predigt_2018-10-28

Predigt: Vom wahren Gottesdienst

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Datum: 28.10.18
Bibelstelle: Römer 12,1-2
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Welche Assoziationen verbinden Sie mit dem Begriff "Gottesdienst"?

Wann feiern wir unseren Gottesdienst? Wenn wollen wir mit unseren Gottesdiensten erreichen? Und wie lange darf ein Gottesdienst dauern?

Die Antwort des Apostels Paulus zu dieser Frage lautet: "Euer ganzes Leben soll ein Gottesdienst zu sein." Also vierundzwanzig Stunden. Rund um die Uhr. Von morgens bis abends. Täglich von 0-24 Uhr:

Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Römer 12,1-2)

In drei Punkten lassen sich diese beiden Verse gliedern:

  • Als Vorgabe – die Barmherzigkeit Gottes

    "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes …"

    Schon ganz zu Beginn wird deutlich, wer die Adressaten des Briefes sind, nämlich die "Brüder" und "Brüderinnen" der jungen Christengemeinde zu Rom und zu Aschaffenburg. In Rom ging es "multikultimäßig" zu. Menschen aus verschiedensten Ethnien lebten zusammen und fanden sich selbstverständlich auch in der jungen Kirche wieder.

    Diese bunte Truppe in Rom hat eine Mitte, etwas, dass sie eint. Jeder Einzelne ist durch Gottes Erbarmen erlöst und zu einem neuen Leben freigekauft. Wenn Paulus von Gottesdienst und Hingabe spricht, dann ist das Wissen um Gottes Barmherzigkeit und die tiefe Gewissheit seines Erbarmens die Basis dazu.

    Gottes Barmherzigkeit hat Menschen in Christus "verbrüdert" – das allein ist die Vorgabe, der Ausgangspunkt, das Fundament. In Christus hat Gott eine Welt mit sich selbst versöhnt.

    Ich brauche durch mein Leben und Tun nichts bei ihm gewinnen, denn es ist schon alles gewonnen. Ich bin frei davon, für mich selbst kämpfen zu müssen. Alle Hingabe, das Gute, mit dem wir das Böse überwinden können, bezieht seine Dynamik aus dem Erbarmen Gottes und aus der Wirkungskraft des Heiligen Geistes – alles andere ist endet in nichts anderem als in einer harten Gesetzlichkeit.

  • Eine Hingabe – mit Haut und Haaren

    "… dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst".

    Von einer Hingabe mit "Haut und Haaren", schreibt Paulus. Glaube im Sinne der Bibel ist keine Gedankenspielerei. Ein Glaube, der nicht sichtbar wird, ist ein kranker Glaube. Was ich glaube, zeigt sich in meinem Verhalten.

    Nachfolger Jesu sind wir nicht dann, wenn wir eine saubere Theologie vertreten, sondern wenn wir unser Leben, eben "mit Haut und Haaren" an IHN hingeben. Zu einem lebendigen und heiligen "Opfer" ihres Lebens fordert der Apostel die Christen heraus.

    Beim Schuldopfer des Alten Testaments ging es darum, Schuld zu sühnen. Im Neuen Testament wird bezeugt, dass das Opfer für die Sünde der Welt am Kreuz von Golgatha erbracht worden ist! Jesus ist das Lamm Gottes, dass der Welt Sünde trägt! Da gibt es nichts, was daran noch zu ergänzen wäre.

    Wenn Paulus nun die Gemeindeglieder auffordert, ihre Leiber zu opfern, dann kann dieses Opfer nur ein Dankopfer sein. Die Hingabe des ganzen Lebens ist die dankbare Reaktion des Gläubigen auf Gottes Erbarmen.

    Wenn also ein Mensch durch die Verkündigung des Evangeliums so berührt wird, dass er nicht nur gerührt ist, sondern umkehrt, sein Leben Christus anvertraut und sich von nun an bewusst zu einer christlichen Gemeinde oder Gruppe hält: Mit welchen Konsequenzen ist das eigentlich verbunden?

    Er beginnt etwa, regelmäßig und bewusst mit Gott im Gebet zu reden. Er widmet der Bibel nun seine volle Aufmerksamkeit.
    Er wird in der Gemeinde zu einem verlässlichen Glied und zeigt sich bereit, Aufgaben zu übernehmen. Auch wird er versuchen, in Familie, Beruf und unter Nachbarn eine Stimme für Jesus zu sein.

