predigt_2018-06-24

Predigt: not a fan.

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Datum: 24.06.18
Bibelstelle: Lukas 19,1-9
Redner: Hans-Peter Dinter

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Zusammenfassung:

Es ist schon interessant: Immer dann, wenn das Fußballfieber um sich greift, mutieren die unsportlichsten Figuren, diejenigen, die selbst niemals die Fußballschuhe schnüren und über den Platz rennen würden, zu Fachleuten. Jeder weiß, warum es gerade nicht so läuft, wie es laufen sollte.

Ganz ähnlich verhält es sich, meiner Erfahrung nach, mit dem christlichen Glauben. Da führen oft diejenigen das große Wort, die dem Glauben eher reserviert gegenüberstehen. Da hat es Beobachter, die scheinen ganz genau zu wissen, was in der Bibel alles nicht stimmen kann, woran die Kirche leidet und was getan werden müsste, damit der Glaube wieder attraktiv und zeitgemäß daherkommt.

Doch das Geheimnis des Glaubens erschließt sich nicht den Fans, sondern denen, die bereit sind, sich auf eine Beziehung mit Jesus einzulassen. Nur wer den Mut hat, die Tribüne zu verlassen, wird die Begeisterung derer verstehen, die auf dem Spielfeld stehen.

Ein Beispiel dafür hat uns Dr. Lukas in seinem Evangelium im 19. Kapitel überliefert.

Jericho war eine Handelsstadt im Grünen, hier gab es Palmengärten, bunte Märkte – alles, was das Leben lebenswert machte. Auch ohne Handys und Internet hatte es sich herumgesprochen, dass Jesus, der Wanderprediger aus Nazareth, in der Stadt war. Vermutlich gab es schon einen kleinen Jesus-Fanclub. Die Menschen drängten sich zum Public Viewing auf den Marktplatz.

In diese allgemeine Aufregung richtet Dr. Lukas den Suchscheinwerfer auf einen Menschen: auf Zachäus, den Oberzolleinnehmer von Jericho.

Zachäus ist Zollbeamter in gehobener Position. Zachäus hat seine Schäfchen im Trockenen, aber das ist ihm nicht genug. Er spürt, wie das Leben ihm wie Sand in einer Sanduhr durch die Finger rinnt: War’s das schon mit dem Leben – oder gibt es außer einem dicken Sparkonto und einer mehr oder weniger intakten Familie noch mehr?

Im Herzen des Zachäus brennt eine tiefe Sehnsucht nach Leben. Vielleicht hat dieser Rabbi Jesus Antworten, die ihm helfen könnten. Um Jesus sehen zu können, besteigt Zachäus den nächstbesten Maulbeerfeigenbaum. Von oben konnte er alles beobachten, ohne selbst sofort gesehen zu werden.

Dieser "Platz auf dem Maulbeerfeigenbaum" scheint, wenn es um den Glauben geht, ein begehrter Platz zu sein. Vielleicht hat es heute Morgen hier im Gottesdienst einige, die genau diesen Platz eingenommen haben:

  • Man will die Sache mit Jesus sozusagen "von oben herab" betrachten.
  • Man will sich eine Meinung bilden, Jesus und seinen Anhängern auf den Zahn fühlen.
  • Gleichzeitig fürchtet man sich davor, dass einem dieser Jesus auf die Pelle rückt.

Dr. Lukas berichtet, dass Jesus den Platz betritt. Es hat den Anschein, als wäre er mit jemandem verabredet. Zielstrebig marschiert Jesus auf den "Hochsitz" des Zachäus zu und spricht ihn mit seinem Namen an: "Zachäus, komm schnell herunter! Ich möchte heute dein Gast sein!"

Jesus fordert Zachäus heraus:

  • Er soll seinen Beobachtungsposten, seinen Tribünenplatz verlassen und herabzusteigen.
  • Aus skeptischer Distanz, aus einer Zaungastexistenz soll Nähe werden.
  • Aus einem flüchtigen Augenblick des Beobachtens soll eine Beziehung werden.

Wir können nur ahnen, wie es Zachäus zumute war. Er, der nur mal gucken wollte, steht plötzlich im Mittelpunkt.

Es gibt auf dem Weg zu einer lebendigen Gottesbeziehung eine Zeitspanne, in der ein Mensch herausgefordert wird, etwas zu riskieren. Wer das Geheimnis des christlichen Glaubens begreifen will, muss an einem Punkt seines Lebens die Tribüne verlassen und sich auf das Spielfeld begeben. Der christliche Glaube fordert deine persönliche Entscheidung.

Lukas berichtet, dass Zachäus keinen Augenblick zögert. Wenn Jesus einen Menschen von der Tribüne in seine Nachfolge ruft, dann hat dieser Ruf absolute Priorität – dann gilt es das Leben zu gewinnen.

Die beiden Gastgeschenke, mit denen Jesus seinen Gastgeber Zachäus beschenkt sind "Heil" und "Rettung". Die Juden hatten für "Heil" zwei Worte, das eine war "schalom" und das andere war "jeschuah": "Schalom" stand für "Sicherheit, Frieden und Wohlergehen" und "jeschuah" für "Hilfe und Rettung".

Diese "Gastgeschenke" gibt es auch heute noch: Wenn Jesus einen Menschen von der Tribüne ruft und dieser sich rufen lässt, dann wird er Teilhaber des Heils und des göttlichen Friedens.

Wer von der Fanseite auf die Spielerseite wechselt, wer sich aus dem Fanclub auf die Nachfolgerseite rufen lässt, wird eine Erfahrung machen, die sein Leben nachhaltig und grundsätzlich verändern wird.

Zachäus hat erlebt, wie seine Verabredung mit Jesus die Sehnsucht des Herzens stillt.

Not a fan. Becoming a follower – Sei kein Fan. Werde Nachfolger!

Er, der dich mit Namen kennt, der um deine Vorbehalte und Zweifel weiß, ruft dich hinter sich. Was wirst du ihm antworten?