predigt-2022-09-18

Predigt: Übergänge gestalten (Teil 4)

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Datum: 18.09.22
Bibelstelle: Jeremia 29,1-10
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Gott ist der Unveränderliche, aber die Rahmenbedingungen des Glaubens veränderten sich ständig. Eine Kirche, die sich dem Wandel verweigert, wird auf Dauer keine Zukunft haben.

Als das babylonische Heer am 16.03.597 v.Chr. Jerusalem eroberte, musste auch schon die alttestamentliche Gemeinde mit einer völlig veränderten Situation umgehen: Israel wurde entvölkert und die Menschen nach Babylon verschleppt. Dort waren sie Heimatvertriebene, auf fremdem Boden und in gewisser Weise auch geistlich entwurzelt.

Die Vertriebenen sehnen sich nach Jerusalem, nach ihrem Gottesdienst im Tempel. Und gleichzeitig quälen sie Zweifel: Sind wir gottverlassen? Hat Jahwe uns den Rücken gekehrt und seine Verheißung zurückgenommen?

Die Gläubigen der alttestamentlichen Gemeinde werden – so wie auch wir heute als Gemeinde Jesu – herausgefordert, sich auf eine Suche zu begeben:

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl. (Jeremia 29,7)

„Macht euch auf die Suche“, ruft uns Jeremia auf – auch wenn uns Suchen eher lästig und müheselig erscheint. Macht die Augen auf. Schaut euch um. Bewegt euch, verlasst euren bisherigen gemütlichen Wanderweg und schaut auf die Menschen um euch herum.

  1. … dahin ich euch habe wegführen lassen

    Wir betrachten, wenn wir Weltgeschichte im Blick haben, naturgemäß die Oberfläche. Wir sehen, wie ein mächtiges Weltreich ein geschwächtes, zerteilte Israel militärisch besiegt.

    Jeremia richtet unseren Blick auf eine andere Ebene: Hinter der vordergründigen Weltgeschichte verbirgt sich Gottesgeschichte. Heilsgeschichte und Weltgeschichte sind miteinander verwoben wie eine geflochtene Schnur. Die großen und die unscheinbaren Bewegungen in der Völkerwelt geschehen nicht zufällig – sondern hinter ihnen verbirgt sich ein göttlicher Beweger.

    Es gibt kein blindes Schicksal – sondern den Plan eines weitsichtigen Gottes, der das Heil der Welt im Blick hat. In der Weltgeschichte zieht der heilige Schöpfergott die Fäden, und deshalb dürfen wir unserer Gesellschaft nicht feindlich gegenüberstehen.

    Auch unsere persönlichen Erfolge und Misserfolge, unser Glück und Unglück stehen immer auch im Zusammenhang eines geheimen göttlichen Planes, mit dem er unser Leben steuert und ans Ziel bringt.

    Unsere Stadt, unser Landkreis und unser Volk sind nicht die „böse Welt“, von der wir so weit wie es nur geht, Abstand halten sollen. Sondern sie sind die Orte, in denen sich Gott durch uns verherrlichen will. Es sind die Menschen, die uns oft seltsam fremd erscheinen und dennoch von Gott geliebt sind.

  2. Suchet der Stadt Bestes …

    „Und sucht den Frieden der Stadt“, so kann der hebräische Urtext etwas genauer übersetzt werden.

    Die Kirche soll den Schalom, den heilsamen und umfassenden Frieden Gottes nicht für sich behalten, sondern mit ihren Mitmenschen teilen. Der lebendige Gott bietet einer heillosen und friedlosen Welt seinen Frieden an.

    Der heilige Schöpfergott offenbart sich in Jesus Christus als der Weltenheiland. Der heilsame Gottesfrieden, den Gott seinen Leuten verheißt, soll auch die gottfernen Menschen erreichen.

    Alle Menschen sollen vom Heil der Christen profitieren. Die Menschen brauchen eine lebendige Beziehung zu Gott mehr als alles andere.

    Bei der Anweisung des Propheten geht es aber vor allem um den „Schalom“, also um einen ungestörten und heilen Zustand, um Harmonie, Wohlergehen, Glück, Sicherheit und Frieden. Wir sind aufgefordert, dass wir uns gesellschaftlich einmischen. Wir dürfen und wir können uns nicht aus dieser unserer Welt heraushalten. Wir dürfen sie nicht den Menschen überlassen, die Gott nicht oder noch nicht kennen.

    Gemeinde, nach dem Willen Gottes ist Gemeinde auf der Suche nach dem Besten für die Gesellschaft – indem sie den Menschen dient. Die Kirche Jesu Christi darf nicht an den Nöten dieser Welt unbeteiligt vorbeigehen.

  3. … und betet für sie zum HERRN

    Die politischen Machthaber Babylons waren Feinde, da liegt es auf der Hand, nicht für, sondern gegen sie zu beten. Jeremia gibt dem Gebet eine neue Richtung: „Betet für sie zum Herrn!“ Betet für eure Mitmenschen – auch wenn sie sich zunehmend gottlos gebärden.

    Weil Christus die Schuld dieser Welt getragen hat, ist unsere Welt nicht hoffnungslos verloren. Wir als Kirche Jesu sind herausgefordert, eine heillose Welt zum Weltenheiland hinzubeten.

    Weil wir wissen, dass eine unheile Welt letztendlich nur von oben, von Gott her heil werden kann, spielt unser Gebet eine entscheidende Rolle.

Unter veränderten Rahmenbedingungen mutig handeln. Der Auftrag bleibt: Haltet Ausschau nach den Menschen, die Gott nicht kennen. Bemüht euch um das Gemeinwohl. Betet für die Menschen und nicht gegen sie!