predigt-2022-05-08

Predigt: Schick dein Herz auf die Reise!

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Datum: 08.05.22
Bibelstelle: Lukas 12,22-28
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Was haben Muttertag und die Bibel gemeinsam?

Beide haben es dem Herzen zu tun: Am Muttertag wie auch in der Bibel ist Herz Trumpf. Es gibt fast 500 Bibelstellen, in denen der Begriff „Herz“ vorkommt: Da gibt es beschwerte Herzen und fröhliche Herzen. Gekränkte Herzen und gehorsame Herzen. Verständige Herzen, verstockte Herzen …

Heute Morgen geht es um Herzen, die aufgefordert werden, an einer Suche teilzunehmen. Marschiert los, bewegt euch – ihr traurigen Herzen – macht euch auf die Suche nach Freude.

  1. Wegsehen und aufbrechen

    Seine Jünger ermutigte Jesus: „Macht euch keine Sorgen …“ (Lukas 12,22)

    Die Jünger waren die auserwählte Truppe. Sie hatten das Vorrecht, Jesus rund um die Uhr begleiten zu können. Jeder Tag mit Jesus war ein Tag voller Abenteuer.

    Die Bergpredigt war ein Megaevent – aber die Anhänger von Jesus können den Worten von Jesus kaum folgen. Sie machen sich Sorgen: Was wird die Zukunft bringen? Wie geht es unseren Familien, die wir zurückgelassen haben?

    Die Jünger sitzen im Gottesdienst, als säßen sie im falschen Film. Sie sind körperlich anwesend – aber gedanklich weit weg. Das, was Jesus zu sagen hat, erreicht sie nicht wirklich.

    Plötzlich unterbricht Jesus seine Predigt. Er schaut seine Jünger in der ersten Reihe an. Er sieht die dunklen Wolken in ihren Herzen.

    Jesus ermutigt sie: „Schaut euch doch mal um! Lasst euch nicht von den düsteren Gedanken und Sorgen bestimmen!“

    Ja, das Leben ist kein Ponyhof. Die Zeiten, in denen die Jünger damals lebten und in denen wir heute leben, sind alles andere als rosig. Da könnte man sich den ganzen Tag Sorgen machen – aber müssen wir das wirklich?

  2. Hinsehen und wahrnehmen

    Jesus verordnet Jesus seinen Jüngern einen Spaziergang durch die Natur:

    Seht euch an, wie die Lilien auf den Wiesen blühen! Sie können werde spinnen noch weben. Ich sage euch, selbst König Salomo war in seiner ganzen Herrlichkeit nicht so prächtig gekleidet wie irgendeine dieser Blumen. (Lukas 12,27)

    „Seht!“ – Nehmt wahr! Achtet darauf! Schickt euer Herz auf die Reise! Geht mit dem Herzen spazieren! Lasst euch nicht von euren Sorgen und dunklen Gedanken bestimmen!

    Ein Mensch, der diese Gedanken in Gedichtform ausdrücken konnte, war Paul Gerhardt. Er war ein Mann, dem ein hartes Schicksal zugemessen war.

    Damit er in allem Jammer nicht verzweifelt, muss er seinem Herzen einen Schubs geben und er macht sich auf die Suche nach Freude: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben …“

  3. Verstehen und staunen

    Wie kann mir ein Waldspaziergang die Sorgen nehmen? Die Lösung für unsere schwierigen Lebenssituationen besteht natürlich nicht allein in einem ausführlichen Spaziergang durch einen blühenden Garten oder einen grünenden Wald.

    Tatsächlich lösen Spaziergänge keine Probleme, aber sie können uns auf die Sprünge helfen. Eine Wanderung durch die Natur kann die innere Blockade lösen. Kann dazu dienen, dass wir wieder handlungsfähig werden – und aus dem Strudel des Selbstmitleides herausfinden.

    Die eigentliche Lösung hat etwas zu tun mit Gottvertrauen: Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen lässt, das heute auf der Wiese grünt und blüht, morgen aber schon verdorrt ist, meint ihr wirklich, er könnte euch vergessen? (Lukas 12,28)

    Der Vergleich mit den Lilien und den Prachtgewändern des Königs Salomos weisen uns darauf hin, dass Gottes Möglichkeiten weitaus umfangreicher sind als unsere. Und dieser Schöpfergott hat dich nicht vergessen:

    Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Und doch vergisst Gott keinen einzigen von ihnen. Selbst die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Ihr braucht wirklich keine Angst zu haben! Ihr seid viel mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm! (Lukas 12,6-7)

    Wir können uns tatsächlich in gewissen Lebensabschnitten vergessen fühlen – aber wir sind es nicht.

    Es mag sein, dass dir – wie Paul Gerhardt – eher die Schattenseiten des Leben zugemutet sind. Nur: Vergessen bist du nicht! Keine Sekunde deines Lebens wird der lebendige Gott dich aus dem Blick verlieren.

    Als Paul Gerhardt sein Herz auf die Reise schickt, kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und dann kommt ihm ein genialer Gedanke: Wenn es hier auf dieser Erde schon so viel Schönes zu entdecken gibt – wieviel schöner, wie unendlich herrlicher muss es in Gottes neuer Welt sein! Plötzlich wird sein ehemals beschwertes Herz wieder leicht.