predigt-2021-11-07

Predigt: Im Angesicht des Todes – was ist gewiss?

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Datum: 07.11.21
Bibelstelle: 2. Korinther 5,1.6-7; Römer 8,14-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Ist uns wirklich geholfen, wenn wir der Beschäftigung mit dem Tod solange ausweichen, bis wir absolut keine Fluchtmöglichkeiten mehr haben?

Die Bibel rät uns, die Lektion aus Psalm 90,12 zu lernen: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“

Was ist gewiss, womit können wir rechnen? Oder auch: Quo vadis? Wohin gehst du?

  1. Gewiss – ein letzter Umzug steht uns noch bevor

    Es mag sein, dass wir uns in unseren Wohnungen und Häusern geschützt und sicher fühlen. Dennoch: Ein letzter Umzug steht uns allen noch bevor, da gibt es kein Entrinnen.

    Wir wissen ja: Unsere Behausung hier auf der Erde, das Zelt, der Körper, in dem wir wohnen, vergeht. Aber wir besitzen ein Heim, das von Gott kommt, ein Haus, das nicht von menschlichen Händen erbaut wurde, sondern ewig in der Himmelswelt besteht. (2. Korinther 5,1)

    Paulus vergleicht unseren Körper mit einem Zelt, und er setzt diesem Zelt ein Gebäude gegenüber, das von Gott für alle Ewigkeit gebaut wurde.

    Unser Leib, ein Zelt: Da zieht’s an allen Ecken und Enden – und je älter ein Mensch wird, um so größer werden die Zuglöcher.

    Sicher gibt es Zelte mit ganz unterschiedlichem Komfort. Auch im Blick auf unseren Körper sind wir sehr unterschiedlich ausgestattet: Manche kränkeln ihr Leben lang herum, andere wiederum strotzen vor Gesundheit.

    Egal wozu wir gehören, eines Tages wird unser Körper – wie ein Zelt – abgeschlagen. Kein Mensch wird diesem Schicksal entgehen.

    Aber, so Paulus, auf diejenigen, die Jesus Christus nachfolgen, wartet eine neue Wohnung. Das Dasein im Zelt hat ein Ende. Das ständige Unterwegssein hat ein Ende.

    Diese neue, ewige Wohnung kennt keine Zuglöcher mehr. Da braucht es keine Krankenstationen und keine Sterbezimmer mehr, da gibt es keine Tränen und keine Trauer mehr.

    Können wir jetzt und heute schon berechtigt und gewiss darauf hoffen, dabei zu sein? Oder bleibt alles in der Schwebe, das ganze Christsein eine Zitterpartie?

  2. Gewiss – als Söhne und Töchter Gottes bestätigt

    Ja, es ist so: Alle, die dem Geist Gottes erlauben, sie zu leiten, sind die Söhne und Töchter Gottes. Denn ihr habt ja von Gott keine Geisteshaltung bekommen, wie Sklaven sie haben, was zu einem Leben in Furcht führen würde. Sondern ihr habt den Gottesgeist empfangen, durch den ihr als rechtmäßige Söhne und Töchter in seine Familie aufgenommen werdet. Durch diesen Geist rufen wir deshalb auch in unseren Gebeten: Abba, Vater! (Römer 8,14-15)

    Paulus stellt zwei Lebenshaltungen gegenüber: Das Leben mit einem sklavischen Geist und das Leben mit einem kindlichen Geist.

    Worin unterscheiden sich beide? Gar nicht zuerst in dem, was sie tun.

    In dem Augenblick, in dem ein Mensch Christ wird, indem er sein Leben Christus anvertraut, wechselt er seine Zugehörigkeit. Wer zu Christus gehört – wer „in Christus ist“ -, der ist Teil der Familie Gottes.

    Indem Augenblick, indem ein Mensch Christ wird, beginnt der Geist Gottes in ihm zu wirken und die Gottesbeziehung gerät auf eine völlig neue Schiene: Auf geheimnisvolle, auf geistgewirkte Weise verändert sich die Gottesbeziehung von einer Knecht-Chefbeziehung zu einer Sohn/Tochter-Vaterbeziehung.

