predigt-2022-05-15

Predigt: Was ziehen wir denn an?

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Datum: 15.05.22
Bibelstelle: Kolosser 3,12-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

In unserem Gottesdienst gibt es „Gott sei Dank“ keine Kleidervorschriften. Es geht hier auch nicht um die Frage, wo wir unsere Kleidung kaufen sollten oder aus welchem Material die Kleidungsstücke hergestellt sein sollen.

Es geht hier um Kleidung im übertragenen Sinne. In Kolosser 3,12-17 wird uns nicht nur ein Kleidungsstück vorgestellt, sondern ein ganzer Kleiderschrank:

  • So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;
  • und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
  • Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
  • Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.
  • Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
  • Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Die Geschichte vom Adler im Hühnerhof bietet ein anschauliches Bild für den Hintergrund des Kolosserbriefes. Diejenigen, die Jesus Christus nachfolgen und sich Christen nennen, sind nicht dazu berufen, auf ihrer Stange zu hocken und sich im warmen Stall von Gesetzen und Regeln zu verbergen.

Sie sind „die Auserwählten Gottes, die Heiligen und Geliebten“ (Vers 12). In Christus sind sie „neue Kreaturen“: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Nun könnte man sagen: „Prima! Wir gehören zu denen, die Jesus Christus nachfolgen, wir sind aus SEINEM Blickwinkel neue Kreaturen – wir haben das große Los gezogen? Ab jetzt legen wir die Hände in den Schoß und genießen das neue Leben!“

Aber weit gefehlt – denn das Adlerjunge soll fliegen. Es soll die ihm geschenkten Fähigkeiten nicht verkümmern lassen.

In seinem Brief an die Christen in Kolossä bemüht sich Paulus, die Gemeindeglieder aufzuscheuchen:

  • Zieht an …
  • Ertragt und vergebt euch …
  • Seid friedlich …
  • Seid dankbar …
  • Studiert fleißig die Bibel …
  • Ermutigt und ermahnt euch gegenseitig …
  • Ehrt und dankt Gott mit eurem Lobpreis, euren Liedern …

Paulus scheint auf ein Kleidungsstück sein besonderes Augenmerk zu richten: „Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“ (Vers 14)

Die Liebe vergleicht er mit einem Band, das alle Kleidungsstücke zusammenhält. Die Kleidung zur Zeit des Apostel Paulus bestand in der Regel aus Tüchern, die zu Gewändern zusammengestellt wurden. Erst durch ein Band, das über alle Tücher um den Körper geschlungen wurde, bekam die Kleidung Halt und Chic.

Erst durch die Liebe wird das Leben wirklich lebenswert, kriegt es Halt und Chic. Die besten Gaben und Talente können zur Gefahr werden, wenn sie nicht durch die Liebe zusammengehalten werden.

Paulus beschreibt hier nicht die Liebe, die dann aufflammt, wenn sich ein junger Mann und eine junge Frau ineinander verlieben.

Für Paulus ist die Liebe etwas grundsätzlich anderes: Liebe ist für ihn die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich dem anderen zuzuwenden – auch und gerade dann, wenn er mir nicht sympathisch erscheint, wenn er mich nervt, wenn er mich herausfordert – weil er so anders tickt als ich.

Das Wort Gottes sagt dir heute Morgen: Du musst nicht alle Menschen mögen – aber du kannst sie lieben! Du kannst deinem Gegenüber mit herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld begegnen.

Was aber, wenn wir mit unserem Vorrat an Liebe an die Grenzen stoßen? Was, wenn der Tank leer ist?

Paulus weist die Kolosser auf zwei Dinge hin, wo sie als Nachfolger Jesu auftanken können:

  • „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.“

    Das „Wort Christi“, das uns heute in der Bibel im Neuen Testament vorliegt, hat eine erstaunliche Wirkung. Es setzt Energie frei. Es ist in der Lage, unsere Herzen mit der unerschöpflichen Liebe in Berührung zu bringen und wieder neu zu füllen.

  • „Stärkt und ermuntert einander mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern.“

    Martin Luther schreibt zur Wirkung der Musik: „Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.“

    Paulus weiß, dass unser Glaubensleben Schwankungen unterworfen ist: Es gibt Zeiten, in denen sich die Auserwählten, Heiligen und Geliebten nicht auserwählt, nicht heilig und nicht geliebt fühlen. In diesen Zeiten brauchen wir einander.

    Wir brauchen Glaubensgeschwister, die uns ermutigen, die uns mit in den Lobpreis hineinnehmen und die uns helfen, im reich gefüllten Kleiderschrank Gottes wieder die angemessenen Kleidungsstücke zu finden und anzuziehen.