predigt-2021-06-27

Predigt: Was es mit den guten Werken auf sich hat

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Datum: 27.06.21
Bibelstelle: Epheser 2,10
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2,10)

„Wir sind Gottes Werk!“ – Jeder Mensch, der auf dieser Welt geboren wurde, ist Gottes Werk – von Gott geschaffen und geliebt.

„Wir sind Gottes Werk!“ – Im Zusammenhang des heutigen Briefabschnittes geht es um etwas anderes. Wir Christen können allein deshalb glauben, weil Gott bei uns zu Werke war: Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht. (Epheser 2,4-5)

Wir sind als „neue Menschen“ nicht deshalb vom Tod zum Leben durchgedrungen, weil wir uns durch unsere guten Taten nach oben gegraben hätten. Du bist mit Christus lebendig gemacht, weil Gott bei dir durch Christus zu Werke war.

Als Werk Gottes bist du befähigt und berufen, am Werk zu sein. Zu „guten Werken“ sind Christen geschaffen – oder besser: wiedergeboren. Nachfolger von Jesus sind geboren, um Gottes Shalom, sein Heil in Wort und Tat, an den Mann und die Frau zu bringen.

Bei den Dingen, zu denen wir geschaffen sind, sind wir richtig gut. Die Kirche Jesu ist gut in und zu „guten Werken“, und deshalb soll sie sie ausüben.

Wir haben keinen Anlass, Missstände in der Kirche herunterzuspielen, zu vertuschen oder gar zu leugnen. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass es keine Bewegung gab, die die Welt weitreichender und nachhaltiger zum Guten verändert hat als die christliche Kirche – als Menschen, die bereit waren, in den Werken zu wandeln, die Gott ihnen vorbereitet hatte.

Zachäus ist ein Beispiel dafür, wie ein Mann durch seine Begegnung mit Jesus zu seiner Urbestimmung findet – und wie radikal diese Begegnung sein Leben umkrempelt: Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. (Lukas 19,8)

Der Bericht über die Begegnung zwischen Jesus und dem Zollbeamten Zachäus zeigt, wie tiefgreifend ein Leben verändert wird, wenn Gottes Geist am Werk ist.

Bisher hatte Zachäus immer zu wenig: zu wenig Anerkennung, zu wenig Wertschätzung, zu wenig Lebensanteile, zu wenig materielle Sicherheiten. Jetzt, mit einem Mal, hat er mehr als genug.

Durch die kurze, aber eindrückliche Begegnung mit Jesus hat sein Leben einen so überragenden Mehrwert bekommen, dass es ihm möglich ist, seinen Besitz zu teilen – ohne dabei das Gefühl zu haben, etwas zu verlieren.

Alle guten Werke, und das scheint mir das Geheimnis des Zachäus und der Christen der frühen Kirche zu sein, erwachsen nicht aus einem äußeren Zwang, sondern werden geboren in einem Klima der Dankbarkeit und der Freiheit.

Es ist die Dankbarkeit gegenüber der Barmherzigkeit Gottes, die in Jesus Christus einer verlorenen Welt das Heil anbietet. Und es ist die Freiheit, die entsteht, wenn der Heilige Geist die alten Fesseln zerschneidet, ein Leben füllt – und neu belebt.

Die „guten Werke“ der frühen Kirche waren Ausdruck einer „begeisterten“ Jesusnachfolge.

Im Hebräerbrief ermutigt der Schreiber die Christen, in ihren „guten Werken“ nicht nachzulassen und zeigt dabei zwei weitere Schwerpunkte christlichen Engagements, nämlich Gastfreundschaft und die Sorge um diejenigen, die wegen ihres Glaubens gefangen waren:

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt. (Hebräer 13,1-3)

Ein weiterer Aspekt frühchristlichen diakonischen Handels war die Sorge um einen finanziellen Ausgleich zwischen Einzelchristen und Gemeinden. Besitz versteht die frühe Kirche als Geschenk Gottes, aber eben auch als besondere Verpflichtung, ihn mit anderen zu teilen.

Nach dem Zeugnis der Schrift und auch nach den Berichten der frühen Kirche wird deutlich, dass ein Glaube, der sich nicht auch in „guten Werken“ ausdrückt, eigentlich undenkbar ist: So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber. (Jakobus 2,17)

Die Kirche und jeder einzelne Christ ist dazu geschaffen, das empfangene Heil Gottes „mit–zu–teilen“ – und das in Wort und Tat.

Die Zukunft der Gemeinde Jesu ist tief verknüpft mit der Frage nach ihrem Dienst in und für die Welt. Nur eine Kirche, die „ihr Licht nicht unter den Scheffel stellt“, die sich für die Nöte dieser Welt öffnet und sich den jeweiligen Herausforderungen stellt, wird in Zukunft ernst genommen werden.