predigt_2018-11-11

Predigt: Vom wahren Gottesdienst (Teil 2)

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Datum: 11.11.18
Bibelstelle: Römer 12,9-10
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Über und vor allem Tun steht immer die Barmherzigkeit Gottes. Paulus ist Apostel Jesu Christi und kein Moralapostel. Ohne die Barmherzigkeit Gottes im Rücken wären die zahlreichen Anweisungen des Apostels eine einzige gnadenlose Überforderung.

Es geht nicht darum, eine Liste abzuarbeiten, um den Ansprüchen eines gnadenlosen Gottes zu genügen und bei diesem zu punkten. Von der Barmherzigkeit Gottes überwundene Menschen, Menschen, die von Gott angenommen und erlöst sind, werden befähigt, ihren Glauben praktisch werden zu lassen.

In Römer 5,5 heißt es: "… denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist."

Paulus beschreibt, wie sich diese Liebe Gottes praktisch bei uns auswirken soll:

  1. In der Liebe echt!

    Die Liebe soll echt sein, nicht geheuchelt. (Römer 12,9)

    Die Liebe – die göttliche Liebe "Agape" – soll echt sein, nicht geheuchelt. Was Liebe bedeutet, zeigt sich an Gottes Liebe zu uns: Die Liebe Gott packt zu. Sie steigt herab in das Elend der Welt.

    Wenn es um das Tun geht, wenn es darum geht, einem Mitchristen unter die Arme zu greifen, ihm in einer Notlage mit Rat und Tat und vielleicht auch finanziell zu helfen, dann bedeutet dieser Vers: Wenn ihr dem anderen Gutes tut, dann ohne den heimlichen Hintergedanken, von Dritten gesehen und bewundert zu werden.

    Die ungeheuchelte Liebe, von der Paulus schreibt, dient nicht dazu, Anerkennung einzuheimsen. Sie ist auch kein Darlehen, bei denen sich der Empfänger ein Leben lang schuldig fühlen muss. Die ungeheuchelte Liebe wendet sich dem anderen um seiner selbst und um Christi Willen zu.

  2. Im Umgang miteinander herzlich!

    Lasst im Umgang miteinander Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe zum Ausdruck kommen. (Römer 12,10a)

    Während Paulus bisher von der "Agapeliebe" schrieb, gebraucht er jetzt das griechische Wort "Philadelphia". Die Philiadephia meint die Zuneigung in der Familie, die "Geschwisterliebe" und im übertragenen Sinne auch die Liebe der geistlichen Geschwister, der Brüder und "Brüderinnen" in Christus.

    Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe bringt Paulus hier zusammen. Das Wissen darum, geistlich betrachtet, zu einer Familie zu gehören und demselben Vater im Himmel zu dienen, soll mit Herzlichkeit verbunden sein.

    Herzlichkeit meint nichts anderes als dass wir unserem Mitchristen Raum in unserem Herzen geben. Schafft in eurer Gemeindefamilie eine Grundstimmung, die von Herzlichkeit geprägt ist. Sind die Formen unseres gemeindlichen und privaten Lebens so geartet, dass darin herzliche Verbundenheit gedeihen kann?

  3. In der Beziehung zueinander respektvoll!

    Übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen. (Römer 12,10b)

    Üblicherweise sind Menschen in ihren unterschiedlichen Beziehungen ständig damit beschäftigt, sich selbst Respekt zu verschaffen oder Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wir übertreffen uns gerne in Witzigkeit, Klugheit, Kompetenz.

    Im heutigen Predigttext geht es um etwas anderes: Die Christen sollen sich gegenseitig darin übertreffen, miteinander respektvoll umzugehen.

    In Philipper 2,3-4 schreibt Paulus: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

    Einen Menschen zu achten heißt:

    • Ihn beachten.

      Die schlimmste Form der Missachtung eines Menschen besteht wohl darin ihn nicht wahrzunehmen, ihn zu übersehen. In Vers Römer 12,16 heißt es dagegen: Seid nicht überheblich, sondern sucht die Gemeinschaft mit denen, die unscheinbar und unbedeutend sind. Haltet euch nicht selbst für klug.

      Nicht jeder liebt es im Mittelpunkt zu stehen, aber jeder Mensch verdient es, beachtet zu werden. Da braucht es keine großen Aktionen, sondern oft nur ein freundliches Wort, eine nette Geste.

    • Ihn mit seiner Lebensgeschichte und seinen Entscheidungen ernst nehmen.

      Jeder von uns hat ein tiefes und berechtigtes Bedürfnis, als Mensch ernst genommen zu werden. Einen Menschen zu achten heißt nicht, dass ich unter allen Umständen seinen Lebensstil gutheißen muss. Aber es heißt, dass ich ihn in seiner Entscheidung respektiere.

    • In ihm den Menschen zu sehen, den Gott unendlich lieb hat und in dem Gott am Werk ist.

      Auch der Mensch, der uns wenig liebenswürdig begegnet, der alles dafür tut, um uns das Leben schwer zu machen, ist ein Mensch, für den Christus am Kreuz gestorben ist.

      Auch in dem Mitchristen, mit dem ich in der Gemeinde am wenigsten klar komme, der mich immer wieder herausfordert und um den ich am liebsten einen weiten Bogen schlage – auch in ihm ist Gottes Heiliger Geist am Werk. Wer Menschen aus dieser Perspektive sieht, kommt nicht umhin, ihnen mit Respekt und Achtung zu begegnen.

Am Ende stellt sich die Frage: Ist das, was Paulus fordert, überhaupt lebbar? Können wir uns der Herausforderung stellen, ohne dass irgendwann die Luft raus ist? Wer immer nur liebt, wird der nicht irgendwann aus dem letzten Loch pfeifen?

Das zu leben ist nur möglich, wenn wir immer wieder "göttlichen Nachschub" bekommen. Nur wenn wir immer wieder von Gottes Liebe erfüllt werden, wenn unser Tank an Liebe durch den Geist Gottes gefüllt ist, können wir uns in echter Liebe begegnen, herzlich mit einander umgehen und gemeinsam alles daran setzen, einander Achtung entgegenzubringen.