predigt-2021-03-14

Predigt: Wir möchten Jesus sehen

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Datum: 14.03.21
Bibelstelle: Johannes 12,20-25
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

In der Passionszeit begleiten die christlichen Kirchen Jesus auf seinem Weg ans Kreuz. In weniger als drei Wochen hat es Karfreitag und in drei Wochen Ostern.

Lukas berichtet in Johannes 12 von Menschen, die Jesus sehen und kennen lernen wollen:

Unter denen, die nach Jerusalem gekommen waren, um dort während des Passafestes Gott anzubeten, befanden sich auch einige Griechen. Die traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und trugen ihre Bitte vor: „Herr, wir würden Jesus gern persönlich begegnen!“ Da kam Philippus zu Andreas und erzählte ihm das. Gemeinsam berichteten sie Jesus davon. (Johannes 12,20-21)

„Wir möchten Jesus sehen!“ (Elberfelder Bibelübersetzung) – Was steckt hinter diesem Wunsch der Pilger aus Griechenland?

Es gab Gerüchte über Wunderheilungen und Massenspeisungen. Jetzt wollen sie der Sache mit Jesus auf den Grund gehen. Sie wenden sich an Philippus. Dieser scheint ein Verbindungsmann zu dem Rabbi aus Nazareth zu sein.

Philippus sucht Andreas, und dann marschieren die beiden zu Jesus.

Da gab Jesus ihnen diese Antwort: „Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem der Menschensohn ganz in die Herrlichkeit Gottes eintreten wird. Feierlich versichere ich euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde hineinfällt und dort stirbt, dann bleibt es für sich allein. Wenn es aber sein eigenes Leben in den Tod gibt, dann bringt es sehr viel Frucht hervor. (Johannes 12,23-24)

Die Jünger träumen von Glanz und Gloria, von öffentlicher Anerkennung und überzeugenden Gottesbeweisen – und Jesus spricht Tod und Sterben. Philippus und Andreas sind fassungslos. Ihnen steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Wie lässt sich der triumphale Einzug von Jesus in Jerusalem mit seiner Rede vom in der Erde vergrabenen Weizenkorn, von Tod und Sterben verbinden? Was will Jesus ihnen mit seinem Bild vom Weizenkorn sagen?

Nun haben wir den beiden fassungslosen Jüngern gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Wir deuten das Sterben Jesu von seiner Auferstehung her. Wir wissen, dass der Tod, die Dunkelheit im Leben von Jesus tatsächlich der Durchgang zu etwas ganz Außergewöhnlichem wurde.

Die Auferweckung von Jesus am Ostermorgen verdeutlicht, dass sein Sterben nicht die Vernichtung eines religiösen Querulanten bedeutet, sondern Voraussetzung war für den Sieg des Lebens über den Tod.

Wer sein eigenes Leben an die erste Stelle setzt, der wird es doch verlieren. Aber wer sein eigenes Leben für nichts achtet, der wird es gerade dadurch wie einen Schatz bewahren, sowohl in dieser Weltzeit als auch bis in das unvergängliche, ewige Leben hinein. (Johannes 12,25)

Das verborgene Thema hinter diesen herausfordernden Worten von Jesus lautet „Hingabe“. Um dieses Geheimnis der Hingabe geht es ihm. Er hat Hingabe vorgelebt. Er hat uns ein Beispiel gegeben:

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. (1. Petrus 2,21)

Haben die Worte von Jesus unsere Herzen erreicht? Werden sie unser Leben verändern, uns zu einer neuen Hingabe motivieren – oder werden sie in den vielen Stimmen, die im Alltag auf uns einströmen, untergehen?