predigt_2019-01-06

Predigt: Suche Frieden und jage ihm nach!

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Datum: 06.01.19
Bibelstelle: Psalm 34,15
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

"Alle Jahre wieder …" kurz nach dem Christuskind taucht die Jahreslosung in Gottesdiensten und Fernsehansprachen auf. Jedes Jahr eine Jahreslosung.

Eigentlich eine gute Idee: Ein Vers, der ein Jahr lang in unserem geistlichen Leben Wurzeln schlagen und sich tief eingraben kann. Wenn – wenn wir nicht so vergesslich wären! Wenn es nicht so viele Eindrücke und Worte gäbe, die auf uns einprasseln und unsere Aufmerksamkeit fordern würden.

Können Sie sich noch an die Jahreslosungen der vergangenen Jahre erinnern?

  • 2018: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)
  • 2017: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)
  • 2016: Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Die diesjährige Jahreslosung unterscheidet sich deutlich von den Jahreslosungen der vergangenen Jahre. Während wir es drei Jahre lang mit Verheißungen zu tun hatten, bekommen wir es nun mit einer klaren Ansage zu tun.

Beides haben wir als Kindes Gottes dringend nötig: Sowie die Zusage der Gegenwart und Treue Gottes als auch die Aufforderung, unseren Glauben praktisch werden zu lassen.

Der Abschnitt aus Psalm 34 fordert die Gemeinschaft der Glaubenden auf sich zu bewegen: "Sucht und jagt dem Frieden nach". Der Friede, den der Psalmdichter beschreibt, bedarf also der Anstrengung. Es gibt ihn nicht ohne Mühe. Er fällt uns nicht einfach in den Schoß.

Eine weitverbreitete Methode Frieden zu halten ist sehr populär. Nämlich die, bei der sich die Streithähne möglichst weiträumig aus dem Weg gehen. Wir lassen uns in Frieden – indem wir uns auf Distanz halten.

Wir lassen uns in Frieden. Nur wenn uns jemand blöd kommt, uns ungerechtfertigt kritisiert, uns gegen den Strich bürstet, dann steht der Frieden auf dem Spiel.

Gibt es so jemand an Ihrem Arbeitsplatz, in Ihrer Familie, in Ihrer Gemeinde? Wenn ja, denn haben Sie in diesem Jahr eine ganz besondere Aufgabe: Suche Frieden und jage ihm nach!

Was meint der Psalmdichter, wenn er vom "Frieden" spricht?

Im Gegensatz zu unserem modernen Friedensverständnis ist Friede im Sinne des hebräischen "Schalom" weit mehr als die Abwesenheit von Streit und Krieg. Schalom mein Wohlergehen, Glück, Gerechtigkeit, Heil.

Dabei wird der Begriff "Frieden" eng an "Gott Jahwe" selbst gebunden. ER ist der Ursprung allen Friedens, der Gott des Friedens, der Gott mit dem absoluten Friedenswillen:

  • Da sprach der HERR zu ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben. Und Gideon baute dem HERRN dort einen Altar und nannte ihn: Jahwe-Schalom. (Richter 6,23)
  • Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! (Römer 15,33)
  • Gott selbst, der Gott des Friedens, helfe euch, ein durch und durch geheiligtes Leben zu führen. (1. Thessalonicher 5,23)

Der Gott des Friedens hat ein einziges, vorrangiges Ziel: Er setzt alles daran, eine Menschheit, die sich mit ihm im Streit befindet, zu befrieden.

Die Geschichte Gottes mit den Menschen, die Heilsgeschichte von Anfang an, ist die Geschichte einer göttlichen Friedensbewegung. Sie findet ihren Höhepunkt in Jesus Christus: Ja, Gott hat beschlossen, mit der ganzen Fülle seines Wesens in ihm (Christus) zu wohnen und durch ihn das ganze Universum mit sich zu versöhnen. Dadurch, dass Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen. Die Versöhnung durch Christus umfasst alles, was auf der Erde, und alles, was im Himmel ist. Auch ihr seid darin eingeschlossen. (Kolosser 1,19-21)

"Suchet den Frieden und jagt ihm nach", das bedeutet also zunächst, sich in Gottes Frieden hineinnehmen zu lassen. Es bedeutet, Jesus Christus – das Friedensangebot Gottes – anzunehmen und in der Gemeinschaft mit ihm zu leben.

Aus dieser Beziehung heraus öffnet sich eine Kraftquelle, die es ermöglicht, auch in friedlosen Umständen Frieden zu bewahren und für Frieden zu sorgen. Die Bibel nennt es die Kraftquelle – oder besser – die "Frucht des Geistes": Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue … (Galater 5,22)

"Friede", so wie ihn die Heilige Schrift versteht, ist also weit mehr als ein beziehungsloses Nebeneinander und Sich-aus-dem-Weg-gehen. "Suche Frieden und jage ihm nach" ist zunächst eine Herausforderung an mich selbst – an mein eigenes Herz.

Hat der Gott des Friedens – seinen Frieden in meinem Herzen verankern können? Strecke ich mich aus, suche ich, jage ich nach dem Frieden Gottes für mich?

