predigt-2022-01-09

Predigt: Leben nach Gottes Rhythmus

Zur Predigtübersicht

Datum: 09.01.22
Bibelstelle: 2. Mose 6,4-9
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Was geht uns der Sabbat an? Ist die Sache mit dem Sabbat nicht eine Besonderheit des Judentums?

Nun gehören wir nicht zum alttestamentlichen Gottesvolk. Was uns aber eint, ist der Glaube an den Gott, der es sich leisten kann, nach sechs Tagen seiner Schöpfungstätigkeit einen Ruhetag einzulegen.

Damit gibt der Schöpfergott den Rhythmus vor. Arbeiten sollen wir, kreativ und schöpferisch gestalten – und zur Ruhe kommen dürfen wir.

Das erste Thema der heute beginnenden Allianzgebetswoche lautet „Der Sabbat – und die Identität“. Im vorgeschlagenen Bibeltext tauchen allerdings weder das Wort „Sabbat“ noch der Begriff „Identität“ auf:

„Ich habe mit ihnen meinen Bund geschlossen und darin versprochen, ihnen das Land Kanaan zu geben, in dem sie als Fremde gelebt haben. Nun habe ich gehört, wie die Israeliten als Sklaven der Ägypter stöhnen. Ich habe an meinen Bund mit ihnen gedacht.
Darum richte den Israeliten aus: Ich bin der HERR! Ich will euch von eurer schweren Arbeit erlösen und euch von der Unterdrückung durch die Ägypter befreien. Mit starker Hand werde ich die Ägypter strafen und mein Urteil an ihnen vollstrecken. Euch aber werde ich retten.
Ich nehme euch als mein Volk an, und ich will euer Gott sein. Ja, ihr sollt erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin, der euch aus der Sklaverei Ägyptens befreit!
Ich bringe euch in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid versprochen habe. Ich will es euch schenken, denn ich bin der HERR!“
Mose berichtete den Israeliten, was Gott zu ihm gesagt hatte, aber sie hörten nicht auf ihn. Sie waren erschöpft von der schweren Arbeit. Ihr Mut war gebrochen, ihre Hoffnung erloschen.
(2. Mose 6,4-9)

Zum Hintergrund: Irgendwann in Urzeiten, 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, bekommt Abraham, ein wohlhabender Beduine aus Ur in Chaldäa, von Gott ein Versprechen: Dann befahl der Herr Abram: „Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen.“ (1. Mose 12,1-2)

Im Laufe der weiteren biblischen Berichtserstattung werden wir darüber informiert, dass die Nachkommenschaft dieses Abrahams in Ägypten landet.

Zunächst waren die Nachkommen Abrahams in Ägypten herzlich aufgenommen worden. Man profitiert von einander.

Generationen später aber kommt es zum Bruch des Gemeinschaftswesens. Die Nachkommen Abrahams werden immer zahlreicher – und plötzlich befürchten die Ägypter den Untergang der ägyptischen Kultur.

Am Ende werden die jüdischen Gastarbeiter versklavt und wie Arbeitstiere behandelt. Sieben Tage die Woche müssen sie schuften – solange, bis die körperlich und psychisch am Ende sind.

Genau in diese Situation trifft das Wort des lebendigen Gottes:

  • Ich habe euch nicht vergessen.
  • Ich habe euch nicht berufen, damit ihr sieben Tage die Woche als Sklaven bis zur Erschöpfung zu malocht.
  • Ich habe euch zur Freiheit berufen.
  • Ich selbst werde mich darum kümmern, dass ihr, mein Volk befreit werdet, wieder durchatmen könnt, zur Ruhe kommt.

Was sagt der Bibeltext über Identität?

Ich nehme euch als mein Volk an, und ich will euer Gott sein. Ja, ihr sollt erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin, der euch aus der Sklaverei Ägyptens befreit! (2. Mose 6,7)

Wer bin ich?

  • Bin ich das, was andere über mich denken und von mir sagen?
  • Bin ich der, der von anderen bewundert und hofiert wird, weil ich klug, charmant, attraktiv und weltgewandt bin?
  • Hängen meine Identität und mein Selbstwert davon ab, was in meiner Beurteilung steht?
  • Ist mein Wert an den Zahlen zu bemessen, die am Ende des Monats auf meinem Gehaltszettel zu lesen sind?
  • Bin ich – weil ich in der Leistungsgesellschaft nicht mithalten kann, weil ich krank oder alt – oder beides bin – weniger wert?

„Ich nehme euch als mein Volk an, und ich will euer Gott sein.“ – Die Nachricht an das unterdrückte Volk Israel damals und die Nachricht an dich heute lautet: Du bist ein „von und zu Gottes“.

Du trägst den Adelstitel deiner göttlichen Herkunft, Gegenwart und Zukunft.

Auch wenn du dich gerade überhaupt nicht „adelig“ fühlst: Du bleibst ein Kind, eine Tochter, ein Sohn deines himmlischen Vaters. Deine Befindlichkeit verändert Gottes Zusage nicht – aber Gottes Zusage kann und wird deine Befindlichkeit ändern!

Im Christentum entstand die Feier des Sonntags aus dem jüdischen Schabbat. Dabei wurde der wöchentliche Ruhetag auf den „ersten Tag der Woche“ gelegt, an dem laut Markus 16,2 die Auferstehung Jesu Christi geschah.

Die Anordnung eines Ruhetages bedeutet das Ende jeglicher Leistungsideologie. Arbeit soll nicht der Lebensinhalt eines Menschen sein.

Die Worte „Mühe und Arbeit war dein Leben“, die gerne auf Grabsteinen eingemeißelt oder in Traueranzeigen verwendet werden, sind im Grunde eine Bankrotterklärung eines Lebens.

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. (5. Mose 5,12-14)

Weil wir ein „von und zu Gottes“ sind, besteht der Sinn unseres Lebens nicht darin, möglichst viel zu leisten, möglichst viel zu verdienen oder auf der Karriereleiter möglichst hoch zu klettern.

Der von Gott verordnete Ruhetag sagt dir: Du bist wertvoll, du bist geliebt, ohne etwas leisten zu müssen. Deine Identität und deine Würde liegen darin, dass du Gottes geliebtes Kind bist.

Du darfst zur Ruhe kommen – den freien Tag als „Feier“-Tag ansehen und gestalten. Am Feiertag sollst Distanz zu deiner Arbeit gewinnen, zur Ruhe kommen und die Nähe zu deinem Gott genießen.