    Die ständige Angst, den Forderungen Gottes nicht zu entsprechen, hat ein Ende.

    Auch Söhne und Töchter Gottes verstehen manches nicht an Gottes Wegführung. Auch sie werden Lebensabschnitte als Zumutung empfinden – dennoch dürfen sie sich seiner Liebe und Zuwendung sicher sein.

    Gottes Geist stellt alles auf den Kopf. Er bestätigt den Jesusleuten ihre Gotteskindschaft: Genau dieser Gottesgeist bestätigt unserem innersten Geist, dass wir wirklich Kinder Gottes sind. (Römer 8,16)

    Weil Christen Söhne und Töchter Gottes sind, sind sie auch Erben: Wenn wir nun seine Kinder sind, dann sind wir auch seine rechtmäßigen Erben. Wir sind Erben Gottes, Miter-ben des Messias. (Römer 8,17)

    Die Ewigkeit, das ewige Leben oder „den Himmel“ kann sich kein Mensch verdienen, auch nicht die Menschen, die sich, was Moral und Lebensstil angeht, in der Champions League bewegen.

    Diejenigen werden erben, die Söhne und Töchter Gottes sind, diejenigen, die sich das Heilsangebot Gottes gefallen lassen – und das gilt absolut gewiss!

  3. Gewiss – zwischen Glauben und Schauen anfechtbar

    So sind wir jetzt immer guten Mutes. Denn wir wissen, solange wir in unserem Körper beheimatet sind, leben wir in Bezug auf Jesus in der Fremde. Das ist ja so: Wir führen unser Leben im Vertrauen auf Gott und nicht im Schauen. (2. Korinther 5,6-7)

    Wenn wir dem Tod ins Angesicht blicken, was sehen wir?

    Wir sehen, wie hart und elend gestorben wird. Trotz aller medizinischen Möglichkeiten ist Sterben auch in unserem modernen Zeitalter kein Kinderspiel. Wenn wir dem Tod ins Angesicht sehen, dann sehen wir Elend und Schmerzen.

    Wir sehen, wie auch Christen oft angefochten sind, wie sie zerrissen werden zwischen der Freude, endlich bei ihrem Vater im Himmel zu sein, und der Angst vor den letzten Augenblicken.

    Noch leben wir als Nomaden in unserer Zeltbehausung, wir spüren die eisige Kälte der Vergänglichkeit.

    So gewiss Jesusleute sich freuen dürfen auf ihre ewige Wohnung bei Gott, so gewiss sie sich als Söhne und Töchter Gottes verstehen dürfen und mit dem Erbe rechnen, so gewiss wird es auch Stunden und Tage der Anfechtung geben.

    Wenn der Glaube in die Krise gerät, dann sind wir angewiesen auf Brüder und Schwestern, die uns des Heils vergewissern, die uns das Heil auf den Kopf zusagen.

    Dabei stellen sich zwei Fragen:

    • Will ich Hilfe annehmen?

      Nicht wenige Christen haben Angst, dass sie vor anderen ihr Gesicht verlieren könnten. Aus diesem Grunde verkriechen sie sich in ihr Schneckenhaus und lassen niemanden an sich heran.

      Hin und wieder beschweren sie sich, dass sich niemand um sie kümmert – aber sie sind nicht bereit, offen über ihre Nöte zu sprechen.

    • Bin ich bereit, die Last meiner Geschwister mitzutragen?

      Das ist nicht immer ganz einfach: Wir werden in unserem Alltagstrott unterbrochen und oft völlig unvorbereitet mit dem Elend des anderen konfrontiert.

      Will ich den anderen und seine Not an mich heranlassen?

    Machen wir uns nichts vor: Anfechtungen und Glaubenszweifel sind Teil unserer Christusnachfolge. Und genau deshalb sind wir Gemeinde, dass einer den anderen mitschleppt, durchschleppt.

    Gemeinde Jesu ist somit eine „Schlepperbande“. Durchschleppen, bis die Schlepperei ein Ende hat und wir in Gottes ewiger Wohnung unser Zuhause finden.