predigt-2022-05-22

Predigt: Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?

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Datum: 22.05.22
Bibelstelle: Apostelgeschichte 8,26-39
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

In einer Zeit, in der wir mit schlechten Nachrichten überhäuft werden, sehnen wir uns nach Botschaften, die ein „Happy End“ haben.

Wenn wir wissen, dass es am Ende gut wird, dann können wir den Schwierigkeiten des Lebens eher trotzen.

Am Ende des heutigen Predigttextes steht die Freude eines Menschen, dessen Sehnsucht nach einer lebendigen Gottesbeziehung gestillt wurde, eines Menschen, der Jesus Christus als seinen Herrn gefunden hat: „Er aber zog seine Straße fröhlich …“ (Apostelgeschichte 8,39)

  1. Wo wird die Sehnsucht meines Lebens gestillt?

    Apostelgeschichte 8 berichtet von einem äthiopischen Finanzbeamten, den die Gottesfrage derart gepackt hat, dass er sich in Bewegung setzt. Er verdrängt diese Frage nicht, er sitzt sie nicht aus.

    Er reist nach Jerusalem, weil er etwas sucht, was er bisher nicht hatte, was ihm trotz seiner herausragenden Stellung, seiner Macht und seines Ansehens fehlt.

    Er wusste vermutlich, dass Juden – im Gegensatz zu den anderen Völkern – einen einzigen, allmächtigen Schöpfergott verehrten. Diesen Gott möchte er unbedingt kennenlernen.

    Weit dringt er zu diesem Gott allerdings nicht vor. Trotz seines Einflusses ist ihm als Ausländer der Zugang zum inneren Tempelbereich verboten. Zutritt für Gäste verboten!

    Nur draußen, im sogenannten „Vorhof der Heiden“ darf er sich aufhalten und beten – aber dort ging es zu wie auf dem Jahrmarkt, dort regiert der Kommerz und nicht die Andacht.

    Trotzdem gibt der äthiopische Finanzminister nicht enttäuscht auf. Als Lektüre für seine Heimreise erwirbt er sich eine Schriftrolle mit Texten aus dem Buch des Propheten Jesaja und beginnt zu lesen (Zitat aus Jesaja 53,7):

    Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen. (Apostelgeschichte 8,32-33)

    Der äthiopische Beamte kann nicht verstehen was er liest. Je tiefer er in den Text einsteigt, umso rätselhafter werden ihm die Inhalte. Trotzdem scheint er zu ahnen, dass diese Botschaft, die Botschaft von einem göttlichen Opferlamm, die Antwort auf die Sehnsucht seines Herzens sein würde.

  2. Verstehst du auch, was du liest?

    Philippus war einer von sieben Diakonen in der Jerusalemer Gemeinde, die die Apostel entlasten sollten. Später arbeitete er als Gemeindegründer und Evangelist.

    Gott ruft den Evangelisten aus seinem vollgefüllten Terminkalender heraus und schickt ihn, ohne Angabe von Details, in den Staub der Straße vor Gaza – und Philippus geht:

    Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: „Geh zu diesem Wagen, und bleib in seiner Nähe.“ Philippus lief hin … (Apostelgeschichte 8,29-30)

    Die entscheidende Grundhaltung seines geistlichen Lebens waren Verfügbarkeit und Sendungsbereitschaft. Philippus lässt sich in seinem Alltagsbetrieb unterbrechen. Er hat ein Gespür für das Reden den Heiligen Geistes.

    Vermutlich wird Philippus dumm geschaut haben, als dort auf der Straße von Jerusalem nach Gaza der äthiopische Finanzminister anrollte. Der gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Graben zwischen den beiden war riesig.

    Dennoch sucht Philippus nicht das Weite. Er geht neben dem Wagen her – und konnte hören, was der Äthiopier – wie damals üblich – laut las.

    Philippus drängt sich nicht auf. Er bietet seine Hilfe an: „Verstehst du auch, was du liest?“ (Apostelgeschichte 8,30)

    Zwischen den beiden entwickelt sich – auf Augenhöhe – ein tiefes geistliches Gespräch. Der Staatsbeamte findet zum persönlichen Glauben an Jesus Christus. Die tiefe Sehnsucht seines Lebens nach Vergebung wird durch die Botschaft von Jesus Christus, dem Opferlamm Gottes, gestillt.

  3. Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?

    Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. (Apostelgeschichte 8,36-38)

    Für den äthiopischen Finanzminister schlägt auf der Straße von Jerusalem nach Gaza die Stunde Gottes und sofort hat er nur noch einen Wunsch: Ich möchte mich taufen lassen.

    Geht das alles nicht ein bisschen schnell? Sollte der Äthiopier nicht sicherheitshalber eine Bewährungszeit durchlaufen?

    All diese Bedenken wirft der Text nicht auf. Ein Mann wird gepackt von der Liebe Gottes in Jesus Christus – und er hat nur noch einen Wunsch: Was hindert’s, dass ich mich taufen lassen? Die Sache soll Hand und Fuß haben – der Glaube soll ein äußeres Zeichen bekommen.

    In Matthäus 28,16 dem sogenannten Missionsauftrag, heißt es: „Darum gehet hin und lehret alle Völker, taufend auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

    Die Taufe ist Teil der christlichen Mission. Durch die Taufe sollen die Täuflinge und die Anwesenden begreifen, was Christsein bedeutet: eine tiefe Wesensverbundenheit mit Christus.

    Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

    Das Einssein, die tiefste Gemeinschaft in und mit Christus, wird in der Taufhandlung deutlich.

    Denn durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und begraben. Und genauso wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, so können auch wir jetzt ein neues Leben führen. (Römer 6,4)

    • In der Taufe bekennt sich der Täufling öffentlich zu Christus.
    • In der Taufe wird der Täufling in die Gemeinschaft der Getauften, in den Leib Christi eingegliedert.
    • Durch die Taufe lernt der Täufling am eigenen Leib, was es bedeutet, „in Christus eine neue Kreatur“ zu sein.

    Der alte, frühere Mensch ist Vergangenheit – ertrunken, gestorben mit Christus. Und ein neuer Mensch ist aus dem Wasser aufgetaucht – als Teilhaber und Bürger der Welt Gottes, auferstanden in ein neues Leben.

    Er aber zog seine Straße fröhlich … Für den Äthiopier hat die Begegnung auf der staubigen Straße von Jerusalem nach Gaza ein fröhliches Ende – vielleicht sollte man eher von einem fröhlichen Anfang sprechen.

    Was hindert’s, dass Sie sich taufen lassen?