predigt-2021-07-18

Predigt: Zurück zur Mitte

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Datum: 18.07.21
Bibelstelle: 1. Korinther 3,1-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Zurück – Auf den ersten Blick verbinden die meisten von uns vermutlich mit dem Begriff „zurück“ eher Unangenehmes: Rücktritt, Rückstand, Rückzug, Rückschlag.

Der Begriff „Zurück“ hat aber auch positive Aspekte: Rückvergütung, Rückkehr, zurück nach Hause.

Mit dem heutigen Bibeltext werden wir eingeladen, von einem falschen Weg umzukehren. Zurück soll es gehen. Dorthin, wo Rettung, Leben und Zukunft zu finden sind. Zurück zu Jesus – zurück zu unserer eigentlichen Berufung als „Heilige“.

  1. Zurück zur Mitte – die Mitte wieder neu in den Blick bekommen

    Um zur Mitte zurück zu finden, muss ich sie entdeckt, wahrgenommen, gefunden haben. Ohne zu wissen, wo die Mitte zu finden ist, wäre der Weg zurück eine Wanderung im Nebel.

    Die Briefe im Neuen Testament sind Botschaften an die jungen Christengemeinden. Nun sollte man meinen, dass diese Gemeindeglieder, eben noch begeistert von Jesus und erfüllt mit dem Heiligen Geist, keine Probleme mit der Mitte hatten.

    Irrtum: Schon in der jungen Kirche gab es Zeiten, in denen die Christen vergessen hatten, wozu sie berufen waren. Wie im Nebel schien die Mitte immer mehr zu verschwimmen.

    Wer die Mitte verliert, wer vergessen hat, wozu er erlöst und wiedergeboren ist, der lebt zunehmend selbstbezogen.

    In Korinth, einer ausgesprochen quirligen Gemeinde, in der viel vom Heiligen Geist gesprochen wurde, gab es zwischen den Christen mächtige Grabenkämpfe. Paulus quittiert den Korinthern die geistliche Reife von Kleinkindern:

    Allerdings konnte ich mit euch, liebe Geschwister, nicht wie mit geistlich reifen Menschen reden. Ihr habt euch von den Vorstellungen und Wünschen eurer eigenen Natur bestimmen lassen, so dass ihr euch, was euren Glauben an Christus betrifft, wie unmündige Kinder verhalten habt. (1. Korinther 3,1)

    Euer Glaube ist nicht vertrauensvoll kindlich, ganz auf Gott ausgerichtet. Sondern ihr verhaltet euch kindisch, trotzig wie ein Kleinkind. Ihr seid aus dem Prozess, das neue Leben zu gestalten, ausgestiegen.

    Gottes Geist ist da – aber er bestimmt eure Nachfolge schon lange nicht mehr:

    … denn ihr lasst euch immer noch von eurer eigenen Natur bestimmen. Oder wird euer Leben etwa vom Geist Gottes regiert, solange noch Rivalität und Streit unter euch herrschen? Beweist ein solches Verhalten nicht vielmehr, dass ihr euch nach dem richtet, was unter den Menschen üblich ist? (1. Korinther 3,3)

    Statt im Glauben zu wachsen, habt ihr euch zurückentwickelt. Statt den Unterschied zu machen, habt ihr euch dem Verhalten eurer christusfernen Mitbürger angepasst.

    Die große Versuchung der christlichen Kirchen besteht im unmerklichen Verlust der Mitte. Wenn die erste Begeisterung vorbei ist, wenn die ersten faulen Kompromisse geschlossen sind, wenn Vergebung gewöhnlich wird – dann zieht langsam der Nebel auf, dann ist die Mitte immer schwieriger zu orten.

    Es ist also Gottes Werk, an dem wir miteinander arbeiten, und ihr seid Gottes Ackerfeld; ihr seid Gottes Bauwerk. Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus. (1. Korinther 3,9.11)

    Klarer lässt sich die Mitte nicht bestimmen. ER, Christus ist die Mitte – er ist das Fundament, um ihn allein hat es sich zu drehen – auf ihn allein sind wir gebaut. Meine Gemeinde ist immer zuerst seine Gemeinde – sein Bauwerk.

  2. Zurück zur Mitte – Umkehr zu Christus und unter die Herrschaft des Heiligen Geistes

    „Dieses Fundament ist Jesus Christus.“ Geistliches Leben hat es immer mit der Person Jesus von Nazareth zu tun.

    Die Basis der Kirche ist kein theologisches Lehrgebäude, keine formale Zustimmung zu einem christlichen Bekenntnis, sondern die lebendige Beziehung zur Person des auferstandenen Christus.

    Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass Gottes Geist in eurer Mitte wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, zerstört sich damit selbst, weil er Gottes Gericht über sich bringt. Denn Gottes Tempel ist heilig, und dieser heilige Tempel seid ihr. (1. Korinther 3,16-17)

    Paulus beschreibt zwei Wirklichkeiten:

    • Wenn die Korinther nicht umkehren, dann ist es schlecht um sie bestellt. Wenn die Streitereien und Parteiungen in der Gemeinde nicht ein für alle Mal ein Ende haben, dann wird die Gemeinde ihre Wirksamkeit einbüßen.
    • Diese Gemeinde, die sich selbst das Leben schwer macht, ist dennoch die erlöste Gemeinde. Sie ist die Gemeinschaft der Heiligen, der Tempel des Heiligen Geistes, weil sie trotz aller Mangelhaftigkeit Gott gehört und zum Gottesdienst bestimmt ist.

    Die Gemeinde Jesu ist – trotz ihres Versagens, trotz ihrer Sünde – eine Gemeinschaft von Heiligen.

    Wir sind immer Gerechter und Sünder zugleich. Du bist erlöst und befreit zu einem neuen Leben in Heiligung – und gleichzeitig zu jeder Sünde fähig – und auf die Vergebung von Jesus Christus angewiesen.

    Die gute Nachricht am Ende lautet: Es gibt ein Zurück! Wir haben es mit einem gerechten und treuen Gott zu tun, der uns durch Jesus Christus den Weg zurück gebahnt hat:

    Wenn wir jedoch im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben. (1. Johannes 1,7-9)