predigt-2021-12-12

Predigt: Ungemütlicher Advent

Zur Predigtübersicht

Datum: 12.12.21
Bibelstelle: Lukas 3,1-18
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Johannes, dem die Menschen dem Beinamen „der Täufer“ gegeben haben, beginnt seine Predigt mit der netten Begrüßung „Ihr Schlangenbrut“. Mit dieser Anrede macht sich ein Prediger keine Freunde.

Eine der Empfehlungen aus der Predigtlehre lautet: Stimm hoch ein! Hol die Leute mit etwas Lustigem, etwas Nettem ab. Doch Johannes hat kein Predigerseminar besucht, er redet nicht um den „heißen Brei“ herum.

Johannes riskiert, dass die Leute auf der Stelle umdrehen und ihn in der Wüste alleine vor sich hin brummeln lassen. Aber weit gefehlt: Die Leute aus Jerusalem und der gesamten Provinz Judäa liefen zu ihm hin und auch die, die an den Ufern des Jordanflusses wohnten. (Matthäus 3,5)

Wie geht das zu?

Die Zeit, in der Johannes und später Jesus von Nazareth unter den Menschen wirkten, war eine Zeit der ausgeprägten Messiaserwartung. Unterdrückt durch die römische Besatzungsmacht, sehnten sich viele Juden nach dem durch die Propheten verheißenen Erlöser. Die Menschen zur Zeit Johannes des Täufers ahnten, dass etwas Gewaltiges geschehen würde.

Sie sind das unverbindliche Säuseln von den Kanzeln leid. Sie sehnen sich nach Orientierung – auch wenn die Botschaft sie um den Schlaf bringt.

  • Advent – Grund genug, sich riesig zu freuen

    Auf den ersten Blick erscheint Johannes als unnachgiebiger, unhöflicher und kauziger Gerichtsprediger.

    Sein ganzes Auftreten, seine Kleidung, sein asketischer Lebensstil machen ihn verdächtig. Alles, was er lebte, steht im völligen Gegensatz zu unseren Vorstellungen von Advent.

    Wer jedoch den Text von hinten her aufzäumt, wird eines Besseren belehrt: Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil. (Lukas 3,18)

    In der genauso richtigen Übersetzung „das Buch“ heißt es: So übermittelte Johannes dem Volk die gute Nachricht von Gott und ermutigte sie mit vielen anderen Worten. (Lukas 3,18)

    Jawohl, sehr ernsthaft redet Johannes den Menschen ins Gewissen, aber seine Botschaft ist dem Wesen nach Heilsbotschaft. Johannes kündigt die Ankunft des Königs an, von dem schon Jesaja berichtete:

    Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst. Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren. (Jesaja 9,5-6)

    Es geht Johannes nicht darum, den Menschen die adventliche Stimmung zu verderben, sondern darum, sie wachzurütteln. Aufstehen sollen sie. Aus den Federn kommen und den neuen König standesgemäß begrüßen.

  • Advent – Grund genug, sich darauf einzustellen

    • Ein gefährlicher Irrtum

      Zunächst und am deutlichsten predigt Johannes denen, die sich für besonders fromm halten, die mit ihrer Frömmigkeit zufrieden sind und sich im Blick auf ihre Zukunft sicher fühlen.

      Und versucht nur nicht, euch damit zu beruhigen, dass ihr sagt: Schließlich ist doch Abraham unser Stammvater! Ich sage euch ganz klar: Gott kann aus diesen Steinen Nachkommen von Abraham erschaffen! (Lukas 3,8)

      Viele der jüdischen Zuhörer verstanden sich als das auserwählte Volk, als die von Gott Bevorzugten. Sie sahen sich als die auserwählten Privilegierten, als diejenigen, die das Heil Gottes in der Tasche hatten.

      „Irrtum“, predigt Johannes. „Seid vorsichtig. Der lebendige Gott ist nicht auf euch angewiesen“.

      Die Botschaft – auf uns heute übertragen – lautet: Eure christliche Sozialisation, eure Kirchenzugehörigkeit macht euch nicht zu Christen.

      Unsere fromme Großmutter, die Mitgliedschaft in einer Kirche, die Taufe oder was immer wir auch auf der religiösen Habenseite verbucht haben, machen uns nicht zwangsläufig zu denen, an denen Gott Gefallen hat.

      Das Heil Gottes gilt denen, die sich von ganzem Herzen nach ihm ausstrecken. Denen ist das Heil verheißen, die Jesus Christus als ihren persönlichen Herrn angenommen haben und ihm nachfolgen.

    • Konkrete Schritte

      Johannes wendet er sich weiteren Personengruppen zu. Plötzlich ändert sich sein Tonfall.

      Während er die Frommen mit heftigen Worten aus dem Kirchenschlaf rüttelt, antwortet Johannes den Fragenden, den Zweiflern, den von den Frommen abgestempelten Sündern seelsorgerlich und barmherzig!

      Seine Antworten auf die Frage „Was sollen wir denn tun?“ zielen auf das absolut Naheliegende. Sind simpel und überraschend konkret.

      Umkehr beginnt mit dem Naheliegenden. Die angemessene Vorbereitung auf den kommenden Christus beginnt für uns damit, dass der Glaube dort Konturen bekommt, wo wir uns bewegen.

      In deinem Beruf, im Umgang mit deinen Vorgesetzten und deinen Untergebenen soll Veränderung stattfinden. In deiner Familie, in deinem Bekanntenkreis soll sich deine Umkehr in der Zuwendung zum anderen zeigen.

      Umkehr beginnt dort, wo wir das Wohl des anderen im Blick behalten, wo die Liebe Gottes ganz praktisch Gestalt gewinnt.

      Was will ich angesichts der Ankunft Jesu, im Umgang mit meinen Mitmenschen ändern? Welche praktischen Konsequenzen hat die Gewissheit, dass der König aller Könige auf dem Weg ist, für mich?

      Lasst uns diesen Fragen nicht ausweichen. Und damit sind wir mitten in der Adventsbotschaft des Apostel Paulus:

      Macht Ernst damit – und das erst recht, weil ihr wisst, was die Stunde geschlagen hat! Es ist Zeit für euch, aus dem Schlaf aufzuwachen. Denn unsere endgültige Rettung ist nahe; sie ist uns jetzt näher als damals, als wir zum Glauben kamen. (Römer 13,11)