predigt_2018-08-26

Predigt: Versteckspiel vor Gott?

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Datum: 26.08.18
Bibelstelle: Psalm 139
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:


HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.
(Psalm 139,6)

"Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen." Diese Aussage ist nichts anderes als die Kapitulation vor der Majestät und Größe eines unbegreiflichen Gottes.

Dabei hätten wir es vermutlich lieber anders. Wir wollen begreifen. Abertausende an Wissenschaftlern arbeiten daran, immer mehr begreifen zu können.

David, dem der Psalm 139 zugeschrieben wird, kapituliert vor der Größe Gottes. Gottes Allgegenwart und Allmacht bleiben ihm unbegreiflich. Ihm bleibt nur das Staunen. In dieses Staunen möchte er uns hineinnehmen. Wir müssen und können Gottes Größe nicht begreifen, aber wir können über ihn Staunen. Und vielleicht – darauf zielt diese Psalm – verwandelt sich das Staunen am Ende zur Anbetung.

Zwei der beliebtesten Kinderspiele scheinen sich in diesem 139. Psalm wiederzufinden: "Verstecken" und "Fangen".

Für Kinder gehört das "Versteckspielen" zu den ersten spielerischen Übungen, an denen sie Vergnügen haben.

Als Erwachsene verstecken wir uns nur noch in Ausnahmesituationen im Kleiderschrank oder unter dem Bett. Das heißt aber nicht, dass wir das Versteckspielen aufgegeben haben:

  • Wir verstecken Gefühle.
  • Wir tauchen ab, wenn es brenzlig wird.
  • Wir ziehen uns zurück, wenn wir befürchten verletzt zu werden.
  • Wir suchen das Weite, wenn die Gefahr besteht, beschämt zu werden.

Schon auf den ersten Seiten der Bibel werden wir Zeugen eines äußerst "merkwürdigen" Versteckspiels. In dem Augenblick, indem die ersten Menschen sich bewusst ihrem Schöpfer widersetzten, geschieht etwas Sonderbares: " … Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten." (1. Mose 3,8)

Schuld zieht Scham nach sich. Menschen erleben sich in der Beziehung zu Gott und auch in der Beziehung zum Nächsten defizitär. Sie ahnen etwas von einem großen Minus in ihrem Leben.

Der Mensch empfindet sich als Mangelware. Deshalb versucht er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln seine Mängel zu kaschieren.

Doch was im Blick auf Menschen hin und wieder gelingt, erweist sich im Blick auf Gott als unmöglich. Sich vor dem lebendigen Gott zu verstecken, ist ein völlig sinnloses Unterfangen. Vor ihm macht unser Versteckspiel keinen Sinn, denn …

  1. ER ist schon da

    Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. (Psalm 139,8)

    Egal an welcher Wendemarke seines Lebens der Psalmdichter sich befindet – er weiß sich von Gott empfangen.

    Gott ist schon da. Ob im prallen Leben oder im Tod. ER ist schon dort. Ob in dem mir Vertrauten oder an einem Ort, der mir fremd ist. Er ist schon dort. Vielleicht befindest du dich in einer Lebensphase, in der du dich allein gelassen fühlst – ER ist schon da.

  2. ER meint es gut mit mir

    Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. (Psalm 139,9-10)

    David versteht seinen Gott nicht als unberechenbaren, launischen Despoten, der Freude daran hat, seinen Untertanen das Fürchten zu lehren.

    Eine der Grundlagen zu einem gesunden Glaubensleben ist die Gewissheit, dass Gott es gut mit mir meint. Das heißt sicher nicht, dass Gott alles gutheißt, was ich Knirps angestellt habe – dennoch darf ich auf seine Treue bauen.

  3. ER kommt mir von vorne entgegen

    Kommen wir zu dem zweiten Kinderspiel, dem Fangen. Dieses Spiel spielen in unterschiedlichen Varianten alle Kinder dieser Erde.

    Was für uns Menschen sicher einen gewissen Reiz hat, ist im Blick auf Gott absolute Energieverschwendung – denn Gott kommt mir von vorne entgegen.

    David hat die Erfahrung gemacht, dass er seinem Gott nicht aus dem Weg gehen kann. Er hat erlebt, dass Flucht vor Gott ein absolut sinnloses Unterfangen bleibt. Er hat erlebt, dass Gott ihm immer dann, wenn er versuchte, ihn abzuhängen, von vorne entgegengekommen ist.

    ER, der heilige Gott, kommt mir von vorne entgegen. Vielleicht ist so ein Moment heute im Gottesdienst. Du sitzt hier, aber dein Leben ist ein einziges Versteckspiel, ein Weglaufen vor dem Anspruch Gottes. ER, der heilige Gott, kommt dir von vorne entgegen.

    Er ist in hohem Maße ein "entgegenkommender" Gott. Ihm ist es nicht daran gelegen, seinen Kindern in den Rücken zu fallen, sondern sie in die Arme zu schließen, ihnen zu vergeben und sie auf den guten Weg zurückzubringen.

    Der höchste Ausdruck dieses entgegenkommenden Gottes ist zweifellos die Sendung seines Sohnes Jesus Christus auf unsere Erde: Gott ist Liebe. Und Gottes (entgegenkommende) Liebe zu uns ist daran sichtbar geworden, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, um uns durch ihn das Leben zu geben. Das ist das Fundament der Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünden zu uns gesandt hat. (1. Johannes 4,9-10)