predigt-2022-05-01

Predigt: Wofür schlägt dein Herz? (Vom Reich Gottes/Teil 3)

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Datum: 01.05.22
Bibelstelle: Matthäus 20,1-15
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Mögen Sie Überraschungen?

„Gott sei Dank“ gibt es nicht nur böse Überraschungen, sondern auch schöne, positive Überraschungen.

Und auch der Gott der Bibel ist immer für eine Überraschung gut.

Oft genug hechtet Gott in unser Leben und bringt unser jahrelang zusammengefügtes „Gottesbild“ ordentlich durcheinander.

Im Reich Gottes ist vieles überraschend anders als in unserer Gesellschaft. Der Gott, der uns in der Schrift offenbart ist, ist immer der überraschend andere – oder er ist nicht Gott.

Wenn Gott uns nicht mehr überrascht – wenn wir meinen, wir könnten Gottes Handeln voraussagen, dann haben wir es nicht mehr mit Gott zu tun, sondern mit einem Götzen.

In der Gleichnisrede aus Matthäus 20,1-16 erzählt Jesus von der neuen Wirklichkeit, die Gott in die Welt hineinbringt (das „Reich Gottes“): Ein Mann, dem eine große Weinpflanzung gehörte, heuert Gelegenheitsarbeiter für seinen Weinberg an, und zwar zu unterschiedlichen Tageszeiten. Am Ende bekommen sie alle den gleichen Lohn. Ist das gerecht?

  1. Wenig Überraschendes

    Zur Zeit Jesu war der Marktplatz auch das Arbeitsamt, bei dem auch auch mit Arbeitskraft gehandelt wurde. Über neunzig Prozent der damaligen Arbeiter waren solche Tagelöhner – also Menschen, die von der Hand in den Mund lebten.

    Es ist also nicht überraschend, wenn ein Weinbergbesitzer am frühen Morgen auf den Markt kommt, um für seine Weinlese Arbeiter anzustellen.

    Es ist auch nicht wirklich überraschend, dass er um 9:00 Uhr, um 12:00 Uhr und am Nachmittag um 15:00 Uhr noch einmal auf den Markt kommt: Die Ernte ist wohl umfangreicher als gedacht – also braucht weitere Arbeitskräfte.

  2. Überraschende Berufung

    Dass der Weinbergbesitzer um fünf Uhr nachmittags noch einmal Arbeiter sucht, ist allerdings seltsam.

    Die Männer, die um 17:00 Uhr noch auf dem Marktplatz warten, sind diejenigen, die sich darüber den Kopf zerbrechen, wie sie ihrer Familie erklären können, dass sie wieder einmal ohne Lohn nach Hause kommen.

    Es sind die Schwachen, die Alten, die Behinderten, diejenigen, von denen sich die bisherigen Arbeitgeber keinen großen Gewinn erwarten konnten. Es sind diejenigen, die auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sind.

    Das Gefühl, überflüssig zu sein, hinterlässt tiefe Wunden in der Seele eines Menschen. Das Überraschende im Reich Gottes ist, dass es ein Reich ist, in der die Schwachen Raum haben. Die Teilhaber am Reich Gottes sind keine Elitetruppe.

    Es sind auch diejenigen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden. Der Weinbergbesitzer beruft überraschenderweise auch diejenigen in seine Weinlese – in sein Reich -, die sich nicht durch besondere Fähigkeiten hervortun.

    Wenn der Weinbergbesitzer um 17:00 Uhr – kurz vor Feierabend – noch Tagelöhner in seinen Dienst stellt, dann war deren Einsatzzeit im Grunde schon abgelaufen. Das heißt: Die Aktion des Weinbergbesitzers ist völlig verrückt. Er kann nur draufzahlen. Wirtschaftlich betrachtet, ist das Verhalten des Weinbergbesitzers völlig unsinnig.

    Es muss einen anderen Grund dafür geben, dass er um 17:00 Uhr noch ein letztes Mal Arbeiter anheuert. Es muss etwas mit dem Herzschlag des Weinbergbesitzers zu tun haben.

  3. Überraschende Entlohnung

    Als die um siebzehn Uhr Angeworbenen zurück kamen, erhielten sie je einen Denar. Sie bekommen den gleichen Tageslohn wie diejenigen, die bereits viel früher angefangen hatte. Und sie bekommen ihn auch noch zuerst! Die ganze Aktion scheint völlig schräg.

    Der Weinbergbesitzer handelt absolut ungewöhnlich – er sucht gerade den Konflikt, ja er provoziert die Auseinandersetzung.

    Das Gleichnis zielt auf Glaubende, die sich nicht mehr darüber freuen können, dass Gottes Güte auch denen gilt, die sie nach menschlichem Ermessen nicht verdient haben.

    Gottes Herz schlägt für diejenigen, die noch nicht Teil seines Reiches sind. Es schlägt für diejenigen, die bisher in ihrer Gottlosigkeit gefangen sind.

    Warum werden die Kurzarbeiter genauso entlohnt wie die Langarbeiter?

    Das Gleichnis hat eine einfache Antwort: „Ich will den später Gekommenen dasselbe geben wie dir.“ Das Geheimnis von Gottes gütigem Handeln liegt schlicht und ergreifend in seinem Willen. Gott will seine Güte über das Recht siegen lassen.

    Das Bildwort vom Weinbergbesitzer und seinen Arbeitern offenbart uns einen überraschend barmherzigen Gottes. Das Reich Gottes ist ein Reich, indem Gottes Barmherzigkeit und seine Güte herrschen.

Wer sind Sie in diesem Gleichnis?

Gottes Barmherzigkeit und Güte reicht für alle: Für diejenigen, die schon lange in Gottes Weinberg zugange sind, und für diejenigen, die noch auf dem Marktplatz stehen.

Gott lädt dich ein, seine Barmherzigkeit anzunehmen, seinem Ruf zu folgen und deine Berufung zu feiern!