predigt-2022-09-25

Predigt: Das Dilemma mit der Erbsünde

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Datum: 25.09.22
Bibelstelle: 1. Mose 2,16.17; 1. Mose 3,1-7
Redner: Klaus Fischer

Zusammenfassung:

Der Begriff „Erbsünde“ führt zu den unterschiedlichsten Vorstellungen in unseren Köpfen: Nottaufe. Schuldbeladen geboren? Was kann ich dafür? Ein Erbe, auf das ich verzichten kann. Katholische Religion, das gibt es in der Bibel nicht. Der Mensch ist von Geburt an erstmal gut. Als Sünder im Mutterleib? Was geschieht mit einem Säugling, der verstirbt?

Es gibt Berichte von Säuglingen, die zeitnah nach der Geburt verstorben sind und bei denen dann rasch eine Art Nottaufe durchgeführt wurde, damit das Kind von der Erbsünde befreit wird und nicht in die Hölle verdammt ist.

Mir persönlich fällt es schwer, mir auch nur ansatzweise vorzustellen, wie unser Gott – der umfassend mit dem Wort LIEBE beschrieben ist – ein ungeborenes Leben oder einen wenige Stunden oder auch Tage alten Säugling verdammen könnte.

Am Tag des letzten und endgültigen Gerichts Gottes wird Gott keinen Menschen verurteilen, dem nichts vorzuwerfen ist. Gleichzeitig wird er all jene verurteilen, die vor Ihm und seinen Geboten schuldig geworden (und geblieben) sind.

Auch wenn die Bibel den Begriff der Erbsünde nicht kennt, so finden wir doch sehr viele deutliche Hinweise, dass wir in der Tat ein sehr schwer belastendes Erbe von unseren allerersten Vorfahren empfangen haben.

Um den Mechanismus Sünde zu verstehen, müssen wir den Ursprung betrachten:

  • Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben! (1. Mose 2,16.17)
  • Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen? Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir; aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt! (1. Mose 3,1-3)
  • Da sagte die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses. (1. Mose 3,4.5)
  • Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. (1. Mose 3,6)

So also ist das: Weil Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen haben, sind wir nun Erben der Sünde?

Bei dieser Frucht handelt es sich nicht um einen saftigen Apfel, sondern um eine lebensgefährdende Droge, die nicht nur den tötet, der davon isst, sondern schließlich zum größten Problem der gesamten Menschheit wird.

Das Angebot der Schlange ist eindeutig: Ihr werdet sein wie Gott! Im Kleingedruckten der Hinweis: Gutes und Böses erkennen.

Der Preis ist auch klar: Widersetzt euch dem Gebot eures Schöpfers, folgt dem Bestreben, euch selbst zu erhöhen, gebt eurem egoistischen Streben nach und ignoriert die guten Regeln von dem, der euch geschaffen hat und natürlich über euch steht.

Es gab diese eine Regel, dieses eine Gebot, diese eine Grenze, die der Mensch nicht überschreiten sollte. Sein Leben war perfekt, es fehlte an nichts.

Aber der Mensch will mehr – er hat alles und will mehr. Mehr Macht, mehr Größe, nichts soll über ihm stehen. Der Mensch strebt die Position im Mittelpunkt des Universums an. Alles dreht sich um ihn.

Der Mensch erkennt einen Weg, Gott gleich zu werden. Er weiß genau, dass dieser Weg von Gott verboten wurde. Trotzdem entscheidet der Mensch, dass Gott ein Lügner ist, der nur verhindern möchte, dass der Mensch auf eine göttliche Ebene aufsteigt. Der Mensch unterstellt dem Gebot, dass Gott es eben NICHT zum Wohl und Besten des Menschen gegeben hat.

Die Folge: Der von Gott angekündigte Tod des Menschen und die so schwer auf uns lastende Erkenntnis von Gut und Böse. Alles, das gesamte Spektrum menschlichen Handelns in seiner gesamten Auswirkung und Bewertung in Gut und Böse, liegt plötzlich im Bewusstsein des Menschen.

Gepaart mit dem klaren Fokus auf das ICH, das EGO, den Egoismus, der für die allermeisten Sünden die Quelle ist, steht der Mensch, ja die gesamte Menschheit nun vor einem unlösbaren Problem.

