predigt_2019-01-20

Predigt: Vom wahren Gottesdienst (Teil 3): Die Rache ist mein …

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Datum: 20.01.19
Bibelstelle: Römer 12,17-21
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Der "wahre Gottesdienst" besteht nicht in einem 60- bis 80-minütigen Event am Sonntagmorgen. Den wahren Gottesdienst feiern Christen in der christusgemäßen Gestaltung ihres Alltags.

Im 12. Kapitel des Römerbriefs beleuchtet Paulus, wie dieser "wahre Gottesdienst" aussehen sollte. Unter anderem schreibt Paulus dazu: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): "Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr." (Römer 12,19)

"Die Rache ist mein …" – Rache und Rachegedanken scheinen auch in christlichen Gemeinden ein Thema zu sein, sonst hätte sich Paulus diese Zeilen sparen können.

"Rache ist süß" – Wir fühlen uns tatsächlich vorrübergehend besser, wenn wir es dem anderen heimgezahlt haben.

Rache kann leicht außer Kontrolle geraten. Rache, die ihrem Ursprung nach die Sehnsucht nach Vergeltung ist, verliert das Maß.

Wie gehen wir – die durch die Barmherzigkeit Gottes Erlösten – mit den Rachegefühlen in unseren Herzen um? Dürfen wir – als vom Geist Gottes erfüllte Menschen – überhaupt noch Rachegefühle haben?

  1. Rachegefühle sind menschlich.

    Sowohl in der Bergpredigt wie auch in den Paulusbriefen werden wir nicht aufgefordert, unsere Rachegefühle zu ignorieren oder gegen sie anzu-kämpfen. Rachegefühle sind menschlich.

    Wikipedia lehrt uns: Rache ist eine Handlung, die den Ausgleich zuvor erlittenen Unrechts bewirken soll.

    Rache und sozialer Frieden, Rache und Recht gehören zusammen. Grundsätzlich und positiv betrachtet, bedeutet Rache "Ausgleich". Eine Schuld muss beglichen werden. Es bedarf der "Wiedergutmachung".

    Weil wir Menschen Geschöpfe Gottes sind, weil wir nach Seinem Bilde geschaffen sind, können wir Unrecht nicht einfach ignorieren. Das Empfinden für Recht und Unrecht ist uns sozusagen in die Wiege gelegt.

  2. Die Rache Gott zu überlassen, ist gottgefällig.

    Paulus fordert die Glieder der römischen Christengemeinde nicht auf, auf Rache zu verzichten. Sie sollen das Unrecht nicht schlucken, nicht ignorieren oder gar für Rechtens erklären.

    Paulus fordert die Christen auf, die Rache an Gott abzutreten. Der gerechte Gott wird dafür sorgen, dass dir Gerechtigkeit widerfährt.

    Hier stellt sich die Vertrauensfrage: Glaube ich, dass Gott mir zu meinem Recht verhilft?

    Es geht dabei um das geschwisterliche Miteinander des Volkes Gottes. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Konflikt in einer christlichen Gemeinschaft oder einer Volksgemeinschaft zu lösen ist.

  3. Seinen Feind zu lieben ist nicht unmöglich.

    Paulus und Jesus fordern uns auf, unsere Feinde zu lieben:

    • Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. (Römer 12,20)
    • Ich aber sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. (Lukas 6,27-28)

    "Liebet eure Feinde." – Wie soll das gehen? Soll ich mich selbst belügen? Aus welcher Ecke meines Herzens soll ich denn Gefühle der Liebe herausquetschen, wenn es voller Enttäuschung und Zorn ist?

    Wer genau auf den Text achtet, stellt fest, dass es nach "Liebet eure Feinde" weiter geht. Liebe wird erklärt.

    Die Aufforderung Jesu lautet nicht: "Habe ein liebevolles Gefühl für deine Feinde", sondern: "Liebe deinen Feind, indem du ihn nicht verhungern oder verdursten lässt. Liebe deinen Feind, indem du ihn segnest und für ihn betest."

    Meinen Gefühlen kann ich keine Vorschriften machen. Aber was hindert mich daran, meinen Zorn, meinen Ärger und meine Rachegefühle zu Gott zu bringen? Was hindert mich daran, denjenigen, der mir das Leben schwermacht, zu umbeten und ihm Gutes zu tun?

    Wenn die Bibel von Liebe spricht, dann meint sie nicht das warme Gefühl in unserem Herzen, sondern die Aktion, die dem anderen Gutes tut. Dazu können wir uns entschließen. Da können wir einen Anfang wagen.