predigt-2021-03-07

Predigt: Dringend gesucht

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Datum: 07.03.21
Bibelstelle: Lukas 15,1-7
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Etliche Menschen verbringen viel Zeit damit, Dinge zu suchen, die sie gedankenlos verlegt haben: Geldbeutel, Smartphone, Autoschlüssel, Brille oder FFP2-Maske – gerade die Dinge des alltäglichen Lebens haben die außergewöhnliche Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen.

Im heutigen Predigttext vergleicht Jesus seinen himmlischen Vater mit einem Menschen, der auf der Suche ist.

Dabei ist Gottes Suche ist nicht die Folge von Zerstreutheit oder Unordnung, sondern davon, dass seine Menschen sich aus dem Staub gemacht haben. Eine der Hauptaktivitäten Gottes ist die Suche.

Schon ganz zu Beginn der Menschheitsgeschichte heißt es: Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? (1. Mose 3,8-9)

Wo bist du? Warum hast du mir den Rücken zugekehrt? Warum schämst du dich, mir zu begegnen?

Im Gleichnis vom verlorenen Schaf erzählt Jesus von dem suchenden Gott:

Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: „Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.“ Ich sage euch: „Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“ (Lukas 15,4-7)

  1. Dringend gesucht – Menschen mit zweifelhaftem Ruf

    Wir suchen Personen, die uns keine Probleme machen, die uns sympathisch sind. Jesus suchte Menschen nach völlig anderen Gesichtspunkten.

    Selbstverständlich erklären wir uns mit den gesellschaftlichen Randgruppen solidarisch. Selbstverständlich sollten Gescheiterte eine neue Chance bekommen. Aber durch uns?

    Solange diese Menschen nicht bei uns im Wohnzimmer sitzen, solange sie nicht an unserem Esstisch sitzen, haben wir leicht Reden. Solange wir uns ausschließlich theoretisch mit dem Elend dieser Welt identifizieren, aber ihr im Alltag weiträumig aus dem Weg gehen – unterscheiden wir uns nicht wesentlich von den Frommen zurzeit Jesu.

    Die Solidarität von Jesus mit den Menschen mit zweifelhaftem Ruf dagegen, war nicht theoretischer Natur.

    Könnte es sein, dass ich mich im Alltag nur wenig von den Pharisäern und Schriftgelehrten unterscheide? Könnte es sein, dass wir als Gemeinde gar nicht so weit weg sind vom Frömmigkeitsstil derer, die Jesus damals kritisiert haben?

  2. Dringend gesucht – Einzelne in auswegloser Lage

    In der Geschichte, mit der Jesus uns Gottes Wesen plastisch werden lässt, geht es um ein einziges Schaf, das sich von der Herde abgesondert hat und schutzlos umherirrt.

    Was für ein Aufwand für ein einziges Schaf! Wäre nicht ein Prozent Verlust zu verkraften?

    Jeder einzelne ist Gott wichtig. Du als Einzelner bist Gott wichtig – so wichtig, dass er sich in Jesus Christus auf die Suche nach dir gemacht hat.

    Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. (Lukas 15,5-6)

    Das entkräftete Schaf kann – theologisch ausgedrückt – zu seinem eigenen Heil nichts beitragen. Es muss getragen werden. Ohne das Eingreifen des Hirten wäre seine Lage absolut aussichtslos.

  3. Dringend gesucht – verlorenes Eigentum

    Der Schafbesitzer in der Gleichniserzählung sucht nicht irgendetwas für irgendwen, sondern er sucht verlorenes Eigentum.

    Wir Menschen sind, ob es uns passt oder nicht, Gottes verlorenes, schmerzhaft vermisstes, kostbares und darum mühsam gesuchtes Eigentum.

    Wir können dem lebendigen Gott die kalte Schulter zeigen, wir können ihn ignorieren oder uns gegen ihn empören.

    Wir können die Existenz Gottes infrage stellen und dabei fürchterlich modern tun – es ändert nichts an der Tatsache, dass Gott die Hand auf unser Leben legt und sagt: „Du gehörst zu mir. Ich habe dich geschaffen. Du bist ein wertvolles Teil meiner wunderbaren Schöpfung – mein Eigentum.“

    Wir gehören Gott – und es ist nur die Frage, ob wir ihm gern und dankbar gehören wollen oder ob wir ihm wider Willen gehören müssen.

    Das Aufregende am Evangelium ist, dass Gott sein Eigentum nicht gewaltsam nimmt, sondern dass er es sucht. Gott will uns nicht gegen unseren Willen haben, sondern er möchte, dass wir zu ihm umkehren. Wir haben die Wahl.

    Warum der Aufwand? Welche Motivation, steht hinter der großangelegten Suchaktion Gottes?

    Es ist die Liebe Gottes, die sich auf die Suche macht. Auf die Suche nach denen, die ganz weit weg sind von ihm. Und auf die Suche nach denen, die ihm einmal nah waren, aber sich im Laufe der Zeit entfernt und ihm entfremdet haben.

    Gottes Liebe hat keine Kosten und Mühe gescheut, damit wir – du und ich – wieder bei ihm zuhause sein können.