predigt-2021-04-25

Predigt: Die Predigt der Schöpfung

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Datum: 25.04.21
Bibelstelle: Psalm 19,1-7; Römer 1,19-23; Römer 8,20-22
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Heute geht im Kirchenjahr um „Jubilate“: Jubelt, freut euch über Gottes Schöpfung!

Es geht um den Jubel, der sich an der Schöpfung entzündet, aber nicht dort stehen bleibt, sondern auf den Schöpfer selbst zielt.

„Die Predigt der Schöpfung“: Gottes Schöpfung enthält die Botschaft eines genialen Schöpfergottes an seine Menschen.

  1. Die Schöpfung – Predigt der Ehre Gottes

    Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk … ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. (Psalm 19,2.4)

    Vom „Erzählen“ ist hier die Rede und vom „Verkündigen“. Diese Begriffe verbinden wir gewöhnlich mit Sprache und mit (zu) vielen Worten. Die Predigt der Schöpfung ist sprachlos, und sie kann hin und wieder staunende Sprachlosigkeit hervorrufen.

    Allerdings, im Blick auf die ganze Schöpfung, dann wenn wir die Tier- und Pflanzenwelt einbeziehen, kann sie auch ziemlich geräuschvoll sein – die Predigt der Schöpfung. Die Himmel, das All, das Feste, die unterschiedlichen Landschaften, Wälder und Wiesen, Berge und Täler, Tiere und Pflanzen haben uns etwas zu sagen, mit und ohne Ton verkündigen sie Gottes Majestät und Herrlichkeit.

    Die Schöpfung trägt die Handschrift eines genialen Schöpfergottes.

  2. Die Schöpfung – Missionspredigt an die Völkerwelt

    Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben. (Römer 1,19-20)

    Können Menschen Gott erkennen, ohne je von ihm gehört zu haben? Sind Menschen geborene Atheisten? Oder aber tragen sie die Ahnung von der Existenz eines Schöpfergottes in sich?

    Paulus schreibt von einer Gotteserkenntnis, die über die Betrachtung der Schöpfung zum Schöpfer führt.

    Natürlich kann kein Mensch ahnen, welchen Weg Gottes Liebe in Jesus Christus gegangen ist, um seine Menschen für sich zu gewinnen – es sei denn, es wird ihnen gesagt. Menschen können nicht von der Schöpfung auf das große Versöhnungshandeln Gottes auf Golgatha schließen – es sei denn, sie werden darüber informiert.

    Aber: Mit der Schöpfung hält Gott selbst seinen Menschen eine Predigt, eine Anschauungspredigt. Menschen können an der Schöpfung „Gottes ewige Kraft und Gottheit“ erkennen.

    Kein Mensch, so Paulus, wird sich, wenn er vor dem Richterstuhl Gottes steht, aus der Verantwortung stehlen können. Niemand kann sich entschuldigen und Unwissenheit vortäuschen.

    Dass Menschen auf Gottesbegegnung angelegt sind, wie groß in ihrem Herzen die Sehnsucht nach Gott ist, zeigt sich in ihrer Religiosität, in der Vielfalt der Religionen. Der Mensch ist ein „homo religiosus“, ein religiöses Wesen. Die eigentliche Frage ist daher nicht die Frage: Glaubst du an Gott?

    Die eigentliche Frage lautet: Wer ist dein Gott? Was hast du zur Mitte deines Lebens gemacht? Wofür opferst du deine Energie? Wovon erwartest du Hilfe?

    Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. (Römer 1,21)

    Wie definiert Paulus die Schuld der Menschen?

    Da steht nichts davon, dass die Schuld der Menschen darin bestanden hätte, nichts von Gott zu wissen. Die Schuld der Menschen bestand darin, dass sie den, den sie kannten, nicht ehren wollten.

    Statt dem Schöpfer zu danken, statt für ihn zu leben, haben Menschen eigene Lebensmitten geschaffen, „sie sind dem Nichtigen verfallen“.

    Die Predigt der Schöpfung lautet: Mach dich auf die Suche nach dem Schöpfer! Bete deinen Schöpfer an! Lass nicht locker, gib nicht auf, bevor du nicht eine lebendige Beziehung zu deinem Schöpfer gefunden hast.

  3. Die Schöpfung – durchwachsene Gegenwart und große Zukunft

    Durch eine wunderschöne Schöpfung zieht sich der Fluch des Todes. Die Schöpfung ist Gottes Schöpfung, aber sie ist infiziert mit dem Virus der Sünde. Die Schöpfung, wie sie uns begegnet, ist immer Schöpfung nach dem Sündenfall.

    Wer genau hinschaut, wird in der Natur immer beides entdecken: die Majestät Gottes, aber auch die Spuren des Sündenfalls. Die Natur ist nicht nur wunderschön, sie ist auch ganz schön grausam.

    Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit … Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. (Römer 8,20.22)

    Seufzen und Angst sind Teil der Wirklichkeit, der wir uns zu stellen haben.

    Die Sichtweise der Bibel geht über unsere Jetzt-Wirklichkeit hinaus. In Jesaja 11 wird von einer verwandelten Schöpfung gesprochen. Diese Zukunftsaussicht ist für uns unvorstellbar. Die biblische Perspektive zielt nicht darauf, dass hier auf dieser Erde alles ein bisschen angenehmer und problemloser wird.

    Die Zukunftshoffnung der Bibel zielt auf eine göttliche Neuschöpfung. Sie verheißt eine Neu-Schöpfung ohne den dunklen Schatten der Sünde und des Todes.

    Was können wir bis dorthin tun?

    Wir sind eingeladen, die Schöpfung bewusster wahrnehmen. Wir sind herausgefordert, dem genialen Schöpfergott im Blick auf seine Schöpfung die Ehre zu geben und ihn anzubeten.

    Und wir sind herausgefordert, mit der Schöpfung respektvoll umzugehen. Wir sind auf diesem wunderschönen Planeten „Erde“ nur Gäste. Wir sind Gäste – und Gott selbst ist der Gastgeber. Und wer zu Besuch ist, der kann sich nicht benehmen wie wir will.