predigt-2021-08-15

Predigt: In die Wüste geschickt, bewährt und bewahrt – Wüste(n) Zeiten/Teil 2

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Datum: 15.08.21
Bibelstelle: 2. Mose 2,23-27; 1. Mose 21,14-20; 1. Petrus 1,5-7
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Morgens um 7 Uhr beginnt der wohl härteste Triathlon, der „Ironman auf Hawaii“, mit 3,8 km Schwimmen, dann folgen 180 km Radfahren und danach erholen sich die Sportler bei einem Marathon auf der „schlappen“ Distanz von 42 Kilometern …

Die Nachfolge von Jesus, das Leben mit ihm und in seiner Spur, gleicht in gewisser Weise einem Triathlon, einer Langstreckendiziplin.

Darum begleiten das Glaubensleben auch nicht Aufforderungen wie „Macht’s euch bequem!“ oder „Lasst es euch gut gehen!“, sondern: Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld (Ausdauer) aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. (Hebräer 10,35-36)

  1. Zwischen „Mara“ und „Elim“

    Dann kamen sie nach Mara. Dort gab es Wasser, aber man konnte es nicht trinken, weil es bitter war. Deshalb hatte der Ort auch den Namen Mara, Bitterwasser … Dann kamen sie nach Elim. Dort am Wasser schlugen sie ihr Lager auf. In Elim gab es nämlich zwölf Quellen und siebzig Palmbäume. (2. Mose 15,23.27)

    Wüste(n) Zeiten empfangen wir nicht mit offenen Armen. Zeiten der Dürre, der Entbehrung, Lebensabschnitte, in denen wir uns von mühsam von Tag zu Tag durchschleppen, machen absolut keinen Spaß.

    Damals, als der Druck durch den ägyptischen Staat immer größer wurde, hatten die Juden nur eine Sehnsucht: Lieber Gott, hol uns hier raus! Damals hatten sie staunend erleben dürfen, wie Gott ihnen den Weg in die Freiheit gebahnt hatte.

    Aber zwischen Ägypten und dem Ort, „an dem Milch und Honig fließt“, lag die Wüste. Da ist es mit der Begeisterung schnell zu Ende. An Orten wie „Mara“, dort, wo es anscheinend nur Bitterwasser zu trinken gibt, neigen Menschen dazu, hektisch nach einem Sündenbock zu suchen.

    Mose bekommt den Unwillen seines Volkes zu spüren. „Mose schrie zu Jahwe“ (2. Mose 15,25) – und Jahwe lässt sich bitten. Das ungenießbare Wasser wird genießbar. Gott lässt sein Volk in der Wüste nicht verdursten: Auf ein „Mara“ folgte während der Wüstenwanderung ein „Elim“. Zwölf Wasserquellen und siebzig Dattelpalmen symbolisieren Wohlstand und Fülle. Sie stehen für überfließendes Leben.

    Nachfolge bewegt sich immer wieder zwischen „Mara“ und „Elim“: Auf der Langstrecke des Glaubens haben wir Abschnitte, in denen die Beine schwer werden und wir uns von Schritt zu Schritt quälen – und es hat Zeiten, in denen wir die Strecke in vollen Zügen genießen.

    Nachfolge Jesu heißt, sich auf die Langstrecke einzulassen, auf die Wüste, in der es sowohl Oasen hat, aber eben auch Trockenperioden.

  2. In die Wüste geschickt

    Wir können von Menschen „in die Wüste geschickt werden“.

    Abraham schickt seinen erstgeborenen Sohn Ismael und dessen Mutter Hagar in die Wüste. Die beiden müssen die Suppe auslöffeln, die ihnen der große Glaubensvater eingebrockt hat (1. Mose 21,14-20).

    Vielleicht kennt ihr ähnliche Situationen in eurem Leben, in denen ihr das Gefühl hattet, „in die Wüste geschickt worden“ zu sein: Abgeschoben, alleingelassen, isoliert, zum Sündenbock gemacht, ausgesetzt, von anderen im Stich gelassen, in die menschliche Beziehungswüste geschickt – das sind bittere Erfahrungen, die uns oft ein Leben lang begleiten und schmerzen.

    Keine Lage, so lesen wir, ist so hoffnungslos, dass sie Gott entgleiten könnte. Der lebendige Gott greift ein:

    • Gott gibt den beiden „in die Wüste Geschickten“ eine neue Perspektive: Die Zukunft steht ihnen offen. Sie werden nicht elendig verdursten.
    • Gott gibt einen gottgeschenkten Durchblick: In ihrer Hoffnungslosigkeit hatte Hagar den Blick für die vorhandenen Wasserbrunnen verloren. Das Wasser war da, das Überleben gewährleistet – nur konnte sie es in ihrer Verzweiflung nicht mehr wahrnehmen.

    An dieser Stelle sind die Seelsorge und auch der Segnungsdienst herausgefordert. Dafür sind wir als Jesusleute zueinander gestellt, dass wir einander in der Wüste helfen, eine neue Perspektive zu gewinnen.

  3. In der Hitze bewährt und bewahrt

    Es hat im Leben Zeiten, in denen der Glaube „bewährt“ wird. Wüstenzeiten können, dazu dienen, dass der Glaube eine neue Qualität bekommt:

    Doch dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als das vergängliche Gold, das ja auch durch Feuer geprüft wird. (1. Petrus 1,7)

    Der Begriff der „Bewährung“ stammt von „wahr“ oder auch „echt“.

    Damit Gold als verlässliche Währung genutzt werden konnte, musste es „bewährt“ werden: Dazu wurde es solange erhitzt, bis es sich verflüssigte. Das schwere Gold sank dabei nach unten, die Schlacke, dass Minderwertige kam nach oben, wurde sichtbar und konnte entfernt werden.

    Es hat Zeiten, in denen Gott seinen Kindern Lebensführungen zumutet, in denen der Glaube bewährt, gereinigt und vertieft wird.

    Das geschmolzene Gold kann nicht verbrennen. Es wird erhitzt – bewährt, gereinigt –, aber es verbrennt nicht. Der lebendige Gott ist in meinem Leben am Werk: bewährend und heilend – aber niemals zerstörerisch.

    Und weil ihr an ihn glaubt, wird Gott euch durch seine Macht für die Rettung bewahren. (1. Petrus 1,5)

    Wir alle sind Gottes Werk: in Wüstenzeiten und in Zeiten, in denen wir aus dem Vollen schöpfen können. Wir sind in seiner Hand, an Orten wie Elim und an Orten wie Mara – und auf all den langen Wegstrecken, die dazwischen liegen.