predigt_2018-12-09

Predigt: Begründete Freude

Zur Predigtübersicht

Datum: 09.12.18
Bibelstelle: Philipper 4,4-6
Redner: Hans-Peter Dinter

Um die Predigt herunterzuladen, drücken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf und wählen dann "Ziel speichern unter" …

Zusammenfassung:

Wir wollten eine ruhige, besinnliche Adventszeit verbringen – aber wir hetzen durch die Gegend, als wäre eine Horde wilder Affen hinter uns her. Tausend Dinge hat es, die noch zu bedenken und zu klären sind.

Damit uns solches im Blick auf den "großen letzten Advent", nämlich dem Ankommen von Jesus auf dieser Erde nicht widerfährt, erinnert Paulus die Christen in Philippi: "Vergesst es nicht, stellt euch darauf ein: Der Herr ist nahe!"

Die Botschaft der Wiederkunft von Jesus ist keine Drohbotschaft, sondern eine freudige Nachricht.

Der Herr ist nah …, darum:

  1. In der Gemeinde: Freude!

    Über 40-mal taucht der Aspekt der Freude im Philipperbrief auf. Dabei waren die äußeren Umstände für den Briefschreiber alles andere freudig. Da hätte es allen Grund, das Klagegeheul anzustimmen und schlechte Laune zu verbreiten. Stattdessen: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! (Philipper 4,4)

    Wenn das so einfach wäre! Und Paulus scheint dem Unmöglichen noch eins drauf setzten zu wollen: Freut euch allezeit!

    Nicht nur Einzelne, nicht nur die Sonnyboys, die Frohnaturen sollen sich freuen, sondern auch die Skeptiker, die Schwermütigen. Und sie sollen sich nicht nur ab und zu, hier und da freuen, sondern allezeit, immer und in jeder Lebenslage.

    Wie soll das gehen?

    Aus dem Zusammenhang des Textes wird klar, dass es Paulus nicht darum geht, dass in der Gemeinde "auf Freude gemacht" wird. Echte Freude ist immer begründete Freude: "Freuet euch im Herrn!"

    Mit dieser Formulierung wird deutlich: Die Freude, von der Paulus schreibt, entsteht nicht am Rande, sondern in der Gemeinschaft mit Jesus. Das Geheimnis lebendigen Glaubens ist eine geistliche Neuschöpfung. Eine Existenz "in Christus" meint ein "Verbackensein" mit Jesus.

    "Freut euch in Christus" das heißt dann: Richtet euren Blick auf das Neue. Schaut nicht auf das, was ihr seid, sondern auf das, was ihr in Christus seid.

    Ob Freude aufkommt oder nicht, hat ganz entscheidend mit meiner Blickrichtung zu tun. Was fesselt unseren Blick? Sind wir gefesselt von den Nöten dieser Welt, schauen wir gebannt auf unsere Mängel und Defizite und die anderer? Dann wird es mit der Freude schwierig werden.

    "Freut euch in dem Herrn", das kann nur gelingen, wenn wir von uns weg – und zu IHM hinschauen. Diese Freude ist unabhängig von der momentanen Lebenslage.

  2. Im Umgang mit den Mitmenschen: Güte!

    Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,5)

    Güte begegnet dem anderen freundlich, sie bietet dem Mitmenschen Freundschaft an. Paulus verknüpft diese "Menschenfreundlichkeit" mit der Wiederkunft Jesu. Angesichts der Nähe des wiederkommenden HERRN sollen die Jesusleute den Menschen freundlich, gütig, milde begegnen.

    Die Kirche und die Christen haben bei ihren postmodernen Zeitgenossen einen enorm schlechten Ruf. Fast immer, wenn Christen im Fernsehen oder in Filmen dargestellt werden, erscheinen sie irgendwie realitätsfern, nicht besonders intelligent, als glühende Eiferer, oft auf einer Art Kreuzzug gegen das Böse in der Gesellschaft.

    Christen im Kreuzzug gegen eine "böse Welt"?

    Wie absurd diese Grundhaltung ist, lässt sich sehr deutlich an Gott selbst zeigen: Als der lebendige Gott sah, wie eine Menschheit in ihrer Gottlosigkeit zugrunde ging, startete er keinen Kreuzzug, sondern er schickte seinen Sohn auf den Kreuzweg. Der heilige Gott begegnet der Gottlosigkeit dieser Welt mit Menschenfreundlichkeit.

    Die Menschenfreundlichkeit der Christen könnte den Skeptikern und Zweiflern, den Verirrten und den Wahrheitssuchenden unserer Tage einen Weg zu Christus ebnen.

  3. Im Blick auf Gott: Vertrauen!

    Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus. (Philipper 4,6.7)

    Manches schien die junge Gemeinde in Philippi bedrückt zu haben. Sorgen kleben wie Sekundenkleber. Mit Loslassen und Abschütteln ist es gewöhnlich nicht getan. Gutgemeinte Ratschläge wie: "Mach dir keine Sorgen" bewirken dabei gerade das Gegenteil.

    Im 1. Petrusbrief dem 5. Kapitel greift Petrus den Gedanken des Paulus auf: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

    Mit dem Verb "werfen" verwendet er dabei einen Ausdruck, den die Menschen damals benutzten, wenn sie einem Lasttier das Gepäck auf den Rücken banden: "Bindet eure Sorgen auf den breiten Rücken Gottes".

    Weil der Herr nahe ist, deshalb sollen wir keine Zeit und Kraft damit vergeuden, uns mit Sorgen zu zermürben. Flehen und Danksagung, Gebet, Fürbitte und Lobpreis eröffnen dem Glaubenden eine neue Perspektive.

    Im Grunde genommen lädt Jesus uns zu einem Tauschgeschäft ein: Er wartet auf unsere Sorgen, auf unser Flehen und unseren Dank – und er tauscht sie ein in einen Frieden, der alles Verstehen, alle vernünftigen Erwägungen übersteigt.

Der Herr ist nahe … Die Botschaft von der Wiederkunft Jesu fordert uns heraus, unseren Mitmenschen mit Menschenfreundlichkeit zu begegnen, unser Leben vertrauensvoll in Gottes Hand zu legen – und uns daran zu freuen, dass der, der jetzt schon durch seinen Geist in uns wohnt, auf zu uns zukommt.