predigt_2018-12-24

Predigt: Perfekte Weihnachten?

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Datum: 24.12.18
Bibelstelle: Lukas 2,15-17.20
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Was wäre das denn eigentlich: Ein perfektes Weihnachten? Wann wäre Weihnachten für uns perfekt?

Bei vielen Kindern wäre Weihnachten wohl dann so richtig perfekt, wenn es fette Geschenke gäbe.

Bei den Erwachsenen verbinden die einen perfekte Weihnachten mit einem großen harmonischen Familientreffen, bei dem möglichst keiner fehlen darf und ein reichhaltiges Festessen mit Gänsebraten gesetzt ist. Andere sehnen sich nach einigen Tagen Ruhe und Beschaulichkeit. Für einige Weihnachtsmuffel ist Weihnachten erst dann perfekt, wenn die Feiertage endlich vorbei sind.

Unsere Familienweihnachtsfeiern waren alles, sie waren meist fröhlich, besinnlich, fast immer anstrengend, aber nie so richtig perfekt.

Bei vordergründiger Betrachtung haben auch die Ereignisse um die Geburt des Christuskindes wenig Perfektes zu bieten.

Was für ein mieses Timing: Ausgerechnet zum Ende der Schwangerschaft der Maria kommt Kaiser Augustus auf die glorreiche Idee, eine Volkszählung anzuordnen.

Der Fußweg von Nazareth nach Bethlehem führt 160 Kilometer lang durch hügelige, steinige Landschaften. Und dann, als die beiden in Bethlehem ankommen und sich bei Maria die ersten Wehen einstellen, ist jedes Bett belegt. Maria als Erstgebärende bringt ihren Sohn ohne medizinisches Fachpersonal zur Welt.

Umstände finden wir vor, bei denen von einem "perfektem Weihnachten" wirklich keine Rede sein kann. Müssen wir "perfekte Weihnachten" also abhaken?

Bei genauerer Betrachtung dagegen werden wir feststellen, dass das erste Weihnachten absolut perfekt war: Wir sehen einem perfekten Gott auf die Finger.

Statt "perfekt" gebraucht die Bibel das Wort "vollkommen": Gottes Wege sind vollkommen, des HERRN Worte sind durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen. (2. Samuel 22,31)

Das erste Weihnachtsgeschehen mit all seinen Turbulenzen ist Ausdruck göttlicher Vollkommenheit. In allem – auf den ersten Blick Chaotischen – offenbart sich ein vollkommener Plan Gottes. Paulus schreibt: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. (Galater 4,4)

"Als die Zeit erfüllt war" – Die Geburt des Jesuskindes erfolgt nach dem exakten Zeitplan Gottes. Maria und Josef müssen sich die mühevolle Reise zumuten, damit sich das alte Wort des Propheten Micha erfüllt: Doch dir, Betlehem im Gebiet der Sippe Efrat, lässt der Herr sagen: "So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der künftige Herrscher über mein Volk Israel kommen. Sein Ursprung liegt in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit. (Micha 5,1)

Über 700 Jahre vor der Geburt von Jesus wird sein Geburtsort vorhergesagt. Das erste Weihnachten ist keine Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen, sondern Maßarbeit eines vollkommenen Gottes.

Genauso und nur so wollte der vollkommene Schöpfergott sein Heil in dieser Welt verankern – nicht durch einen erfolgreichen Feldherrn, nicht mit einem einflussreichen politischen Machthaber, sondern mit einem hilflosen Säugling in einem Futtertrog.

Das allererste Weihnachten war absolut perfekt, weil es etwas war, was Menschen nicht vorbereitet hatten und nicht vorbereiten konnten. Der lebendige Gott sendet das Heil aus seiner Ewigkeit in unsere Zeitlichkeit. Gott kommt den Menschen an Weihnachten nahe wie nie zuvor. Seine Liebe bekommt Hände und Füße und ein Gesicht, sie wird handgreiflich.

