predigt-2021-10-10

Predigt: Wenn die Gemeinde betet und Petrus schläft

Wiederentdeckungen – Auf der Suche nach den verborgenen Schätzen der Gemeinde/Teil 2

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Datum: 10.10.21
Bibelstelle: Apostelgeschichte 12,1-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

In vielen Gemeinden sind Gebetsveranstaltungen die Sorgenkinder, die am wenigsten besuchten Veranstaltungen.

Wo es schon vor Corona oft nicht die Massen in die Gebetsgruppen getrieben hat, haben wir erleben müssen, dass die Coronaeinschränkungen dem Gemeindegebet oft den Rest gegeben haben.

Wie können wir den „verborgenen Schatz“ des Gemeindegebetes wieder neu entdecken?

Was ist das Besondere am Gemeindegebet? Warum macht es Sinn, diesen Schatz wieder zu heben? Reicht es nicht aus, für sich allein zu beten?

War Jesus nicht derjenige, der das Gebet aus der Öffentlichkeit in den Privatbereich, ins „stille Kämmerlein“, verbannt hat: Wenn du also beten willst, geh in eine Abstellkammer in deinem Haus und schließ dann die Tür hinter dir zu. Dort kannst du mit deinem Vater im Gebet sprechen. (Matthäus 6,6)

Jetzt wäre doch eigentlich zu erwarten gewesen, dass Jesus dem Beter in der Abstellkammer ein persönliches Gebet vorgeschlagen hätte: „Mein Vater im Himmel … Gib mir heute mein tägliches Brot …“

Stattdessen führt uns das „Vaterunser-Gebet“ aus der Abstellkammer heraus in die Gemeinde: „Unser Vater im Himmel … Unser tägliches Brot gib uns heute …“

Beide Formen des Gebets stehen demnach unter der Verheißung und dem besonderen Wohlwollen Gottes.

Wenn du dein Gebet gebrauchst, um Eindruck zu schinden: Ab mit dir in die Abstellkammer. Da bist du mit deinem Gebetsleben gut aufgehoben. Wenn du deine Lektion in der Abstellkammer gelernt hast, dann suche deine Geschwister, um mit ihnen zusammen zu beten.

Heute geht es mir um das gemeinsame Gebet, um das Gebet im Gottesdienst, im kleinen Kreis eines Hauskreises und um das Gebet zweier oder dreier Beter, die füreinander beten.

Ein Beispiel für das gemeinsame Gebet wird uns in Apostelgeschichte 12 berichtet, als Petrus gefangen genommen wird und die Gemeinde zusammenrückt: Gleichzeitig betete die Gottesgemeinde ununterbrochen für ihn zu Gott. (Apostelgeschichte 12,6)

In einer Liedstrophe heißt es: „Gebet bewegt Gottes Arm.“ Wenn wir diese Formulierung wortwörtlich nehmen, dann wäre Gott wie eine Marionette, und unsere Gebete wären die Fäden, an denen diese geführt wird – und wir wären die Puppenspieler.

Doch warum musste dann Jakobus als Märtyrer sterben (Apostelgeschichte 12,2)? Hatten die Gemeinde nicht genug gebetet?

Wir ahnen, wie wenig zielführend diese Überlegungen sind. Bei allen unseren Gebeten bleibt der Gott, der uns in der Bibel vorgestellt wird, der souveräne Herr. Ihm dürfen wir unsere Anliegen vortragen – aber wie, wann und ob er handelt, ist allein sein Ding.

Das gemeinsame Gebet ist keine Methode, um einen lahmen Gott in Bewegung zu setzen. Aber: Das gemeinsame Gebet ist sehr wohl dazu angetan, Gottes väterliches Herz zu berühren. Der große heilige Gott lässt sich bitten:

Bittet Gott! Und er wird euch beschenken. Sucht! Und er wird euch finden lassen. Klopft an! Und Gott wird euch seine Türen öffnen … Ihr Menschen seid ja von Bosheit geprägt. Dennoch seid ihr in der Lage, für eure eigenen Kinder zu sorgen und ihnen Gutes zu tun. Um wie viel mehr wird euer Vater, der über allem thront, denen wirklich gute Dinge schenken, die ihn darum bitten! (Matthäus 7,7+11)

Hier ist das Gebet kein Weckerklingeln, um einen schlafenden Gott aus dem Schlaf zu wecken und zum Handeln zu bewegen.

Hier ist das Gebet die respektvolle, aber dringliche Bitte, dass Gott handelt. Wie sein Handeln im Einzelnen aussehen wird, bleibt offen.

„Um wie viel mehr wird euer Vater, der über allem thront, denen wirklich gute Dinge schenken, die ihn darum bitten!“ Längst nicht alles, was wir von Gott erbitten, muss wirklich gut sein.

Die Gemeinde betet und Petrus schläft: In der Nacht, bevor Herodes ihn zur Anklage vorführen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, an die er mit zwei Ketten gefesselt war. (Apostelgeschichte 12,6)

Stell dir vor, du bist wie Petrus ein junger Mann und hast eine Familie zu versorgen: Jetzt bist du gefangen und hast den Tod vor Augen. Ob du Schlaf finden würdest? Vielleicht wälzt du dich von einer Seite auf die andere und machst dir Sorgen. Vielleicht kniest du vor deinem Bett und schreist verzweifelt zu deinem Gott.

Die erste Antwort auf das Gebet der Gemeinde scheint mir der Schlaf des Petrus zu sein: In seiner schwierigen Lage ist er eingewickelt in den Frieden Gottes! Petrus kann schlafen, weil er sich sicher ist, dass Gott am Werk ist.

Wenn Gemeinde anfängt zu beten, wenn sie näher an Gottes Herz heranrückt – dann wird sie ihr „blaues Wunder“ erleben.