predigt-2022-02-06

Predigt: Das ist doch ungerecht!

Vom Schrei der Seele nach Gerechtigkeit

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Datum: 06.02.22
Bibelstelle: Psalm 26,1-8
Redner: Hans-Peter Dinter

Im Psalm 26 beschreibt David, dass er sich ungerecht behandelt fühlt und wie er damit umgeht.

Wenn Menschen unschuldig den Hass und die Ablehnung ihrer Mitmenschen erleben müssen, dann schreit die Seele nach Gerechtigkeit.

Wie können wir mit diesem Aufschrei der Seele umgehen? Wie gehe ich damit um, wenn andere Unwahrheiten über mich verbreiten und ich kann nichts dagegen unternehmen?

  1. Immer wieder „HERR“!

    Unser Gerechtigkeitsempfinden hat mit unserer Geschöpflichkeit zu tun hat. Menschen spiegeln Gottes Art wider. Seit dem Sündenfall sicher verzehrt und verschwommen – dennoch erkennbar. Die beiden großen Wesensmerkmale Gottes aber sind seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit.

    Er ist der Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alle seine Wege sind recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. (5. Mose 32,4)

    Als Gottes Geschöpfe ist uns ein Gerechtigkeitsempfinden in die Wiege gelegt und wir sollten alles daran setzen, dass es in den Lebensbereichen, die wir beeinflussen können, gerecht zugeht.

    Denn der Herr ist gerecht, und er liebt die Gerechtigkeit. Die Aufrichtigen werden sein Angesicht sehen. (Psalm 11,7)

    Wie aber gehen wir damit um, wenn uns Unrecht widerfährt und wir nicht damit rechnen können, das es zu einer Lösung kommt?

    Die vermutlich häufigsten Reaktionen auf Unrecht sind Zorn und Hass – das ist die nach außen gerichtete Reaktion – oder Selbstmitleid und Verbitterung – als die nach innen gerichtete Reaktion.

    David findet noch einen anderen Weg mit dem Unrecht, dass ihm zugefügt wurde umzugehen: Gerechtigkeit und Hilfe erwartet er ganz aus der Hand des HERRN: Verhilf mir zum Recht, HERR! Denn ich habe doch gerecht gelebt und auf den HERRN habe ich mein Vertrauen gesetzt. Ich werde nicht zu Fall kommen. (Psalm 26,1)

    Das Wort „Vertrauen“ meint in diesem Zusammenhang „anvertrauen“ oder „sichern“. Wie ein Bergsteiger sich mit seinem Seil am Felsen sichert, so sichert sich der Psalmist an Gott. David weiß sich gesichert in seinem Gott.

    David verzichtet nicht auf sein gutes Recht. Er nennt Ungerechtigkeit weiterhin Ungerechtigkeit. Aber David überlässt seinem Gott die Rechtsprechung und verzichtet auf nach außen gerichtete Wut und Rache.

  2. Ganz schön mutig!

    Durchforsche mich, HERR, und stell mich auf die Probe, prüfe mich auf Herz und Nieren! (Psalm 26,2)

    Wir können uns – obwohl zutiefst von uns selbst überzeugt – mächtig auf dem Holzweg befinden. Ich kann mich irren!

    Vielleicht fühlen wir uns ins Unrecht gesetzt – aber wir sind es gar nicht. Wer sagt denn, dass ich Recht habe, wenn ich mich im Recht fühle? Meine Wahrnehmung muss doch nicht stimmen.

    David überlässt die Rechtsprechung seinem Gott.

  3. Jetzt gerade!

    Jetzt gerade, gerade jetzt, wo David angefochten und angegriffen wird, sucht er die Nähe seines Gottes und der glaubenden Gemeinde.

    David zieht sich nicht beleidigt zurück, um seine Wunden zu lecken und auf Menschen zu warten, die ihn bedauern und ihm Recht geben.

    Gerade jetzt, gerade dann, wenn wir den Eindruck haben, ungerecht behandelt worden zu sein, zeigt sich, wer in unserem Leben wirklich das Sagen hat. Gerade dann, wenn uns der Wind um die Ohren bläst, offenbart sich die Qualität und Reinheit unseres Glaubens.

    Das Leben ist nicht gerecht. Wir werden, auch wenn wir alles daran setzen, Lebensabschnitte haben, in denen uns Unrecht widerfährt. – Werden wir uns deshalb von dem Gefühl der Bitterkeit bestimmen lassen? Soll die erlittene Ungerechtigkeit meine Zukunft bestimmen?

    Gerade dann – so betet David – werde ich die Nähe Gottes suchen und ihm die Ehre geben: Meine Hände kann ich in Unschuld waschen und darf feierlich um deinen Altar herumgehen, HERR, um mit lauter Stimme ein Danklied anzustimmen und alle deine Wundertaten weiterzusagen. (Psalm 26,6-7)