predigt-2021-10-17

Predigt: Wenn Gott handelt und die Gemeinde es nicht glauben kann

Wiederentdeckungen – Auf der Suche nach den verborgenen Schätzen der Gemeinde/Teil 3

Zur Predigtübersicht

Datum: 17.10.21
Bibelstelle: Apostelgeschichte 12,1-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Als bisher wenig beliebter Herrscher, wollte Herodes Agrippa auf der Beliebtheitsskala punkten. Und tatsächlich, nachdem Jakobus hingerichtet und Petrus eingesperrt ist, schießen seine Beliebtheitswerte geradezu in die Höhe. Das Schicksal des Petrus scheint besiegelt. Ab jetzt sind seine Stunden gezählt.

Am vergangenen Sonntag ging es um die grundsätzliche Bedeutung des Gebetes: Was ist das Besondere am Gemeindegebet? Warum macht es Sinn, diesen Schatz wieder zu heben? Könnten wir es nicht einfach lassen? Ist das Gebet eines Einzelnen nicht genauso wirkmächtig wie das gemeinsame Gebet?

Es ging um die Frage nach der besonderen Wirkungsmacht gemeinsamen Gebets. Um die Souveränität Gottes und um eine erste Gebetserhörung: Eingehüllt und geborgen im Frieden Gottes kann Petrus schlafen.

Heute geht es um weitere Abschnitte des Bibeltextes – und wieder wird dabei das Gebet im Fokus stehen: Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Gleichzeitig betete die Gottesgemeinde ununterbrochen für ihn zu Gott. (Apostelgeschichte 12,5)

„Die Gemeinde betet ununterbrochen für ihn.“ – Was hat das konkret bedeutet? Worum haben sie gebetet?

  • Haben sie für die Befreiung des Petrus gebetet?
  • Haben sie dafür gebetet, dass Petrus dem Druck aushalten kann und seinem Glauben nicht abschwören würde?
  • Haben sie dafür gebetet, dass Petrus im Gefängnis seinen christlichen Glauben bezeugen kann?

Während die Gemeinde betet, passieren in der Gefängniszelle wundersame Dinge: Eine Bote Gottes taucht auf und weckt Petrus. Wie ein Kind, dass aus dem Tiefschlaf geweckt wird, muss ihm der Bote Gottes sagen, was zu tun ist.

Am Ende findet sich Petrus allein und völlig von der Rolle in einer Gasse wieder. Erst ganz langsam begreift er, dass der Bote Gottes keine Vision und seine Befreiung kein schöner Traum waren.

Während die Christen beten, ist Petrus schon auf dem Weg zu ihnen …

Petrus klopfte an die Tür des Haustors. Da kam eine Hausangestellte namens Rhode herbei, um zu öffnen. Als sie die Stimme von Petrus erkannte, vergaß sie vor lauter Freude das Tor zu öffnen, und rannte zurück ins Haus und berichtete, dass Petrus vor dem Tor stehe. Da sagten sie zu ihr: „Du bist verrückt!“ Doch sie beteuerte, dass es wirklich so ist. Darauf sagten sie: „Dann ist es vielleicht sein Engel!“ Petrus klopfte in der Zwischenzeit immer weiter. Als sie dann die Tür öffneten, sahen sie ihn und gerieten völlig außer sich. (Apostelgeschichte 12,13-16)

Was für eine völlig verrückte Situation! Petrus stört mit seinem Geklopfe die Jünger beim Beten. Rhode, die Hausangestellte, läuft zu den betenden Jüngern und stört die Gebetsgemeinschaft.

Und die Beter? Statt wie wild aufzuspringen und die Tür zu öffnen, löst die Nachricht der Haushälterin eine theologische Diskussion aus.

Wenn Gott wundersame Dinge tut, dann beginnen Menschen nach Erklärungen zu suchen. Es muss für den klopfenden Mann da draußen vor der Tür eine halbwegs vernünftige Erklärung geben.

„Petrus klopfte in der Zwischenzeit immer weiter.“

Man sollte annehmen, die versammelten Beter müssten nach ihrem beharrlichen Gebet geradezu darauf gewartet haben, dass sich die Tür öffnet und Petrus hereintritt. Nichts davon wird berichtet. Eine eigenartige Zwiespältigkeit, wenn es um das Gebet geht.

Die Jünger beten gemeinsam und unentwegt. Die Jünger stützen und ermutigen sich beim Beten gegenseitig. Dennoch, als Petrus vor der Tür steht, wollen sie es nicht glauben. Als die großen Glaubenshelden erweisen sich die Jünger nicht.

Aber – und das ist die frohe Botschaft heute Morgen:

  • Der lebendige Gott verachtet ihr zweifelndes, schwaches Gebet nicht.
  • Der lebendige Gott kennt die Zerrissenheit in unseren Herzen und lässt sich unsere Gebete dennoch zu Herzen gehen.

Ein Christ aus Indien wird gefragt: „Warum werden bei euch so viele Menschen durch Gebet geheilt? Bei uns in Deutschland erfahren wir das nicht so häufig.“ Seine Antwort: „Wir haben nur Jesus.“

Mir wird bewusst, dass es bei uns anders ist: Wir haben – neben Jesus – Ärzte, Hospitäler, Krankenversicherungen, Apotheken und die medizinische Wissenschaft. Unsere Ärzte benehmen sich nur deshalb als Halbgötter in Weiß, weil wir sie zu unseren modernen Priestern gemacht haben.

Beten wir Christen in den Fragen von Krankheit und Gesundheit die Medizin an? Warum haben wir Christus, der stärker ist als die Mächte der Krankheit und des Todes, bei uns so klein gemacht, dass er bestenfalls noch als letztes Mittel in unsere Hausapotheke passt?

Die Jünger erleben, wie Gott ihre Gebete erhört – und reagieren mit Fassungslosigkeit. Jetzt wäre es an der Zeit, den Sekt aus dem Kühlschrank zu holen und die Party steigen zu lassen. Stattdessen:

Nachdem er sie mit Handzeichen zur Ruhe gebracht hatte, berichtete er ihnen, wie Jesus, der Herr, ihn aus dem Gefängnis herausgeholt hatte. Dann sagte er: „Erzählt das dem Jakobus und den anderen Geschwistern!“ Dann ging er aus dem Haus fort und zog sich an einen anderen Ort zurück. (Apostelgeschichte 12,17)

Danach meldet sich Petrus noch ein einziges Mal zu Wort, bei einer wichtigen theologischen Frage während des sogenannten Apostelkonzils. Dann verschwindet er völlig unspektakulär aus der biblischen Berichterstattung. Es gibt keinen Hype um Petrus.

Die Gemeinde hat gemeinsam und anhaltend gebetet. Gott hat in seiner Art über menschliches Bitten und Verstehen hinaus gehandelt. Am Ende gehört ihm allein die Ehre und Anbetung. ER ist der souveräne Herr und gleichzeitig der Vater, der sich die Gebete seiner Kinder zu Herzen nimmt:

Bittet Gott! Und er wird euch beschenken. Sucht! Und er wird euch finden lassen. Klopft an! Und Gott wird euch seine Türen öffnen. (Matthäus 7,7)