predigt-2022-06-26

Predigt: Drei Schritte auf dem Weg zur Freude

Zur Predigtübersicht

Datum: 26.06.22
Bibelstelle: Nehemia 8,1-10
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

„Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.“ – so endet der heutige Predigttext aus Nehemia 8,1-10.

Wie sieht es aus mit deiner Freude am HERRN?

Vielleicht ist in den vergangenen Wochen und Monaten die Freude auf der Strecke geblieben. Wenn du dich so fühlst, dann bist du heute morgen wahrscheinlich nicht allein.

Es ist gut, wenn du einen Menschen hast, der in der Lage ist, dir den Kopf so zu verdrehen – so dass du wieder Gottes Majestät und Herrlichkeit sehen kannst. In Nehemia 8 wird Esra den Israeliten zum Kopfverdreher, er zeigt ihnen drei Schritte auf dem Weg zur Freude:

  1. Vom Aufbruch in Gottes Gegenwart

    Da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor, und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, er sollte das Buch des Gesetzes des Mose holen, das der HERR Israel geboten hat. (Nehemia 8,1)

    Es ist erstaunlich: Aus allen Richtungen strömen die Leute nach Jerusalem zu einem großen Open-Air-Gottesdienst. Sie haben eine Erwartung: „Wir wollen Gottes Wort hören.“

    In den vergangenen Monaten haben sie sich müde gearbeitet am Bau der Stadtmauer Jerusalems. Der Körper ist müde und die Seele sehnt sich nach geistlicher Nahrung.

    Was in Nehemia 8 beschrieben wird, ist nichts Geringeres als eine Erweckung, ein Aufwachen zu neuem, frischem Glauben an den lebendigen Gott. Es ist die Sehnsucht, Gottes Willen kennenzulernen und sich an ihm auszurichten.

    Erweckung aber ist ein Geschehen Gottes, ein Geschenk. Geistliche Erneuerung ist eng verbunden mit der geistgewirkten Sehnsucht nach dem lebendigen Wort Gottes. Das Wort Gottes steht im Zentrum der geschilderten Veranstaltung.

    Esra eröffnet die Schriftlesung mit einem Lobpreis auf Gottes Größe: Und Esra lobte den HERRN, den großen Gott. Und alles Volk antwortete mit erhobenen Händen „Amen! Amen!“, und sie neigten sich und beteten den HERRN an mit dem Antlitz zur Erde. (Nehemia 8,6)

    Wer sich Gottes Wort zuwendet, betritt heiligen Boden. Es geht um die Selbstmitteilung des heiligen Schöpfergottes – ohne die die Kirche im religiösen Nebel versinken würde.

    Und die Leviten … unterwiesen das Volk im Gesetz; und das Volk stand auf seinem Platz. Und sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde. (Nehemia 8,7-8)

    Es wird immer ein kurzer Abschnitt vorgelesen. Anschließend gehen die Mitarbeiter Esras in die verschiedenen Gruppen und erklären das Gelesene klar und für alle verständlich.

    Und die Leute hören zu, konzentriert stundenlang. Zum Hören gehört jedoch noch mehr als das Verstehen, als das verstandesgemäße Begreifen von theologischen Wahrheiten.

    Das Gehörte und gelesene Wort muss sich in unserem inneren Menschen verankern, einnisten. In einem seiner zahlreichen Bildworte spricht Jesus vom „fruchtbaren Boden“, auf den der Same des Wortes Gottes fallen kann.

  2. Vom Zerbruch des frommen Selbstbildes

    Die Leute, die Esra zuhören, nehmen sich jedes Wort zu Herzen: „Denn alles Volk weinte, als sie die Worte des Gesetzes hörten.“ (Nehemia 8,9)

    Es ist keine Massenpsychose. Diese Reaktion kam nicht durch die Seelenmassage des Predigers Esra oder durch ein besonderes einfühlsames Musikprogramm. Allein das Hören auf Gottes Wort hat diese innere Betroffenheit ausgelöst.

    Es ist wie der Blick in einen Spiegel: Sie sehen ihr Leben, wie es ist. Und sie sehen im Vergleich, wie es aussehen sollte. Sie fragen sich: „Was ist in unserem Leben abgelaufen. Wo sind wir hingekommen?“

    Wir haben nur noch unseren Dienst gesehen – aber Gottes Wort hat uns nicht mehr erreicht. In diesen heiligen Momenten der geistgewirkten Selbsterkenntnis bröckelt die Fassade.

    Gottes Wort überführt die Menschen. Sie hören aus der Bibel, wozu Gott sie berufen hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand. Und auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst.“ (Lukas 10,27)

    Die Zuhörer spüren die unendliche Diskrepanz zwischen ihrem Leben und ihrer Berufung. Echte Betroffenheit macht sich breit. Wenn wir uns im Licht Gottes erkennen, dann könnten wir verzweifeln …

  3. Von der neuen Blickrichtung

    Und Nehemia, der Stadthalter, und Esra, der Priester und Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sprachen zu allem Volk: Dieser Tag ist heilig dem HERRN, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weint nicht! … Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. (Nehemia 8,9.10)

    Wer von uns hätte solch ein Ende erwartet?

    Anstelle einer Bußpredigt richtet Esra den Blick der vom Wort Gottes Erschütterten auf den HERRN: Gott sieht eure Tränen und freut sich über eure Reue. Er vergibt und verzeiht.

    Schließt euch nicht in euren Kummer ein. Freut euch über den Herrn, der euch vergibt!

    Das ist der Weg zur Freude: Das Volk hört und sieht den schmerzlichen Abstand zu dem, was es sein könnte. Und das Volk staunt, denn Gott vergibt – weil er uns unendlich liebt.

    Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. (Johannes 3,16)

Wie sieht es aus mit deiner Freude am Herrn?

Wenn Gott groß wird, dann müssen die Sorgen klein werden. Seid nicht bekümmert! Seid nicht bedrückt! Weil wir es mit dem lebendigen Gott zu tun haben. Er ist unser guter Hirte, der uns gesucht, gefunden und zurückgebracht hat in seine Herde.