predigt-2022-08-07

Predigt: Kleine Unterschiede und große Wirkung

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Datum: 08.07.22
Bibelstelle: 2. Mose 17,1-7; 4. Mose 20,2-13
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Die Berichte aus 2. Mose 17 und 4. Mose 20 klingen ziemlich ähnlich: Die Menschen des in der Wüste wandernden Gottesvolkes Israel leiden unter Wassermangel und machen die Erfahrung, dass Gott sie nicht verdursten, sondern Wasser aus dem Felsen strömen lässt.

Doch auf den zweiten Blick werden kleine Unterschiede erkennbar – mit großer Wirkung.

  1. Kein großer Unterschied

    Immer die alte Leier – das entdecken wir auch beim Volk Gottes: Schon ganz zu Beginn des Auszugs aus Ägypten – als die ägyptischen Streitwagen ihnen nachjagen und das Schilfmeer unüberwindbar war – beginnt das Volk mit seinen Vorwürfen an Mose.

    David weist uns einen Weg, wie wir aus dem Kreislauf der Anklage und des Jammerns ausbrechen können: Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. (Psalm 103,1-4)

    Machen wir uns nichts vor. Es gibt keine Biografie ohne Kratzer.

    Manche Kratzer haben sich tief in unsere Lebensplatte eingegraben. Manche Kratzer werden heilen. Andere werden bleiben und wir brauchen ihn immer wieder, diesen Stoß an die eigene Seele, der unseren Blick umlenkt auf das, was ER uns Gutes getan hat.

    Blickt dankbar zurück – aber mutig nach vorne!

    Jesus sagte zu ihm: „Keiner, der einmal den Pflug fest ergriffen hat und dann zurückblickt, ist geeignet für die neue Wirklichkeit Gottes!“ (Lukas 9,62)

  2. Der gravierende Unterschied

    Bei genauerem Hinsehen hat es doch erhebliche Unterschiede zwischen den Berichten aus 2. Mose 17 und 4. Mose 20: Im Gegensatz zu der Aktion in Refidim soll Mose den Stab, mit dem er damals das Schilfmeer geteilt und später das Wasser aus dem Felsen geschlagen hat, zwar mitnehmen – aber er soll ihn nicht gebrauchen.

    Mose soll zu dem Felsen reden. Es geht um ein deutliches Zeichen an Mose und an das Volk.

    • Hängt an den Lippen Gottes – und nicht an Traditionen!

      Die Geschichte der Kirche hat gezeigt, dass Kirche immer wieder in der Gefahr steht, sich auf Vergangenes zu berufen.

      Es gibts zwar Erkenntnisse und Verhaltensweisen, die wir aus der Kirchengeschichte übernehmen und von ihnen lernen können. Aber Vorsicht ist geboten.

      Der Gott der Bibel ist ein lebendiger Gott. Er ist der Gott, der heute noch redet. Und deshalb ist es geboten, genau hinzuhören: „Rede zu dem Felsen“, das war die klare Ansage. Lass deinen Stab aus dem Spiel.

      Vielleicht wäre wichtig darüber nachzudenken, auf welche Stäbe wir uns als Gemeinde Jesu im 21. Jahrhundert stützen. Stäbe, Evangelisationsmethoden, die längst überholt sind und die wir aus Gehorsam gegenüber unserem Herrn und aus Liebe zu den Menschen zur Seite legen sollten.

    • Hütet euch vor Zauberstäben – bleibt am Wort!

      Es gibt in der Nachfolge Gottes keine „Zauberstäbe“. In den Religionen wimmelt es von Amuletten, Zaubersteinen und Reliquien, denen man eine besondere Wirkung zuschreibt.

      Auch das, was wir im christlichen Bereich „Sakramente“ nennen, ist oft genug zum Zauberstab geworden: Wenn du getauft bist – dann bist du ein Kind Gottes! Wenn du einmal im Jahr das Abendmahl/die Kommunion erhalten hast, dann ist deine Seele von aller Schuld befreit.

      Menschen neigen dazu, sich an Zauberstäben festzuhalten. Doch es wird uns nicht gelingen, Heiliges in den Griff zu bekommen.

      Der Gott, der sich uns in der Bibel offenbart, ist derjenige, der sich nicht begreifen und handhaben lässt. Wenn wir in seinem Segen leben und wirken wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig als auf seine Stimme, auf sein Wort zu hören.

  3. Übernehmt nicht das Kommando – ER allein ist HERR

    Mose reißt der Geduldsfaden. Er kann die ständigen Misstrauensvoten seines Volkes nicht mehr ertragen. Jetzt wieder die „alte Leier“, das Jammern und Klagen – und immer wieder die Auflehnung gegen seine Leitungsautorität.

    Mit einem Mal verwandelt sich die Ohnmacht des Mose in Zorn und Wut: „Höret, ihr Ungehorsamen“, herrscht er seine Kritiker an, „werden wir euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen?“

    Mose schlägt mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Und tatsächlich – aus dem Felsen strömt das Wasser!

    Warum lässt Gott Mose und Aaron nicht einfach auflaufen? Gottes Treue zu seinem Volk und auch zu seinen Leitern sorgt dafür, dass es zu keinem Aufstand kommt. Gott überlässt Mose nicht einer geifernden Meute. Er kann es sich leisten, sein Volk mit ungehorsamen Leitern zu versorgen.

    Das bedeutet aber nicht, dass Gott den Ungehorsam gutheißt. Mose und Aaron müssen die Konsequenzen ihres Ungehorsams tragen: Sie werden das „verheißene Land“ nicht mehr erreichen.

    Übernehmt nicht das Kommando, ER allein ist der HERR.

    Geistliche Leiter, Mitarbeiter in Verantwortung stehen – wie Mose – nicht selten unter großem Druck. Mit wachsendem Druck wächst die Gefahr, Gottes Stimme zu ignorieren und das Heft selbst in die Hand nehmen zu wollen. Dann lautet das Motto: Wenn Gott nicht in die Gänge kommt – dann müssen wir eben nachhelfen.

    Nein, Er allein ist der HERR, der HERR seines Volkes Israels und der Herr seiner Gemeinde. Wenn wir auf sein Wort achten, uns darin üben, seine Stimme zu hören und auf sie zu achten – dann wird er mit uns zu seinem Ziel kommen.

    Weil kleine Unterschiede eine große Wirkung haben, ist es unabdingbar, genau hinzuhören:

    Meine Schafe achten genau auf meine Stimme und ich kenne sie ganz genau. Sie folgen mir überall hin und ich gebe ihnen das unvergängliche Leben. Sie werden bis in alle Ewigkeit hinein nicht verloren gehen. Ja, es wird niemandem gelingen, sie aus meiner Hand zu reißen. (Johannes 10,27-28)