predigt-2022-09-04

Predigt: Übergänge gestalten (Teil 3)

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Datum: 04.09.22
Bibelstelle: 1. Samuel 8,1-10
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Veränderungsbereitschaft ist das Gebot der Stunde. In den vergangenen Monaten der außergewöhnlichen Trockenheit in unserem Land war und ist der Klimawandel das Thema schlechthin.

Ohne schnelle und weitreichende Veränderungen, werden die Folgen für unsere Gesellschaft dramatisch sein. Dabei sind die meisten mit Veränderungen grundsätzlich einverstanden, solange sie ihr eigenes Verhalten nicht ändern müssen.

Veränderungen in unserem Leben verursachen Unsicherheit und Ängste. Wir betreten für uns unbekannten Boden. Wir werden herausgefordert, alte Positionen und Lebensmuster zu hinterfragen und zurücklassen. All das führt dazu, dass wir Veränderungen skeptisch, wenn nicht gar ablehnend, gegenüberstehen.

Unter veränderten Rahmenbedingungen mutig glauben. – Auch die Reichgottesgeschichte, die Geschichte Gottes mit den Menschen, wurde und wird in einem sich ständig verändernden Umfeld geschrieben.

Die Rahmenbedingungen, in denen wir als Nachfolger von Jesus unseren Glauben leben, verändern sich stetig. Der Rahmen ist veränderbar, aber das Werk ist das dasselbe. Gott ist derselbe: Er will Menschen, die ihm den Rücken gekehrt haben, zur Umkehr zu bewegen.

Nach dem Übergängen von Mose zu Josua (Teil 1) und von Eli an Samuel (Teil 2) geht es heute um einen weiteren für das Gottesvolk weitreichenden Übergang: Samuel begleitet den Übergang von der Richterzeit in die Zeit der Könige. Ab etwa 1000 v. Christus wechselt in Israel die Staatsform von einer Theokratie zur Monarchie.

Als Samuel alt geworden ist, möchte er den Staffelstab seines Amtes an seine Söhne weitergeben – aber es gelingt ihm nicht. Statt den Menschen ein Vorbild zu sein, statt sich für Gerechtigkeit und Wohlergehen einzusetzen, nutzen diese ihre Position, um ihr eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Samuel, der von Gott berufene Richter, der sein Leben lang den Menschen und seinem Gott treu gedient hat, macht die Erfahrung, dass Berufungen und Glaubenserfahrungen nicht vererbbar sind: „Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen und sie suchten ihren Vorteil und nahmen Bestechungsgeschenke und beugten das Recht.“ (1. Samuel 8,3)

  1. Wir wollen einen König haben.

    Und sie sagten zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. Nun setze über uns doch einen König, uns zu richten, wie es bei allen Nationen ist! (1. Samuel 8,5)

    Wen wundert es, dass das Volk mit seinen korrupten gottlosen Richtern unzufrieden ist und sich nach Alternativen umschaut?

    Die Menschen beobachten die Nachbarvölker und sind beeindruckt. Sie sind geblendet vom Glanz der Monarchen. Sie sehnen sich nach Sicherheit, einer starken Regierung, die in der Lage ist Recht und Ordnung durchzusetzen.

    So, wie es bisher war, darf es nicht weitergehen. Veränderung ist angesagt. Die Rahmenbedingungen für das Zusammenleben müssen sich ändern – und zwar schnell!

    Wie so oft scheinen den Menschen die Kirschen in Nachbars Garten verlockender als die eigenen: Sie sehen die Vorteile einer Monarchie – die Nachteile müssen sie erst am eigenen Leib spüren.

  2. Und Samuel betete zum HERRN

    Und das Wort war übel in den Augen Samuels, dass sie sagten: Gib uns einen König, uns zu richten! Und Samuel betete zum HERRN. (1. Samuel 8,6)

    Als Samuel die Forderung der Ältesten nach Veränderung hört, reagiert er typisch menschlich: Er fühlt sich angegriffen, seine komplette Lebensleistung wird infrage gestellt.

    Samuel reagiert zunächst wie viele Leiter, Mitarbeiter, Gemeindegründer, Älteste und Pastoren, wenn eine nachfolgende Generation nach vorne drängt und Veränderung fordert. Samuel fühlt sich verletzt und gekränkt.

    Aber Samuel fährt nicht die Stacheln aus, und er igelt sich nicht ein. Stattdessen begibt er sich mit seinen verletzten Gefühlen in die Gegenwart Gottes.

  3. Der HERR aber sprach.

    Der HERR aber sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll. (1. Samuel 8,7)

    Gott lässt den von ihm Berufenen nicht hängen, auch wenn seine Antwort diesem vermutlich nicht geschmeckt hat.

    Der lebendige Gott nimmt Samuel aus der Schusslinie. Es geht nicht um Samuel, sondern um Gottes Reich, um Gottes Gemeinde.

    Langjährige und altgediente, treue Mitarbeiter in Gemeinden neigen dazu – ohne böse Absicht – die Gemeinde in Besitz zu nehmen. Aber sie gehört nicht uns, sondern IHM. Deshalb ist ER zuständig.

    Das Volk sehnt sich nach Veränderung. Es sehnt sich nach einem Aufbruch – und der lebendige Gott steht ihnen nicht im Weg: „Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen!“

    Erstaunlicherweise geht Gott mit: In Kürze wird er Samuel beauftragen, einen König zu salben, um damit einen neuen Abschnitt in der Geschichte Israels einzuleiten. Gottes Anliegen ist nicht an einen kulturellen Rahmen gebunden und wird durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen nicht aufgehalten.

    Missionare tragen das Evangelium in die ganze Welt. Sie verkündigen das Evangelium – die ewige Botschaft von der Liebe Gottes – und rufen Menschen zur Umkehr. All das geschieht in völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

    Wer hätte z. B. noch vor wenigen Jahren daran gedacht, dass Onlinegottesdienste möglich sind und dass dadurch Menschen zum lebendigen Glauben finden?

    Gott selbst bleibt derselbe. Sein Anliegen, sein Heilswerk verändert sich nicht. Aber alles andere darf sich verändern – ja muss sich verändern, um den Menschen gerecht zu werden.