predigt-2022-11-20

Predigt: Du gibst mich nicht dem Tode preis

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Datum: 20.11.22
Bibelstelle: Lukas 20,27-40
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

„Du gibst mich nicht dem Tode preis.“ Diese Gewissheit hat ein Liederdichter in Psalm 118,18 zum Ausdruck gebracht: „Weil der HERR meine Macht, mein Psalm und mein Heil ist, wird der Tod in meinem Leben nicht das letzte Wort sprechen.“

Der Tod wird nicht mein Ende sein. Aber die Redewendung „Es geht dem Ende zu“ deutet darauf hin, dass unsere Lebenszeit langsam, aber unaufhaltsam zerrinnt. Und irgendwann ist sie vorbei.

Die Beschäftigung mit dem Tod ist für viele Zeitgenossen äußerst unangenehm, deshalb ist Verdrängung angesagt.

Einmal im Jahr – heute am Ewigkeitssonntag – wird uns die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit verordnet – ob es uns gefällt oder nicht. Gleichzeitig aber geht es um einen Blick über den Tod hinaus. Christen sehen über den Horizont der Vergänglichkeit hinaus.

In Lukas 20 versuchen einige Sadduzäer, Jesus mit einem sehr konstruierten Problem aufs Glatteis zu führen:

Dass einer Frau tatsächlich sieben Ehemänner hintereinander wegsterben, ist sehr weit hergeholt. Wessen Ehefrau, so lautete die Fragestellung, würde die Frau nach der Auferstehung sein?

Jesus antwortet völlig anders als erwartet: „Ihr irrt euch! Ihr kennt weder die Heilige Schrift noch Gottes Macht.“ (Matthäus 23,24)

„Ihr Frommen, eure Theologie ist nichts anderes als eine Gedankenspielerei. Würdet ihr Gott und sein Wort wirklich kennen, hättet ihr diese Frage nie und nimmer gestellt.“

  1. Die Botschaft des Ewigkeitssonntags – sprengt unseren Vorstellungsrahmen

    Da sagte Jesus zu ihnen: „In dieser Welt heiraten die Menschen und werden geheiratet. Anders ist es für alle, die in Gottes neuer Welt leben dürfen und von den Toten auferstehen. Weder heiraten sie noch werden sie geheiratet. (Lukas 20,33-34)

    Die Auferstehung von den Toten sprengt unseren Vorstellungsrahmen. Verabschiedet euch von euren diesseitsgeprägten Vorstellungen.

    Die Frage auf drängt sich auf: „Werden wir denn in der Ewigkeit unseren Lieben begegnen?“ Auch wenn es uns nicht gefällt, der Bericht aus Lukas 20 stellt diese Frage nicht. Deshalb gibt es dazu auch keine Antwort.

    Die Antwort von Jesus an die Sadduzäer lautet: Selbstverständlich gibt es eine Existenz nach dem Sterben – alles weitere übersteigt euer Vorstellungsvermögen.

    In dem Buch „Du gibst mich nicht dem Tode preis“ antwortet Siegfried Kettling auf die Frage „Sehen wir im Himmel unsere Lieben wieder?“: Ja, aber die anderen auch!

    Wir leiden als Christen oft aneinander, machen uns Not. Wir kennen einander in unserer wahren Gestalt noch gar nicht. Wir sind einander noch verborgen. Da wird nicht nur einer dem anderen zurufen: „Ach du bist ja auch hier!“ Da wird einer erstaunt vor dem anderen stehen: „Ach, das bist ja du! Ich hätte dich fast nicht wiedererkannt. Doch nein, jetzt erst erkenne ich dich richtig!“ (S. 128)

    Weil wir „Ewigkeit“ nicht denken können, weil wir sie schon gar nicht „begreifen“ können, wird sie uns in der Bibel immer wieder in Bildern beschrieben, z. B. in Offenbarung 7,16-17:

    Sie werden nicht hungern oder Durst haben. Die Sonne wird nicht auf sie herabbrennen und keine Hitze wird sie versengen. Denn er, der das Lamm ist, und der in der Mitte auf dem Thron ist, wird wie ein Hirte für sie sorgen und wird sie zu den Quellen lebendigen Wassers führen. Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

    Die Auferstehung von den Toten sprengt unseren Denkrahmen. Wir können nicht begreifen, was uns erwartet – aber wir dürfen uns von ganzen Herzen darauf freuen.

  2. Der Ewigkeitssonntag – begründet im Wesen Gottes

    In seiner Argumentation greift Jesus auf ein Ereignis zurück, dass jeder Jude kannte, nämlich die Gottesoffenbarung im Dornenbusch, der brannte und nicht verbrannte:

    Dass Gott die Toten auferwecken wird, hat Mose schon bei der Begegnung am Dornbusch deutlich gemacht: Er nennt den Herrn ›den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs‹. Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn sind alle lebendig! (Lukas 20,37-38)

    Abraham, Isaak, Jakob – die Vorväter des Mose – waren zu diesem Zeitpunkt schon lange gestorben – aber sie waren und sind gehalten in ihrem Gott.

    „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ – Gäbe es kein Leben in der Ewigkeit Gottes, belehrt Jesus die Sadduzäer, hätte der Satz anders lauten müssen: „Ich war der Gott Abrahams und war der Gott Isaaks und war der Gott Jakobs.“

    Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden – ohne Wenn und Aber. Wir müssen uns von Menschen verabschieden – aber von Gott verabschieden müssen wir uns nie. Die, die ihm im Leben gehören, sind von ihm gehalten in Ewigkeit:

    Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist unserem Herrn. (Römer 8,38-39)

    Bis Ostern war die Auferstehungshoffnung eine göttliche Verheißung. Bis Ostern durften die Menschen hoffen – seit Ostern dürfen sie gewiss sein. Ostern, die Auferweckung Jesu aus dem Grab, ist der sichtbare Anfang der Auferstehung aus den Toten.

    Wer aber ist würdig, an dieser Auferstehung teilzuhaben? Jesus sagt dazu unmissverständlich:

    Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird in Ewigkeit nicht sterben. (Johannes 11,25-26)

    Die Frage nach dem ewigen Leben ist die Frage nach unserer Stellung zu Jesus Christus heute. Dabei heißt es nicht: „Ich gebe euch die Auferstehung und das Leben.“, sondern: „Ich bin …“

    Jesus liefert die Auferstehung nicht ab wie ein Geburtstagsgeschenk, dass ein Gast abgibt und nach einem Stück Kuchen wieder verschwindet. „Ich bin …“: Ewiges Leben ist zutiefst mit seiner Person verbunden.

    Wer Jesus hat – oder wen Jesus hat, der hat das Leben. Zukünftig in Gottes neuer Welt. Und heute, wo wir mit ihm Gemeinschaft haben und mit ihm unterwegs sind.