predigt-2022-01-23

Predigt: Der Zehnte in der Bibel

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Datum: 23.01.22
Bibelstelle: Haggai 1,3-11; Maleachi 3,6-10
Redner: Klaus Fischer

Zusammenfassung:

Die Bibel macht im Alten Testament sehr deutlich, dass jeder Israelit 10 Prozent von seinem Ertrag abgeben soll, an die Leviten (Priester und Tempeldiener), an Bettler, Kranke, an Ausländer, an Witwen und Weise …

Und heute haben viele Christen für sich entschieden, dass das mit dem sogenannten Zehnten eine gute Idee ist. Gerade Freikirchen wie die unsere, die eben keine Kirchensteuer erheben, müssen wirklich darauf Acht geben, wie sie ihre laufenden Kosten decken können.

Doch das Ziel dieser Predigt ist nicht, beim Verlassen des Saals einen größeren Schein ins Körbchen zu werfen. Vielmehr sollten wir darüber nachdenken, wie wir in Zukunft mit dem Thema „Geld und Gemeinde“, „Besitz und Reich Gottes“ umgehen wollen.

Der Zehnte ist ein Zeugnis und eine Anerkennung dessen, dass unser himmlischer Vater uns so gut versorgt, dass wir ohne Not einen Teil davon weitergeben können, weiter an andere Menschen und zurück zu Ihm, in seinen Tempel:

  • Alle Zehnten im Lande, vom Ertrag des Landes und von den Früchten der Bäume, gehören dem Herrn und sollen dem Herrn heilig sein. (3. Mose 27,30)
  • Gedenke an den Herrn, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen. (5. Mose 8,18)
  • Jahr für Jahr sollst du gewissenhaft den ganzen Ertrag deiner Saat, der auf dem Felde wächst, verzehnten. (5. Mose 14,22)

Gott hat die Abgaben geregelt, die jeden Einzelnen in seinem Volk betreffen, und das hat zunächst sehr gut funktioniert.

Doch die Menschen haben die Gebote über den Zehnten vernachlässigt und ihre Abgaben sind einem natürlichen Schwund zum Opfer gefallen. Die Menschen glaubten, je mehr sie für sich behalten, desto mehr haben sie am Ende.

Schließlich steht Israel vor der Herausforderung, den Tempel wieder neu aufzubauen, was natürlich Kosten und Aufwand mit sich brachte.

Das Volk Israel war in einem ganz besonders herausfordernden Abschnitt seiner Geschichte. Es war die Zeit nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft in Babylon. Der Wiederaufbau hat schon viel vom Volk gefordert. Jeder war erschöpft und meinte, es gäbe gerade wichtigeres, als sich um den Tempel und die Belange des Reiches Gottes zu kümmern. Schon gar, wenn es um Finanzen und Arbeitseinsatz ging. Es gab noch so viel an den eigenen vier Wänden zu tun.

In dieser Situation spricht Gott durch den Propheten Haggai zu seinem Volk (Haggai 1,3-11):

  • So spricht der HERR, der allmächtige Gott: Dieses Volk behauptet, die Zeit sei noch nicht gekommen, den Tempel des HERRN wieder aufzubauen.
  • Aber warum ist es für euch selbst an der Zeit, in Häusern mit getäfelten Wänden zu wohnen, während mein Haus noch in Trümmern liegt?
  • Ich, der HERR, der allmächtige Gott, fordere euch auf: Denkt doch einmal darüber nach, wie es euch geht!
  • Ihr habt viel Saat ausgesät, aber wenig geerntet. Ihr esst und werdet nicht satt, ihr trinkt und bleibt durstig. Was ihr anzieht, wärmt euch nicht, und das sauer verdiente Geld rinnt euch nur so durch die Finger.
  • Darum sage ich, der HERR, der allmächtige Gott: Begreift doch endlich, warum es euch so ergeht!
  • Steigt hinauf ins Gebirge, schafft Holz herbei und baut den Tempel wieder auf! Daran habe ich Freude, so ehrt ihr mich, den HERRN.
  • Ihr habt viel erhofft, aber nur wenig bekommen. Und selbst das Wenige, das ihr nach Hause brachtet, blies ich noch fort. Warum ist das wohl so? Ich, der HERR, der allmächtige Gott, kann es euch sagen: Weil mein Tempel verwüstet daliegt und ihr nichts dagegen tut! Jeder von euch kümmert sich nur um sein eigenes Haus.
  • Darum bleibt der Himmel verschlossen, kein Tau fällt mehr auf eure Äcker, und die Erde bringt nichts hervor.
  • Ja, darum habe ich diese Dürre über euer Land kommen lassen, über die Berge und Kornfelder, über die Weingärten und Olivenhaine, über alles, was ihr abernten wolltet. Die Hungersnot hat euch und euer Vieh getroffen. Ihr plagt euch ab mit der Arbeit, aber die Mühe lohnt sich nicht.

