predigt-2021-10-31

Predigt: Das eine Heil für die ganze Welt

Wiederentdeckungen – Auf der Suche nach den verborgenen Schätzen der Gemeinde/Teil 5

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Datum: 31.10.21
Bibelstelle: Jesaja 49,1-6
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Ein modernes Gleichnis beschreibt, wie sich eine Seenot-Station für Schiffbrüchige zu einer Art Clubhaus verwandelte, deren Mitglieder sich mehr und mehr weigerten, auszufahren und Menschen in Seenot zu bergen.

Ein paar Mutige, die den Standpunkt vertraten, dass Lebensrettung ihre vorrangige Aufgabe sei, trennten sich von ihnen und begannen eine neue Seenot-Station aufzubauen. Aber auch diese ereilte nach einiger Zeit dasselbe Schicksal.

So entstanden längs der Uferstraße eine beträchtliche Reihe exklusiver Clubs. Immer noch wird die Küste vielen Schiffbrüchigen zum Verhängnis – die meisten von ihnen ertrinken …

Ist das die Geschichte der Kirche, die Geschichte der Gemeinde In Jesu in Mitteleuropa?

In den 80zigern machte ein amerikanischer Missionstheologe namens Charles Peter Wagner die Entdeckung, dass die erfolgreichste Form von innerer und äußerer Mission in der Gründung von neuen Gemeinden liegt. Seitdem wurden viele neue Gemeinden gegründet.

Heute – nach 40 Jahren erfolgreicher und zahlreicher Gemeindegründungen – stellen wir mit Ernüchterung fest, dass etliche der Gemeinden, also Gemeinden der 2. Generation, ihren Auftrag vergessen haben.

Die Fragestellung hat sich verschoben:

  • Früher: „Wie können wir dazu beitragen, dass Menschen das Evangelium von Jesus Christus hören?“
  • Heute: „Wie können wir das Gemeindeleben so angenehm gestalten, dass uns die Gemeindeglieder nicht weglaufen?“
  1. Die Bestimmung

    Er hat zu mir gesagt: „Israel, du bist mein Diener. An dir will ich meine Herrlichkeit zeigen.“ (Jesaja 49,3)

    Da geht einer nichtsahnend seinen Weg – und plötzlich steht da einer vor ihm und sagt: „Mein Diener bist du.“

    Die Zeit, in die dieses Wort gesagt wurde, war nicht gerade die Glanzzeit Israels. Israel hatte seinem Gott den Rücken gekehrt, infolge dessen seine Kraft eingebüßt und war zumindest zum Spielball der Weltmächte geworden.

    In diese dunkle Zeit – die Zeit der babylonischen Gefangenschaft und auch die harte Zeit danach – offenbart Gott seine Sicht der Dinge:

    • Du Israel, du bist nicht vergessen.
    • Mein Diener bist du – immer noch! Trotz allem! Ich habe dich nicht ausgemustert!
    • Du hast mir immer wieder den Rücken gekehrt – ich kehre dir den Rücken nicht zu.

    „An dir will ich meine Herrlichkeit zeigen.“ – Was bedeutet diese Zusage für uns als Gemeinde?

    • Wir sind Diener des einen Gottes. Er hat seine Hand auf uns gelegt.
    • Wir leben unter göttlicher Bestimmung.
    • Der lebendige Gott wird und will an uns sichtbar werden.
  2. Der weltumspannende Auftrag

    Er spricht zu mir: „Du sollst nicht nur die zwölf Stämme Israels wieder zu einem Volk vereinigen und die Überlebenden zurückbringen. Dafür allein habe ich dich nicht in meinen Dienst genommen, das wäre zu wenig. Nein – ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt!“ (Jesaja 49,6)

    Damals hatte jedes Volk seine speziellen Gottheiten und seine besonderen religiösen Riten. Mit der Gottesoffenbarung im Alten Testament bringt Gott Unordnung in diese Vorstellung: Dies alles habt ihr gesehen, damit ihr erkennt: Der HERR allein ist Gott; es gibt keinen außer ihm. (5. Mose 4,35)

    Der Gott, der Israel als Missionsvolk erwählt hat, offenbart sich gleichzeitig als der eine, der Schöpfergott. Der Gott, der sich uns in der Bibel offenbart, ist nicht einer von vielen. Er reiht sich nicht ein in eine Reihe von Gottheiten.

    Der sogenannte „Interreligiöse Dialog“ ist wichtig, damit ein gutes Miteinander der Menschen möglich ist. Wir müssen aufeinander hören und respektvoll miteinander umgehen. Bei allem Respekt aber gegenüber der Religiosität anderer, werden wir dennoch, ohne Überheblichkeit, am Absolutheitsanspruch des in der Bibel offenbarten Gottes festhalten.

    Die Juden in Babylon waren Vertriebene. Aber dorthin, wo man sie umgesiedelt hatte, fühlten sie sich nicht wirklich zuhause.

    Der Auftrag Gottes an Jesaja lautet: „Du sollst nicht nur die zwölf Stämme Israels wieder zu einem Volk vereinigen und die Überlebenden zurückbringen. Dafür allein habe ich dich nicht in meinen Dienst genommen, das wäre zu wenig …“

    „Es ist zu wenig!“ – Gemeinde, der es ausschließlich darum geht, es sich bequem zu machen, fällt unter das göttliche Urteil: Zu wenig – ungenügend!

    Die letzten Worte, die Jesus vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern spricht, zielen in die gleiche Richtung wie der heutige Predigttext:

    Jesus trat auf sie zu und sagte: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Matthäus 28,18-19)

    Gottes Herz schlägt für die Völker, für die Menschen, die keine persönliche Gottesbeziehung kennen. Gottes Herz schlägt für die Menschen, die Gottes Rettungsangebot durch Jesus Christus nicht kennen. Gott will Mission!

    „Nein – ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt!“ Mit diesem Vers leuchtet plötzlich der Gottesknecht auf, der Christus Gottes: Bisher endete Gottes Heilsgeschichte in Israel – jetzt wird die ganze Welt mit einbezogen.

    Als Jesus Christus den Erdboden betritt, als er am Kreuz von Golgatha stirbt, da gilt sein Rettungswerk nicht Israel allein. Es gilt allen Menschen zu allen Zeiten:

    Jesus sagte: „Ich selbst bin das Licht der Welt. Jeder, der mir folgt, wird nicht in der Dunkelheit herumirren. Nein, er wird das Licht des Lebens haben!“ (Johannes 8,12)

    Weil Christus das Licht der Welt ist, deshalb sind wir als Gemeinde herausgefordert, dieses Licht in der Welt zum Leuchten zu bringen.

    Mission heißt: Über Zäune steigen, Brücken bauen, kulturelle Unterschiede überschreiten, damit Menschen Jesus Christus kennenlernen können.

Der Prophet Jesaja damals im Alten Bund und wir heute als Christen im Neuen Bund sind beauftragt, in Gottes Mission mit einzusteigen. Du bist berufen, in Gottes Mission deinen ganz eigenen, deinen Gaben und Fähigkeiten angemessenen Beitrag zu leisten.