predigt-2022-10-02

Predigt: Worauf es im Leben ankommt

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Datum: 02.10.22
Bibelstelle: Lukas 12,16-21
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Erntedank erinnert uns daran, dass wir ganz viel Grund haben, unserem Gott „Danke“ zu sagen.

Aber manches Mal haben wir vielleicht gar keine Lust, dankbar zu sein. Können wir „Danke“ sagen, auch wenn uns etwas nicht schmeckt? Seit zwei Jahren plagt uns das Coronavirus – wem schmeckt das schon? Der Ukrainekrieg und seine Auswirkungen – wem schmeckt das schon? Heizung herunterdrehen und Strom einsparen müssen – das schmeckt uns nicht.

Trotz allem danken? Dankbar sein, für die Dinge, an die wir uns jahrelang gewöhnt haben, nun aber plötzlich infrage stehen?

Das Erntedankfest gibt uns die Chance, darüber nachzudenken, worauf es im Leben ankommt, was wirklich wichtig ist im Leben. Es erinnert uns daran, was unser Leben ausmacht. Vieles, womit beschäftigen, ist gar nicht so wichtig, wie wir denken.

An einem Beispiel (Lukas 12,16-21) erklärte Jesus seinen Zuhörern damals, was im Leben wirklich wichtig ist – und was nicht:

  • Ein reicher Gutsbesitzer hatte eine außergewöhnlich reiche Ernte und war darüber überglücklich. Nun gab es ein Problem: Wohin soll ich die vielen Früchte sammeln?
  • Nach einigem Überlegen hat er eine Idee: Ich werde die alte Scheune abreißen und eine neue bauen, so groß, dass ich das ganze Korn darin sammeln kann.
  • Alles läuft wie geschmiert. Die neue Scheune steht und die Ernte ist verstaut.
  • „Endlich kann ich mich zur Ruhe setzen.“, denkt unser Glückspilz bei sich. „Endlich hat die Schufterei ein Ende. Ich habe für lange Zeit ausgesorgt. Ab jetzt lasse ich es mir gut gehen. Ich will gut essen und trinken und mein Leben genießen!‘
  • Mit einem Mal hört der Gutsbesitzer eine Stimme, laut und deutlich: „Du dummer Mensch! Noch in dieser Nacht wirst du sterben. Was bleibt dir dann von deinem Reichtum?“
  • Der reiche Gutsbesitzer wird ganz blass um die Nase. Das kann nur Gottes Stimme sein.
  • Und tatsächlich einige Tage später können die Menschen seine Todesanzeige in der Zeitung lesen. Ein trauriges Ende.
  • „Genauso“, erklärte Jesus seinen Zuhörern, „wird es allen gehen, die sammeln und sammeln und sammeln – aber Gott vergessen. Und eines Tages mit leeren Hände vor Gott stehen. Denn das Leben auf dieser Erde dauert nicht ewig – und dann?“

Menschen sammeln. „Spare in der Zeit – dann hast du in der Not“, haben uns unsere Großmütter gepredigt. Wer früher nicht genug Vorräte gesammelt hatte, musste hungern. Wer kein Holz gesammelt hatte, musste frieren.

Der Gutsbesitzer, von dem Jesus berichtet, sammelt, weil er einen Traum verwirklichen will: „Endlich kann ich mein Leben genießen und sorgenfrei leben!“

Wer von uns wünscht sich das nicht? Nur, wo liegt der Fehler? Warum nennt Gott den Gutsbesitzer „Dummkopf“?

Weil der Gutsbesitzer glatt vergessen hat, dass jedes Leben auf dieser Erde ein Ende hat. Und dann?

Dann haben wir womöglich die Scheunen voll, unsere Sparbücher platzen aus allen Nähten, unsere Häuser sind picobello in Schuss – und wir stehen mit leeren Händen vor unserem Schöpfer.

Es gibt eine alte Geschichte von einem König und seinem Hofnarren:

  • Als der König im Sterben liegt, versucht der Narr den König zu trösten: „Gewiss hast du diese letzte und große Reise seit langem vorbereitet.“ Der König schüttelt den Kopf: „Das habe ich versäumt. Ich hatte nie Zeit, diese Reise vorzubereiten.“
  • „Oh, dann hast du sicher nicht gewusst, dass du diese Reise einmal antreten musst?“ – „Gewusst habe ich es schon. Aber – wie gesagt – keine Zeit, mich um rechte Vorbereitungen zu kümmern.“, antwortet der König.
  • „Du hast gewusst, dass du in die Ewigkeit musst und dass man von da nicht zurückkommt. Und doch hast du nicht Sorge getragen, dass dir die ewigen Wohnungen geöffnet werden!? König! Du bist der größte Narr!“

„Du Narr“, sagt Gott zu dem Gutsbesitzer, „über allem Sammeln hast du mich, deinen Schöpfer, glatt vergessen.

Darum feiern wir Erntedank, damit wir Gott nicht vergessen.

Dankbarkeit befreit. Wir dürfen genießen, wir dürfen uns Gottes Gaben gefallen lassen und uns daran freuen. Wer dankt, sieht hinter den guten Gaben Gott.

Danksagung, das Dankgebet vor der Mahlzeit, der Dank am Abschluss eines Tages, das kleine „Danke, Vater“ mitten im Alltagstrott verändert unsere Blickrichtung.

Plötzlich wird uns unser Wohlstand so sehr zum Geschenk, dass wir ihn genießen können – und so wenig zur Hauptsache, als dass sich alles darum drehen könnte.

Worauf es wirklich ankommt:

Sammelt für euch selbst nicht wertvolle Schätze hier auf der Erde. Denn sie sind sowieso nicht sicher. Sie können verrotten oder auch gestohlen werden. Baut euch vielmehr Schätze auf in der Welt Gottes. Dort sind sie sicher. Weder Verfall noch Diebstahl können sie dort antasten. Und außerdem müsst ihr erkennen: Dort, wo ihr eure Schätze aufbewahrt, dorthin zieht es euer Herz. (Matthäus 6,19-21)

… zermartert euch nicht mit Sorgen darüber, ob ihr genug zum Essen haben werdet! Macht euch auch keinen Kopf darüber, was ihr anziehen könnt! Denn euer Leben besteht aus viel mehr als der Nahrung. Und auch der Körper ist mehr wert als die Kleidung, mit der ihr ihn schmückt … Kein Einziger von euch kann durch seine ständigen Sorgen und sein Grübeln auch nur eine einzige Sekunde zu seiner Lebenszeit hinzufügen. (Matthäus 6,25+27)

Alle Menschen dieser Welt, ganz egal, wer sie sind oder woran sie glauben, strengen sich an, diese Grundbedürfnisse zu sichern. Ihr habt doch einen Vater, der über allem thront! Er weiß genau, dass ihr das alles braucht. Macht es zu eurem obersten Ziel, dass sich Gottes gute Herrschaft in eurem Leben und überall ausbreitet! Setzt euch dafür ein, dass endlich die Gerechtigkeit Gottes diese Welt bestimmen kann und dass ihr selbst auch so lebt, wie es gut und richtig ist. Dann wird Gott euch alles andere schenken. Also zersorgt euch nicht mit Gedanken über die Zukunft! Denn jeder neue Tag bringt sowieso schon ausreichend Schwierigkeiten mit sich. (Matthäus 6,32-34)