Gott macht den Menschen klar, dass all ihr Mühen ohne Seinen Segen vergeblich ist.

Hier bei Haggai wird deutlich: Wenn das sauer verdiente Geld euch nur so durch die Finger rinnt, dann ist das die Folge der Zurückhaltung der Menschen, wenn es um ihren Anteil am Opfer für Gott geht. Um den Zehnten, um die Ehre, die wir Gott immer dann vorenthalten, wenn wir meinen, dass wir die Kröten dringender brauchen als ER.

Es geht um die Frage: Was mache mit dem, was Gott mir gibt? Dabei ist Gott nicht von dem abhängig, dass ich ihm etwas schenke. Stattdessen bin ich von Gott abhängig: Alles, was ich habe, kommt doch von Gott.

Maleachi, ein weiterer Prophet, wurde von Gott auch beauftragt, mit den Menschen über den Umgang mit dem Besitz zu reden (Maleachi 3,6-10):

  • Ich, der HERR, habe mich nicht geändert. Ihr aber habt euch auch nicht geändert, ihr seid genau solche Betrüger wie euer Stammvater Jakob!
  • Ihr habt schon immer gegen meine Gebote verstoßen, so wie es eure Vorfahren taten. Kehrt doch endlich um zu mir! Dann werde auch ich mich euch wieder zuwenden! Das verspreche ich, der HERR, der allmächtige Gott. Ihr aber fragt: ‚Warum sollen wir umkehren, was haben wir denn getan?‘
  • Ich antworte euch: Findet ihr es etwa richtig, wenn ein Mensch Gott betrügt? Doch genau das tut ihr die ganze Zeit! Ihr entgegnet: ‚Womit haben wir dich denn betrogen?‘ Nun, ihr habt mir nicht den zehnten Teil eurer Ernte gegeben, und ihr habt den Priestern ihren Anteil an den Opfergaben verweigert.
  • Mein Fluch lastet schwer auf dem Volk, und trotzdem hört ihr nicht auf, mich allesamt zu hintergehen.
  • Ich, der HERR, der allmächtige Gott, fordere euch nun auf: Bringt den zehnten Teil eurer Erträge in vollem Umfang zu meinem Tempel, damit in den Vorratsräumen kein Mangel herrscht! Stellt mich doch auf die Probe und seht, ob ich meine Zusage halte! Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels wieder öffne und euch überreich mit meinem Segen beschenke.

Der Text enthält eine großartige Zusage: Bringt den zehnten Teil eurer Erträge in vollem Umfang zu meinem Tempel … Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels wieder öffne und euch überreich mit meinem Segen beschenke.

Glaubst du das, was Gott sagt? Wie groß ist dein Gottvertrauen, dein Glaube, deine feste Zuversicht, dass ER seine Zusagen einhält?

Gott ist der allmächtige Schöpfer, dessen unbegrenzte Möglichkeiten so hoch über deinem Verstand sind, dass es sinnlos ist, auch nur darüber nachzudenken, wie er das wohl machen wird.

Wer von uns hat diese Zusage Gottes schon bewusst geprüft? Und zu nicht weniger fordert die Schrift uns auf: Stellt mich doch auf die Probe!

Gott lässt dich nicht hängen, erkennst du das? Gibst du IHM die Ehre für deinen Besitz oder sorgst du emsig für dich selbst und vergisst, wo alle Gabe ihren Ursprung hat?

Als Christen leben wir im Verständnis, dass ich nichts mein Eigen nenne. Gott sorgt für mich, ich habe alles was ich brauche, weil er es mir gegeben hat. Nehme ich jetzt davon den Zehnten und gebe ihn zurück? Oder behalte ich 90 Prozent für mich und verzichte auf 10 Prozent der Gaben Gottes?

Paulus schreibt dazu: Wer wenig sät, wird auch wenig ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt. (2. Korinther 9,6-7)

Gottes Geist wird uns über das richtige Maß informieren, wenn es um unseren finanziellen Beitrag im Reich Gottes geht. Hat ER ein Stimmrecht in unserem privaten Finanzministerium? Haben wir das Vertrauen, dass wir keinen Schaden daran nehmen, wenn wir von unserem Wohlstand zurückgeben?