predigt-2022-04-24

Predigt: Zu viel Druck!

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Datum: 24.04.22
Bibelstelle: Galater 2,16-20
Redner: Klaus Fischer

Zusammenfassung:

Der Mensch funktioniert nur unter Druck. Und wer sich Christ und Jünger Jesu nennt, muss die Gebote Gottes erfüllen. Streng dich an, Mensch! Sei Glaubensheld und Vorbild für die Anderen!

Was meint Jesus zu diesem verzerrten Bild des Christseins?

Am Palmsonntag – eine Woche vor Ostern – kommt Jesus nach Jerusalem. Dort sieht er Menschen unter Druck: Menschen, die völlig hilflos und überlastet vor den Anforderungen Gottes stehen, die keine Chance sehen, vor Gott zu bestehen.

Suchende, von Schuld und Sünde geplagte Menschen, die verzweifelt nach einer Antwort suchen – und die statt einer Lösung nur immer deutlicher erkennen: Ich schaffe es nicht. Ich kann die Gebote Gottes nicht halten.

Jesus weint, als er nach Jerusalem kommt und das Ausmaß des Leids sieht, das in der heiligen Stadt vorherrscht:

Sie binden aber schwere und schwer zu tragende Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen. (Matthäus 23,4)

Jesus erklärt in kurzen Worten, wie sich ein Kind Gottes in der Nachfolge verhalten soll:

Wenn einer mir auf meinem Weg folgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, Tag für Tag, und so folge er mir! (Lukas 9,23)

Jeder soll sich täglich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen? Ist das nun besser als die Gebote der Pharisärer halten zu müssen? Das kann auch ganz schön viel Druck bedeuten, oder?

Paulus hält es für wesentlich, dass wir das Evangelium – die gute Nachricht – richtig verstehen. Im Galaterbrief (Galater 2,16) erklärt er gleich drei mal, dass wir NICHT „gerecht“ werden können durch das Halten von Gesetzen und Geboten:

  • Weil wir aber wissen, dass ein Mensch nicht dadurch gerecht wird, dass er tut, was im Gesetz geschrieben steht, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen,
  • damit wir aus dem Glauben an Christus gerecht würden und nicht dadurch, dass wir tun, was im Gesetz geschrieben steht;
  • denn durch das Tun dessen, was im Gesetz geschrieben steht, wird kein Mensch gerecht werden.

Gnade und Freispruch vor Gericht!

Aber haben wir damit einen Freibrief? Können wir einfach „in Sünde“ bleiben? Hat Jesu Opfer keine Konsequenzen in unserem Leben?

Können wir Sünder sein – und trotzdem gerecht?

Wenn wir jedoch im Bestreben, durch Christus gerecht zu werden, nun selbst als Sünder dastehen, ist dann Christus ein Diener der Sünde? Gewiss nicht! Schuldig mache ich mich dann, wenn ich wieder aufrichte, was ich abgerissen habe. (Galater 2,17-18)

Wieder aufrichten, was ich abgerissen habe? Hier ist nicht gemeint, dass ich als wiedergeborener Christ wieder zurückfalle in ein Leben, das von Sünde begleitet ist. Sondern dass ich wieder versuche, durch eigene Anstrengung gerecht zu werden. Nur Jesus – der angekündigte Retter – macht mich gerecht:

Denn dadurch, dass ich den Weg des Gesetzes zu Ende gegangen bin, bin ich für das Gesetz tot. So kann ich fortan für Gott leben. Ich bin mitgekreuzigt mit Christus. Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir; was ich jetzt noch im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. (Galater 2,19-20)

Was heißt hier „Leben im Fleisch“?

Diejenigen, die zu Christus Jesus gehören, haben die Leidenschaften und Begierden ihrer sündigen Natur an sein Kreuz geschlagen. (Galater 5,24)

Ich bin also „gekreuzigt“, dadurch von der Sünde getrennt und unterliege nicht mehr den Versuchungen des „Fleisches“?

Paulus möchte, dass wir begreifen, dass Jesus alles für uns getragen hat. Dass wir keinen Beitrag zu unserer Begnadigung geleistet haben und niemals leisten werden. Gnade und nur Gnade allein hat uns freigesprochen.

Wenn einer mir auf meinem Weg folgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, Tag für Tag, und so folge er mir! (Lukas 9,23)

Wie nun soll ich das verstehen, mein Kreuz auf mich nehmen? MEIN Kreuz?

Dieses Kreuz ist das Geschenk Gottes für mich – ich darf es aufnehmen und jede Gerechtigkeit, die Jesus darin bewirkt hat, für mich beanspruchen. Ohne Leistung, ohne einen Beitrag dazu, ohne dass ich es verdient hätte.

Keineswegs ist es ein Kreuz, an dem ich meine gerechte Strafe vollzogen habe.

Ich bin zwar für schuldig erklärt worden – weil ich schuldig bin -, aber nicht ich wurde bestraft, sondern Jesus – an meiner Stelle. Nicht ich habe gelitten – ich habe tatsächlich gar nichts dazu beigetragen, dass ich schließlich freigesprochen wurde.

Jesus lädt uns ein, zu ihm zu kommen und unsere schwere Last von ihm abnehmen zu lassen:

Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht. (Matthäus 11,28-30)

Ruhe finden – im Gegensatz zu Stress und Druck. Eine leichte Last und ein sanftes Joch.

Wir sind frei – machen wir was draus! Wir sind als Nachfolger Jesu zur Freiheit berufen. Nur: Benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für das eigene Ich, sondern dient einander in Liebe:

Denn das ganze Gesetz ist erfüllt, wenn ihr das eine Gebot haltet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Galater 5,13-14)

Als Kinder Gottes sind wir heilig und gerecht. Trotzdem gibt es noch Sünde in unserem Leben:

Wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben. (1. Johannes 1,8-9)

Die „alltägliche“ Sünde werden wir nicht los – wir brauchen die Vergebung jeden Tag neu. Und durch diese Vergebung wird mein Status als „Heiliger“ vor Gott wiederhergestellt.

Gott ist es wichtig, dass wir uns nicht von falschen Vorstellungen unter Druck setzen lassen. Gott möchte uns von unnötigen Lasten und Sorgen befreien:

  • Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen. (Matthäus 6,25)
  • Ich möchte, dass ihr in allem, was ihr tut, von den Sorgen dieses Lebens frei seid. (1. Korinther 7,32)
  • Macht euch um nichts Sorgen! (Philipper 4,6)
  • Und legt alle eure Sorgen bei ihm ab. (1. Petrus 5,7)