Das allererste Weihnachten war absolut perfekt, weil es den Beginn eines weltumgreifenden göttlichen Rettungsprogramms einleitet.

Wie aber – und das ist die spannende Frage – können wir davon profitieren? Was macht Weihnachten für uns zu einem guten, perfekten Weihnachten?

Vielleicht lässt sich diese Frage am besten am Beispiel der Hirten in der Weihnachtsgeschichte beantworten:

Da sagten die Hirten zueinander: "Kommt, wir gehen nach Betlehem! Wir wollen sehen, was dort geschehen ist und was der Herr uns verkünden ließ." Sie machten sich auf den Weg, so schnell sie konnten, und fanden Maria und Josef und bei ihnen das Kind, das in der Futterkrippe lag. Nachdem sie es gesehen hatten, erzählten sie überall, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war … Die Hirten kehrten zu ihrer Herde zurück. Sie rühmten und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten; es war alles so gewesen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte. (Lukas 2,15-17.20)

Was können wir von den Hirten lernen?

  1. Sie setzten sich in Bewegung.

    Die Engel verkündigen den Hirten das Weihnachtsevangelium.

    Aber erst die persönliche Erfahrung, die Begegnung mit dem Heiland der Welt, bewirkt in ihnen eine echte Weihnachtsfreude. Um dahin zu gelangen, müssen sie sich in Bewegung setzen.

    Das Weihnachtsevangelium haben wohl fast alle unserer Mitbürger irgendwann in ihrem Leben einmal gehört. Über diese Botschaft kann man diskutieren, man kann ihr glauben oder sie ablehnen – aber erst wenn es zu einer Begegnung mit Jesus kommt, wird der Glaube lebendig.

    Die Hirten verlassen ihre bisherigen Standpunkte, sie lassen sich auf eine Begegnung mit Jesus ein und machen eine Erfahrung, die ihr Leben verändert.

  2. Sie kommen mit leeren Händen.

    Nichts steht im Weihnachtsevangelium davon, dass die Hirten schnell noch ein paar Weihnachtsgeschenke für das Christkind aufgetrieben hätten. Die Hirten kommen zur Krippe, so wie sie sind. Sie sind einfach da – nicht geduscht, in Arbeitsklamotten, mit schmutzigen und leeren Händen.

    Wer Jesus begegnen will, darf zu ihm kommen, wie er ist. Wir dürfen mit leeren Händen vor ihm stehen. Wir brauchen keine Edelkleidung und kein Feiertagsgesicht, um Weihnachten zu erleben.

  3. Sie sehen und staunen.

    Es ist schwer vorstellbar, was die Hirten an dem Säugling im Futtertrog fasziniert hat. Was gibt es im Stall zu sehen?

    Die Hirten sehen geschaffte, aber glückliche Eltern, und einen in ein Leintuch gewickelten Säugling – und werden auf eigentümliche Weise innerlich berührt. Sie haben ein Gespür dafür, dass sich im Stall von Bethlehem Himmel und Erde berühren. Sie erblicken einen Säugling und erkennen Gott. Sie sehen die ärmlichen Umstände und entdecken darin Gottes Vollkommenheit.

  4. Sie geben ihrem Gott die Ehre.

    Die Hirten kehrten zu ihrer Herde zurück. Sie rühmten und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Das weihnachtliche Erleben lässt die Hirten nicht kalt. Sie sind begeistert von Gottes Weihnachtsgeschenk – sie wollen und können nicht anders, als IHM zu danken und IHM die Ehre zu geben.

Ob es für uns ein perfektes Weihnachtsfest wird oder nicht, hängt nicht davon ab, ob sich all unsere Wünsche erfüllen, sondern es hängt entscheidend davon ab, ob und inwieweit wir uns von Gott selbst beschenken lassen.

Er hat uns seinen Sohn zum Geschenk gemacht! Wir alle sind eingeladen, dieses Geschenk ganz persönlich für uns in Anspruch zu nehmen. Das wäre dann tatsächlich ein perfektes Weihnachten.