predigt-2022-10-23

Predigt: Irrtum vorbehalten!

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Datum: 23.10.22
Bibelstelle: Lukas 18,9-14
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Irrtum vorbehalten – das kann auch im Blick auf die eigene Beziehung zu Gott gelten.

Es stellt die Frage nach der Echtheit meines Glaubens: Was ist echt – und was nur Fassade? Was steht im Schaufenster – ist aber im Laden nicht erhältlich? Wenn ich mich meinem Glauben entsprechend verhalte, was steckt dahinter, was bewegt mich wirklich?

  1. Beeindruckend religiös

    Dann erzählte Jesus einigen Leuten, die davon überzeugt waren, dass sie gerecht und viel besser waren als alle andern, diese Beispielgeschichte … (Lukas 18,9)

    Schon dieser Eingangsvers macht deutlich, dass die folgende Gleichnisrede von Jesus, nicht einfach so im luftleeren Raum steht. Jesu Gleichnisse dienen dazu, den Menschen die Augen zu öffnen.

    Jesus spricht keine Worte zum Sonntag, die allen gelten und niemanden wirklich treffen. Er spricht Klartext. Jesus will seine Zuhörer zum Nachdenken und letztendlich zur Umkehr bewegen.

    In seinem Gleichnis zeichnet Jesus das Bild eines Pharisäers. Die Pharisäer sind die Konservativen, die Bibeltreuen des Judentums.

    Pharisäer werden meist als Heuchler betrachtet, als diejenigen, die Wasser predigen und Wein trinken. Doch die Pharisäer waren besser als ihr Ruf: Sie waren diejenigen, die es mit der Schrift ernst nahmen und sich um Heiligung bemühen.

    Im Gleichnis betet ein Pharisäer zu Gott: „O Gott, ich sage dir Dank, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen, die Räuber, Ungerechten, Ehebrecher und auch nicht wie dieser Steuereintreiber!“ (Lukas 18,11)

    Der Beter vergleicht sich hier mit seinen Mitmenschen. Im Vergleich mit diesen Personengruppen kommt er gut weg. Gott muss doch mit ihm ganz zufrieden sein. Wenn alle so wären wie er, dann wäre es gut.

  2. Beeindruckend ehrlich

    Aber der Steuereintreiber stand in der hintersten Reihe und wagte es nicht, seine Augen zum Himmel aufzuheben. Statt-dessen schlug er sich mit der Faust auf die Brust und sagte: „Gott, vergib mir! Denn ich bin ein Sünder, durch und durch.“ (Lukas 18,13)

    Die zweite Person im Tempel ist ein Zolleinnehmer. Dieser scheut die erste Reihe. Verschämt drückt er sich ganz hinten in der Nähe des Eingangs herum. Seinem Gebet fehlen die frommen Vokabeln. Er hat keine Übung im Umgang mit Gott.

    Zunächst steht er schweigend da. Dann stammelt er: „Gott, vergib mir! Denn ich bin ein Sünder, durch und durch.“ Der Zöllner wusste sich als Sünder. Das Wort, dass hier für Sünder gebraucht wird, stammt aus dem griechischen Wort „Harmatia“ – „Ziel verfehlt“.

    Wenn Gott und Menschen aufeinandertreffen wird klar, was ein Mensch ist: Ein Zielverfehler.

    In diesem kurzen Gebet kommt zum Ausdruck, wie der Zöllner Gott sieht: Wenn es für ihn, den Zöllner, Vergebung geben sollte, dann kann es nur unverdiente Gnade sein. Wenn Gott nicht Gnade vor Recht ergehen lässt, dann sieht es böse aus.

  3. Beeindruckend radikal

    Jetzt spricht Jesus das Urteil. Und dieses Urteil hat es in sich:

    Ich sage euch: Dieser Mann ging wieder vom Tempel nach Hause und hatte Gottes Vergebung erfahren, anders als der Pharisäer. Denn jeder, der sich selbst über andere erheben will, wird erniedrigt werden. Wer aber demütig ist, wird hoch erhoben werden. (Lukas 18,14)

    Mit der Antwort Jesu wird deutlich: Es geht um alles oder nichts. Es geht darum, ob ein Mensch für ewig gerettet oder auf ewig verloren ist.

    Da hat es zwei Angeklagte:

    • Der Pharisäer hat den Mut, sich selbst zu verteidigen. Selbstbewusst zählt er auf, was er in seinem bisherigen Leben geleistet hat. Alle Zuschauer sind sich einig: Das kann nur ein Freispruch werden. Wenn nicht der, wer dann?
    • Der Zolleinnehmer steht im gesenktem Haupt vor dem Richter: „Nichts habe ich zu meiner Verteidigung zu sagen, sie haben in allem Recht.“ Und dann fügt er ganz kleinlaut und leise hinzu: „Ich bitte um Gnade.“

    Als der Richter für Ruhe gesorgt hat, verkündigt er beide Urteile: Freiheit für den Zöllner, Gefängnis für den Pharisäer.

    Die beeindruckend radikale Aussage Jesu lautet: Wenn du meinst, du könntest Gott mit deiner Frömmigkeit beeindrucken, dann hast du dich gründlich geirrt.

    Aber wenn du zu deiner Schuld stehst, ihn um Vergebung bittest, dann hat er dir in seinem Sohn Jesus Christus vergeben. In Römer 8,1 schreibt Paulus: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“

    Der Weg zum Leben, den das Gleichnis beschreibt, ist die Kapitulation vor Gott: „O Gott, sei mir Sünder gnädig.“

    Das ist dann das Ende – das Ende einer Frömmigkeit, die Gott bei Gott Eindruck schinden will. Es ist das Ende einer Frömmigkeit, die dauernd unter dem Druck steht, noch mehr leisten müssen.

    Und es ist der Anfang. Der Anfang eines Lebens, das sich ganz einlässt auf die Gnade Gottes in Jesus Christus. Es ist der Beginn eines Lebens, das aus der Gnade lebt und mit seinen Mitmenschen und Mitchristen gnädig umgeht.