Nur befriedete Menschen werden in der Lage sein, den Frieden Gottes weiterzugeben. Shalom können wir doch nur dann verbreiten, wenn es in unseren Herzen "Shalom" geworden ist. In diesem Sinne ist die Jahreslosung 2019 eine echte Herausforderung für unser eigenes Glaubensleben.

Jedes Jahr zur Jahreslosung hat es eine ganze Anzahl Künstler und Künstlerinnen, die sich der Aufgabe widmen, dem ausgewählten Bibeltext Gestalt zu geben, z. B. eine Grafikcollage von Stefanie Bahlinger:

Jahreslosung 2019 - Stefanie Bahlinger

  1. Das Kreuz im Vordergrund

    Ein strahlend weißes Kreuz erstreckt sich über die gesamte Grafikcollage. Es sprengt Raum und Zeit, verbindet Himmel und Erde und umfasst alles, was war, was ist und was noch sein wird. Das Kreuz steht im Vordergrund. Es ist der Anfang, der Ausgangspunkt der wandernden Menschenmenge.

    Gemeinde Gottes, Kirche Jesu Christi ist immer Gemeinschaft unter dem Kreuz. Wir sind nicht beieinander, weil wir uns so überaus sympathisch sind, sondern weil wir alle miteinander von der Versöhnung leben, die Christus am Kreuz erworben hat.

    Eine Kirche, die das Kreuz Christi als Mitte verloren hat, die es als Störfaktor an den Rand geschoben hat, ist dagegen nicht mehr Kirche im Sinne Gottes.

  2. Gemeinde unterwegs

    Hinter dem Kreuz hat es eine Ansammlung von Menschen. Diese Menschen sind:

    • Eine "bunte" Schar

      Gemeinde Jesu ist immer auch bunte Schar. Sehr unterschiedliche Temperamente, Persönlichkeiten, Frömmigkeitsstile treffen aufeinander.

      Diese Unterschiedlichkeit ist Gabe und Aufgabe zugleich: Wenn eine Gemeinde "bunte Schar" bleiben will, dann braucht es eine klare Verortung unter dem Kreuz als geistliche Mitte. Und es braucht die Bereitschaft aller Gemeindeglieder, sich immer wieder neu auf die Suche und die Jagd nach dem Frieden einzulassen.

    • Geeint durch einen gemeinsamen Vater im Himmel

      Auf den Personen des Bildes kann man Fragmente aus der Bibel erkennen. In verschiedenen Sprachen sind dort Teile des Vaterunsers zu lesen. Gemeinde Jesu Christi ist immer auch weltweite Gemeinde.

      Wir lesen die Bibel in verschiedenen Übersetzungen und beten in unterschiedlichen Sprachen. Dennoch gehören wir zusammen – als Kinder des einen himmlischen Vaters.

    • In unterschiedlicher Entfernung zur Mitte

      Am Rande des Bildes verblassen die Farben. Personen sind kaum noch auszumachen. Es sind zerrissene Gestalten, Menschen mit zerbrochenen Biografien, Zweifler und Angefochtene. Auch auf ihnen finden sich die Worte des Vaterunsers.

      Nicht immer sind wir die Glaubenshelden, brennend voll Geistes und unterwegs in göttlicher Mission. Der eine oder andere mag sich heute Morgen vielleicht eher mit einem dieser Schnipsel am Rand identifizieren. Grautöne dominieren sein geistliches Leben.

      Dennoch: Auch die Menschen am Rand stehen unter dem Kreuz, auch auf ihnen hat es Worte des Vaterunsers. Auch sie sind Kinder des einen heiligen Schöpfergottes. Auch sie gehören zum Leib Christi.

    • Unterwegs zum selben Ziel

      Die Menschen auf dem Bild bewegen sich auf ein gemeinsames Ziel zu. Häuser sind zu erkennen. Das Ziel der Pilgergruppe ist eine Stadt. Zwei goldene Bögen zeichnen die Stadt als heilige Stadt, als Stadt der Gegenwart Gottes aus.

      In seinem Brief an die Philipper beschreibt Paulus das Ziel des Glaubens mit den Worten: Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen, um den Siegespreis zu bekommen – den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat. Wir alle, die der Glaube an Christus zu geistlich reifen Menschen gemacht hat, wollen uns ganz auf dieses Ziel ausrichten. (Philipper 3,13-15)

      Paulus beschreibt das Ziel der glaubenden Gemeinde mit "Teilhabe an der himmlischen Welt". Wenn aber die ewige Welt unser Ziel ist, dann machen die meisten unserer Streitereien keinen Sinn. Rechthaberei, Revierkämpfe, Machtrangeleien sind völlig sinnlos, wenn die neue Welt Gottes unser Ziel ist. Sie sind nicht nur sinnlos, sie sind in hohem Maße schädlich.

      Weil wir zu einem gemeinsamen Ziel unterwegs sind, weil wir als Kinder Gottes dem Gott des Friedens gehören, sind Rangeleien und Streitereien völlig unangebracht.