predigt-2022-07-31

Predigt: Vertrauen in Dürrezeiten

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Datum: 31.07.22
Bibelstelle: 2. Mose 17,1-7
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Neben den Themen „Ukraine“ und „Corona“ schiebt sich das Thema „Klimaveränderung“ mit Macht in den Vordergrund. Viele Menschen stöhnen unter der Hitze.

Wenn die Temperaturen über dreißig Grad steigen, dann können wir ahnen, weshalb „Wasser“ eines der Hauptthemen der alttestamentlichen Gemeinde insbesondere während ihrer Wanderung durch die Wüste Sinai war. Kaum eine Sorge beschäftigte die Menschen damals so sehr, wie die Frage nach dem Wasser.

Wasser bedeutete Leben, Ernte und Zukunft. Kein Wasser bedeutete Hunger und Elend.

Einer der biblischen Berichte, die sich mit dem Thema „Wasser“ beschäftigen, finden wir im 2. Mosebuch, Kapitel 17 (Auszüge): „… Da hatte das Volk kein Wasser zu trinken. … Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt? … Ist der HERR unter uns oder nicht?“

  1. Wenn es eng wird

    Das von Gott auserwählte Volk Israel hatte vor gar nicht langer Zeit unter den Peitschenhieben der ägyptischen Aufseher gestöhnt. Schließlich waren sie unter der Führung Mose aufgebrochen – ausgezogen um das Land, dass Gott ihnen versprochen hatte, zu besiedeln.

    Sie hatten göttliche Führung sehr konkret erlebt. Doch dann gibt es ein Wasserproblem. Die Begeisterung vom Aufbruch ist zu Ende. Die Wüstenwanderer stellten die Frage nach der Gegenwart Gottes: „Ist der HERR unter uns oder nicht?“ (2. Mose 17,7)

    Diese Frage ist im tiefsten Grunde die Vertrauensfrage. Können wir Gott noch vertrauen? Hat er uns den Rücken zugekehrt und sich aus dem Staub gemacht? Urplötzlich kommen Zweifel auf.

    In der Regel sind es zunächst wenige, die die Zweifel schüren – aber sie sind erfolgreich. Bald entfachen die Zweifel einzelner einen Flächenbrand.

    Kann es für einen Menschen in der Nachfolge Gottes eng werden? Gehören Schwierigkeiten zum Weg des Glaubens? Oder aber sind Schwierigkeiten ein untrügliches Zeichen dafür, den Weg des Glaubens verlassen zu haben?

    Der heutige Bericht zeigt: Auch ein von Gott geführtes Leben kennt Phasen der Dürre und Trockenheit. Auch in der Nachfolge gibt es Wege, die durch dunkle Schluchten führen.

    Solange wir als Gemeinde Jesu noch nicht am Ziel sind, wird es immer beides geben: Erfahrungen des Eingreifens Gottes, aber auch Abschnitte der Dunkelheit, der Enge und Begrenztheit.

  2. Wenn der Frust kommt

    Als aber dort das Volk nach Wasser dürstete, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt? Mose schrie zum HERRN und sprach: Was soll ich mit dem Volk tun? Es fehlt nicht viel, so werden sie mich noch steinigen. (2. Mose 17,3-4)

    Der Begriff „Frust“ hängt zusammen mit „vergeblich“. „Sollte alles vergeblich gewesen sein?“, so fragten die Israeliten.

    Jeder von uns hat seine ganz speziellen Frusterfahrungen. Frusterfahrungen gehören zum Leben – Nur: Wie gehen wir damit sinnvoll um?

    Die Wüstensöhne lenken ihre gesammelte Wut auf Mose und machen ihn zum Sündenbock: „Warum hast du …?“

    Ärger und Wut bekommen oft genug diejenigen ab, die ihn nicht verursachen.

    Kaum vorstellbar: Mose, der bisher so souveräne alte Gottesmann, wird plötzlich laut. Mose schreit nicht, weil Gott schwerhörig wäre sondern weil er verzweifelt ist. Mose weiß nicht mehr weiter: „Was soll ich mit dem Volk tun?“

    „Du lieber Gott, die Aufgabe, die du mir mit der Führung Israels gestellt hast, ist mir zu schwierig. Die ganze Sache wächst mir über den Kopf. Ich bin mit meinem Latein am Ende.“

    Darf man so beten? Aber wenn nicht so, wie dann? Wo steht denn in der Bibel, dass unsere Gebete immer abgeklärt, sprachlich korrekt und möglichst emotionslos vorgetragen werden müssen?

    David bezeugt in Psalm 18,7: „Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott. Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.

    Seinen Frust, seinen Hilfeschrei an Gott selbst zu richten, das wäre die angemessene, geistliche Alternative. Bei IHM stößt unser Frust auf offene Ohren und von IHM her können wir ungewöhnliche Lösungen erwarten.

  3. Wenn Wasser aus dem Felsen tritt

    Der HERR sprach zu ihm: Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und geh hin. Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel. (2. Mose 17,5-6)

    Bei Gott gibt es kein „Unmöglich“: Mitten in der Wüste, an einer Felsenwand, demonstriert Gott seine Majestät. Aus der toten Materie „Fels“ lässt er Wasser quellen.

    Es sind nicht Mose oder sein Stab, die Wasser aus dem Felsen hervorbringen. Es ist der lebendige Gott selbst.

    „Ist der HERR unter uns oder nicht?“ – Selbstverständlich ist der das! So lautet das Evangelium, die frohe Botschaft an diesem Sonntag.

    Gott lässt seine Leute durch die Wüste ziehen, aber er bringt sie auch durch. Er geht mit ihnen durch die Wüste. Gerade dort, wo menschlich gesehen nichts zu erwarten ist, wo seine Kinder nur auf den blanken Felsen starren, will er sich verherrlichen.

    Im Neuen Testament bekommt das Thema „Vertrauen in Dürrezeiten“ noch eine ganze andere Dimension: Der Durst, der durch Mangel an Wasser entsteht, wird übertragen auf den Durst nach „wahrem, ewigen Leben“.

    Der Evangelist Johannes berichtet von einer Begegnung zwischen Jesus und einer samaritanischen Frau. Diese Frau hat kein Wasserproblem. Ihr Problem ist die innere, geistliche Leere ihres Lebens. Ausgebrannt fühlt sie sich, innerlich ausgetrocknet, wie ein Strauch in der Wüste.

    Jesus sagt der Frau, dass ihr Lebensdurst gestillt wird, wenn sie ihm nachfolgt: „Wer aber das Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird bis in die Ewigkeit hinein nie mehr von Durst gequält werden. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die immer weiter sprudelt, bis in das unbegrenzte, ewige Leben hinein.“ (Johannes 4,14)

    In geistlichen Dürrezeiten lädt Jesus uns ein:

    • Wirf dein Vertrauen nicht weg. Ich bin mit dir – und ich kann aus dem Felsen Wasser schaffen – aus dem Unmöglichen Großes.
    • Suche besonders meine Nähe. Ich bin die Quelle, die deinen Durst nach Leben stillt.