predigt-2021-04-11

Predigt: Noch mal von vorne, bitte!

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Datum: 11.04.21
Bibelstelle: Johannes 21,1-17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Manchmal können wir nachbessern, korrigieren – Fehler ausbügeln – aber hin und wieder bleibt uns nichts anderes übrig, als noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Da ist eine Beziehung gründlich vor die Wand gefahren. Jetzt lecken beide ihre Wunden – und sind sich einig. Lasst uns noch einmal ganz von vorne anfangen. Nach dem Scherbenhaufen, der angerichtet wurde ist das nicht ganz einfach – aber es ist nicht unmöglich.

Noch mal von vorne, bitte! Das Evangelium, die frohe Botschaft der Bibel lautet: Ein Neuanfang ist möglich. Der lebendige Gott schreibt uns nicht einfach ab, wenn etwas schief gelaufen ist. Der Gott, der sich uns in der Bibel offenbart, ist der Gott der Neuanfänge.

Dr. Lukas berichtet sehr eindrücklich davon, wie Jesus seine Kernmannschaft zusammen sammelte. Die ersten Jünger mussten nicht mit Bewerbungsunterlagen antreten und mit ihren Leistungen beeindrucken, um zum Missionstrupp von Jesus zu gehören. Sie waren gewöhnliche Fischer. Sie hatten eine völlig andere Vorstellungen vom Leben. Die Jünger bewerben sich nicht, sondern sie werden berufen.

Einer von ihnen, Simon, bekommt von Jesus später eine Namensergänzung: „Petrus“, der Fels. Wie wird sich Petrus machen? Ist er tatsächlich der Fels geworden, den Jesus in ihm gesehen hat?

Drei Jahre lang war Petrus mit Jesus unterwegs gewesen. Drei Jahre hatte Petrus praktische Theologie studiert. Dann, innerhalb weniger Stunden, sah es so aus, als wäre alles sinnlos gewesen.

Da gab es die äußerst peinliche Angelegenheit im Garten Gethsemane. Im ersten Handgemenge hatte Petrus Widerstand geleistet und dem Diener des Hohepriesters ein Ohr abgeschlagen. Augenblicklich war diese Aktion von Jesus unterbunden worden. Statt als Held vom Ölberg gefeiert zu werden, war Petrus der Blamierte.

Wenig später hockt Petrus am Lagerfeuer und leugnet energisch, Jesus jemals gekannt zu haben. Er war der Versager, der Loser, der Verräter. Zutiefst beschämt zieht er sich zurück. Er fühlt sich der Berufung nicht mehr gewachsen.

Vielleicht kennst du ähnliche Situationen in deinem Leben. Momente, in denen dein frommes Selbstbild auf dem Boden liegt, wie ein Stapel Karten nachdem das Kartenhaus zusammengefallen ist.

Vier Worte beschreiben den inneren Zustand des Petrus sehr treffend: „Ich will fischen gehen.“ (Johannes 21,3) Das ist Resignation pur. Petrus dreht die Uhr zurück. Er kehrt an den Punkt zurück, an dem er war, bevor Jesus ihn berufen hatte.

Die anderen sagten: „Wir kommen auch mit dir mit!“ Sie gingen aus dem Haus hinaus und stiegen in ein Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie überhaupt nichts.

Genau das Gleiche gab es schon einmal – ganz am Anfang – vor drei Jahren. Die Jünger erleben so etwas wie ein Déjà-vu: Es hatte die gleiche miese Fangquote, die gleiche Hoffnungslosigkeit.

Dann hatte es durch den Befehl von Jesus die gleiche unglaubliche Wende. In den Netzen zappeln die Fische, und die Fischer haben alle Hände voll damit zu tun, ihren Fang an Land zu bringen.

Während die Jünger noch erfolglos die Netze auswerfen, steht Jesus am Ufer, sieht ihnen zu und wartet. Er erspart ihnen das Scheitern nicht. Erst dann fängt er mit ihnen wieder von vorne an.

Die Fischer müssen sich der Sinnlosigkeit ihres Unternehmens bewusst werden. Erst dann können sie verstehen, was sie verloren haben.

Ich bin überzeugt davon, dass der auferstandene lebendige Herr auch heute so mit gescheiterten Nachfolgern umgeht. Während wir noch denken, wir seien abgeschrieben, steht Jesus „am Ufer“ und wartet.

Jesus wartet nicht, um den Jüngern endlich den Marsch zu geigen. Jesus erwartet sie am Lagerfeuer zum Frühstück, und die Jünger erkennen: „Es ist der Herr!“.

Später richtet sich der Focus ausschließlich auf Jesus und Petrus. Jesus wendet sich dem zu, der wohl wie kein anderer aus dem Jüngerkreis Zuwendung nötig hat:

Als sie mit dem Essen fertig waren, sagte Jesus zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber als all die anderen hier?“ Er antwortete: „Ja, Herr! Du weißt doch, dass ich dein Freund bin!“ Jesus sagte: „Dann übernimm die Verantwortung für meine kleinen Schafe!“ … „Sorge für meine Schafe!“ (Johannes 21,15-17)

Zwischen den beiden Männern gibt es noch einige wichtige Fragen zu klären. Jesus wendet sich dem zu, der wohl wie kein anderer aus dem Jüngerkreis Zuwendung nötig hat – Petrus.

„Simon, Sohn des Johannes …“ – Du mit deinen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, du angefochtener und verzweifelter Aussteiger, du bist mir wichtig. Ich habe dich nicht abgeschrieben, ich habe dich lieb – trotzdem. Du darfst meiner Berufung und meiner Liebe sicher sein.

Jesus fragt und das dreimal sehr eindringlich nach der Liebe. „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“

Mit einem Mal wird der ansonsten sehr großspurige Petrus ziemlich kleinlaut: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus sagte: „Dann weide meine Schafe.“

Was dann kommt, ist stark! Jesus geht das absolute Risiko ein. Es gibt keine Gardinenpredigt, keine Ermahnungen. Petrus bekommt keine Bewährungsstrafe, sondern die neue Zusage seiner Sendung: „Weide meine Lämmer.“ Petrus bekommt sofort Verantwortung.

Vielleicht hast du im Blick auf dein geistliches Leben schon lange das Handtuch geworfen, vielleicht fühlst du dich wie ein zusammengefallenes Kartenhaus. Jesus steht wie der Felsen in der Brandung, wartet auf deine Antwort und macht einen Neuanfang möglich.