predigt_2018-07-15

Predigt: Die dreifache Überraschung

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Datum: 15.07.18
Bibelstelle: Matthäus 9,9-13
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Lassen Sie sich gerne überraschen?

Überraschungen brauchen ja eine gewisse Offenheit für Unvorhergesehenes. Bei manchem Überraschungsbesuch wäre es uns vielleicht lieber gewesen, wir hätten vorher davon gewusst. Dazu kommt, dass es leider nicht nur schöne Überraschungen gibt.

Der heutige Predigttext wird für viele ein bekannter Text sein. Dennoch würde ich mir wünschen, dass der lebendige Gott uns an der einen oder anderen Stelle überrascht:

Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): "Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer." Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten. (Matthäus 9,9-13)

  1. Die Vollmacht Jesu und die Bereitschaft zur Nachfolge

    Als Jesus unangemeldet vor der Zollbude auftaucht und Matthäus anspricht, erlebt der Zöllner eine echte Überraschung:

    • Zum ersten Mal wird er nicht wegen seines Berufes angemacht.
    • Zum ersten Mal begegnet er einem Rabbi, der sich wirklich für ihn als Menschen – und nicht nur als Kirchensteuerzahler – interessiert.
    • Zum ersten Mal ahnt er, dass ihm im Wanderprediger aus Nazareth der lebendige Gott selbst auf die Pelle rückt.

    Erstaunlich knapp berichtet der Evangelist die Berufung des Matthäus. Jesus geht auf ihn zu und spricht ihn an: "Folge mir nach!"

    Und Matthäus? Als hätte er ein Leben lang darauf gewartet, verabschiedet er sich von seinen Kollegen, schnappt sich seine Aktentasche und reiht sich in die Gruppe derer ein, die Jesus nachfolgten.

    Obwohl wir heute in völlig anderen Lebenszusammenhängen leben wie der Zollbeamte Matthäus damals, hat sich der Zugang zum Glauben nicht geändert: Da ist zunächst die Einladung von Jesus: "Komm, folge mir nach!" Und dann ist da die Reaktion des Matthäus: "Und er stand auf und folgte ihm nach".

    Christusnachfolge beginnt und hat mit zwei Aktionen zu tun:

    • Die erste Aktion geht von Jesus aus. Der lebendige, auferstandene Jesus muss uns begegnen. Glaube beginnt damit, dass wir ihn hören, dass in unserem Herzen etwas zu schwingen beginnt.
    • Die zweite Aktion, die mit dem Glauben zu tun hat, ist eine besondere Form des Aufstandes: "Und er stand auf und folgte ihm nach". Christlicher Glaube hat damit zu tun, dass ein Mensch seine bisherige Position verlässt und hinter Jesus einspurt.

    Es kommt im Christsein vor allem darauf an, dass der Kontakt zu Jesus Christus hergestellt ist, dass die Beziehung stimmt. Glaube, Jesusnachfolge heißt: "In der Spur bleiben". Für Matthäus, den Zöllner, war das Einspuren hinter Jesus der Beginn eines völlig neuen Lebensabschnittes.

  2. Das Verhalten der Frommen

    Jesus sitzt mit den "Zöllnern und Sündern" zusammen. Da müsste das Herz doch jubeln. Da besteht die berichtigte Hoffnung, dass Zöllner und Sünder – bisher gottferne Menschen – zum Glauben kommen.

    Aber Überraschung: Während in der Ewigkeit Freude herrscht und gefeiert wird, ziehen in den Herzen der Frommen dunkle Gewitterwolken auf.

    Was läuft da schief? Wie kann es sein, dass die Herzen der Nachfolger nicht mehr im Gleichtakt schlagen mit dem, dem sie nachfolgen?

    Für die Frommen ist eines sonnenklar: Wenn Jesus der Messias wäre, dann würde er sich zuerst und vor allem mit ihnen verbünden. Kein wahrhaft Frommer hat doch Gemeinschaft mit einem Gottlosen.

  3. Die Barmherzigkeit Gottes

    Überraschung: Jesus tritt den Frommen sehr energisch und konsequent entgegen. Aber er sagt nicht: "Geht weg!", sondern "Geht hin!": Jesus schickt die Frommen auf einen Lehrgang und gibt ihnen eine Hausaufgabe: Studiert die Schrift unter dem Gesichtspunkt des barmherzigen Gottes!

    Wir leben von der Barmherzigkeit Gottes – aber missgönnen wir sie anderen? Dabei geht um sehr viel. Denn es geht letztlich auch um das Urteil, dass am Ende über unser Leben gesprochen wird:

    Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. (Lukas 6,36.37)