Wir leben in einer Welt, die den Folgen der Ursünde unterliegt. Welche Folgen hat das? Und wie können wir damit umgehen?

Nur in vollkommener Demut und einer uneingeschränkten Hingabe an die Gebote Gottes könnte der Mensch gerecht vor seinem Schöpfer leben. Dabei ist die Bandbreite des Angebots an Sünden riesig …

Und über tausende von Jahren hinweg hat der Mensch auf dieser Erde eins bewiesen: Er schafft es nicht, das Gute zu tun und das Böse zu unterlassen. Er lebt und handelt schuldig vor seinem Schöpfer Gott.

Bei der Erziehung unserer Kinder bemühen wir uns jahrelang, ihnen Werte zu vermitteln, Recht und Unrecht zu lehren, das Gute und das Böse zu unterscheiden, das Gute tun und das Böse unterlassen.

Ist das nötig? Gibt es da nicht die Theorie, dass der Mensch doch eigentlich perfekt und gut geboren wird, dann aber die böse Gesellschaft ihn verdirbt?

Schon im zarten Alter von drei Jahren sind wir fähig und absolut bereit, uns in boshafter Weise dem egoistischen Diktat menschlicher Triebe hinzugeben. Egoismus, Narzissmus – das Gegenteil einer liebevollen Haltung nach Gottes Ordnung.

Doch dafür können wir nichts. Das haben wir geerbt. Die Erbsünde ist die Fähigkeit, für meine egoistischen Ziele über das Leben und die Bedürfnisse der anderen Menschen hinwegzugehen, um auf diese Weise weiter zu kommen.

Die Bibel lehrt uns, dass das ganze Gesetz in dem Einen erfüllt wird: „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst!“

Wir haben unsere Erziehung erfahren. Und? Führt das nun dazu, dass wir nichts mehr falsch machen? Sind unsere Handlungen also edel, hilfreich und gut?

Leider nein. Das Maß an Ungerechtigkeit und Bosheit in meinem Leben ist womöglich akzeptabel und reicht aus, sich im Kreis meiner Mitmenschen angemessen zu verhalten. Aber wie oft trete ich dann doch daneben, wie oft geht es schief und ich erkenne, dass ich es war, der schon wieder einen Fehler gemacht hat.

Wir können nicht anders. Egal, wie sehr wir uns bemühen, am Ende wird unser Handeln immer wieder von unserer gefallenen Natur bestimmt.

Mit den Jahren kommt die Fähigkeit dazu, unser Handeln als edel und richtig zu tarnen. Wir verkaufen uns vor dem Angesicht anderer Menschen. Wir heucheln. Das ist das Wesen der Erbsünde.

Wie nun kommen wir raus aus diesem Dilemma? Wie soll das gehen, wenn ich doch am Ende feststelle, dass meine Gene mir die Fähigkeit, ein gottgefälliges Leben zu führen, einfach nicht geben?

Nikodemus sucht nach einem Ausweg aus dieser Situation und fragt Jesus nach dem Weg zu Gott ((Johannes 3,3-5):

  • „Ich versichere dir“, sagte Jesus zu Nikodemus, „wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht einmal sehen.“ „Wie kann ein Mensch denn geboren werden, wenn er schon alt ist?“, wandte Nikodemus ein. „Er kann doch nicht in den Bauch seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden!“
  • „Ich versichere dir,“ erwiderte Jesus, „und sage dir eins: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Menschliches Leben wird von Menschen geboren, doch geistliches Leben von Gottes Geist.“

Die „geistliche Wiedergeburt“ ist der Ausweg, die Antwort auf die Frage, wie man zu Gott kommt. Neugeboren durch Wasser und Geist: Gott bietet mir an, dass ein Teil meines Erbguts von ihm geheiligt wird.

In Verbindung zu Jesus bietet mir Gott Erneuerung an: „Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt reichlich Frucht. Denn getrennt von mir könnt ihr gar nichts bewirken.“ (Johannes 15,5)

Das Überwinden der Erbsünde ist letztlich das Befreien von der sündigen Natur.

Die Bibel zeigt den einen Lösungsweg: Ein neues Leben in Jesus Christus, die Verbindung mit ihm und damit der Weg, ein Kind Gottes zu werden und ihm zu erlauben, in meinem Leben zu wirken, ja seinen Geist in mich aufzunehmen.