    Das alles ist nicht nichts. Die Lebenswende, die ihm widerfuhr, wird in alledem sichtbar, auch für andere. Aber ist damit die Andersartigkeit eines Lebens, das im Horizont des Reiches Gottes gelebt wird, schon voll zur Geltung gebracht?

    Wie sieht es etwa mit der Besitz- und Eigentumsfrage aus, mit dem Konsumverhalten? Welche Konsequenzen hat die Nachfolge auf die Berufsethik? Unter welcher Autorität steht mein Freizeitverhalten? Welche Bedeutung hat die Art meines Wohnens, meines ganz privaten Lebensstils für die Nachfolge?

    Man kann in unseren Breitengraden Christ werden und Christ sein, ohne dass sich in den Bereichen Geld, Lebensstil, Konsumverhalten, Rollenverständnis zwischen Mann und Frau, politische Einstellung usw. notwendigerweise etwas zu ändern hat.

    Danach fragt man nicht und wird nicht gefragt. Wir haben diese Bereiche zu Hoheitsgebieten des einzelnen erklärt mit der Aufschrift: "Privat! Zutritt verboten!".

    Weil das Leben der Christen ein ganzheitlicher Gottesdienst sein soll, muss es uns interessieren, wie dieser Gottesdienst gefeiert werden soll:

    • Die Frage der Jesusleute kann nicht heißen: Wie komm ich bequem und möglichst schmerzfrei durchs Leben?
    • Die Frage muss lauten: Wie sieht mein – ganz persönlicher – Gottesdienst aus?

  • Die Aufgabe – prüfet und das ein Leben lang

    "Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene."

    Dieser eine Vers bietet genügend Stoff – vielleicht sogar "Sprengstoff" – für ein ganzes Leben. "Seid nicht gleichförmig!" Das meint: "Lasst euch nicht in das Schema dieser Welt pressen".

    Der Lebensstil der Christen kann nicht am Schnittmuster derer bemessen werden, die Gott und seine guten Ordnungen nicht kennen. Das macht das Leben nicht einfach. Wer nicht nach dem Schnittmuster der Welt leben will, kann sich nicht vor der Aufgabe drücken, immer wieder das eigene Verhalten, die eigenen Werte am Maßstab der Bibel zu prüfen und ein eigenes, an der heiligen Schrift abgemessenes Schnittmuster zu entwerfen.

    Wer nicht nach dem Schnittmuster der Welt leben will, kommt nicht umhin, mit anderen Christen nach dem Schnittmuster Jesu zu forschen. Ein Christus hingegebenes Leben kann sich nicht der Gesellschaftsnorm anpassen, sondern wird sich immer wieder auch deutlich absetzen müssen.

    Warum macht das westliche Christentum – mit und trotz seiner Gemeinden und Gemeinschaften, mit und trotz vieler ernsthafter, aufrichtiger Christen – auf die Mehrheit unserer Zeitgenossen weithin den Eindruck von Irrelevanz und Bedeutungslosigkeit? Könnte es sein, dass es unter anderem daran liegt, dass sich unser Leben nicht mehr erkennbar von der gesellschaftlichen Außenwelt absetzt?

    Wir bewegen uns als Jesusleute im Strom des 20. Jahrhunderts – das können wir nicht ändern. Es ist der Fluss der Zeit, unserer Gesellschaft. Sehr oft lassen wir uns treiben – denn das ist selbstverständlich der einfache Weg.

    Diese sich im Strom der Gesellschaft treibende Christenheit ist aufs Ganze gesehen für unsere Zeitgenossen kein Ansporn mehr, sich einem lebendigen Schöpfergott zuzuwenden.

    "Werdet verwandelt!" Christen sind aufgefordert, in einen geistlichen Erneuerungsprozess einzusteigen: Lasst euch darauf ein, dass der Heilige Geist euer Leben in eine heilsame Bewegung bringt.

    Als Christen sind wir die Menschen, die mit Wort und Tat, mit Verkündigung und sozial-diakonischem Handeln an Gottes Reich mitgestalten sollen. Zuallererst aber sind wir diejenigen, die durch Gottes große Barmherzigkeit wiedergeboren sind zu einem neuen Leben.