftige Erklärung finden. Mose will das Naturschauspiel ergründen, aber er bekommt Anschauungsunterricht in geistlichen Dingen.

    Der lebendige Gott hält Mose eine Buschpredigt:

    • Der Dornenbusch beschreibt das geistliche Leben des Moses: Trocken, kraftlos, bedeutungslos, nutzlos, ziellos, wirkungslos – nichts los.
    • Aber der Dornenstrauch brennt. In der Bibel finden wir das "Feuer" immer auch als Zeichen der Anwesenheit und Heiligkeit Gottes.
    • Der Dornenbusch brennt – aber er verbrennt nicht! Der heilige Gott wendet sich uns zu, er sucht Gemeinschaft mit uns, er will unsere Herzen entzünden. Der Heilige verknüpft sich mit uns Unheiligen – und wir müssen nicht verbrennen.

    Könnte es sein, dass wir – wenn Gottes Auftrag uns zu heiß wird – sein Reden mit unseren Zweifeln, unseren scheinbar guten Gegenargumenten und unserer Angst vor Veränderung auslöschen?

    Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette … so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. (2. Mose 3,2-4)

    Jahrzehntelang sah es vordergründig so aus, als hätte Gott seine alttestamentliche Gemeinde als Ganzes und Mose im Speziellen vergessen. Die Wahrheit lautet: In all den Jahren war Gott seinem Volk nahe. Jede Träne, die vergossen wurde, war eine Träne, die das Herz Gottes angerührt hat (2. Könige 20,5; Psalm 56,9).

    Die gute Nachricht Gottes lautet: Ich bin der Retter! Rettung ist beschlossen! Und du sollst mein Werkzeug sein.

    Gott will retten und er gebraucht dazu Menschen wie Mose, ehemalige Hitzköpfe, ausgebrannte und geistlich vertrocknete Christen. Christen, die jahrelang nichts mehr gesehen haben als ihr "Kleinvieh", stellt er sich in den Weg und erneuert seine Sendung.

    Heute – wenn Gott uns in den Weg tritt – dann ist Aufbruch angesagt, dann gilt es die Segel zu setzen, die Anker zu lichten und den "alten Glaubenskahn" in den Wind zu steuern.