predigt-2021-02-07

Predigt: Das Wunder von Philippi

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Datum: 07.02.21
Bibelstelle: Apostelgeschichte 16,12-15
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

„Das Wunder von …“ – Mit dieser Formulierung werden in der Regel außergewöhnliche Rettungsaktionen eingeleitet.

„Das Wunder von …“ erinnert auch an die Rettungsaktion Gottes, die er eingeleitet hat, um seine Menschen, die sich verirrt haben, zu suchen und zu retten: Genau dafür ist der ewige Menschensohn in diese Welt gekommen: Er sucht und rettet die Menschen, die ihr Leben fern von Gott führen. (Lukas 19,10)

„Das Wunder von Philippi“ beschreibt das Wunder, bei dem eine Geschäftsfrau namens Lydia zur ersten Christin Europas wurde. An Lydia können wir lernen, was es mit dem christlichen Glauben auf sich hat.

Jeder Glaube hat einen Vorlauf, eine Vorgeschichte: Der christliche Glaube kommt nicht aus dem eigenen frommen Herzen. Der christliche Glaube kommt von außen auf uns zu. Um zum Glauben zu kommen, braucht es einen göttlichen Außenimpuls.

Bei Lydia sind es Paulus und sein Missionsteam, die Gott gebraucht, um diesen Impuls zu setzen.

Eigentlich hatten die Missionare in ihrer Jahresplanung völlig andere Schwerpunkte gesetzt. Das „Gemeindegründungsprojekt Kleinasien“ war damals noch lange nicht abgeschlossen.

Doch der Heilige Geist sendet die Missionare nach Europa, ins griechische Philippi. In Philippi ließ es sich gut leben – dennoch scheint es ein Problem zu geben: Es gab keine Synagoge. Bisher hatten die Missionare jüdische Synagogen als Plattform ihrer Mission nutzen können. In Philippi dagegen gab es als Anknüpfungspunkt ausschließlich eine kleine Gruppe von Frauen, die dem Judentum nahe standen.

Diesen kleinen, unscheinbaren Anknüpfungspunkt nutzt das Missionsteam um Paulus: Sie bezeugen einer Handvoll Frauen – darunter Lydia – das Evangelium von Jesus Christus und werden damit zu Impulsträgern des Heiligen Geistes.

Eine Lydia war eine Frau, die keine jüdischen Wurzeln hatte, aber dem Gott der Juden zugetan war. Sie hatte sich bereits von ihrer religiösen Tradition verabschiedet. Der Götterglaube ihrer Vorfahren hatte sie nicht überzeugt. Lydia gehörte zu den religiösen Aussteigern.

Die griechischen Gottheiten hatten im Grunde damals schon ausgedient. Das Evangelium von Jesus Christus traf auf Menschen, die – religiös betrachtet – nach neuen Ufern Ausschau hielten.

Wir haben es auch heute weithin mit Menschen zu tun, die dem traditionellen Christentum den Rücken zugewandt haben. Viele unserer Zeitgenossen haben keinen Bock mehr auf kirchliche Hierarchien und festgefügte, verkrustete Traditionen.

In einer Zeit, in der sich viele Menschen neu orientieren, könnte der christliche Glaube wieder neu auf offene Herzen stoßen, wenn er nicht muffig und traditionell, sondern begeisternd und zeitgemäß gelebt und verkündigt wird.

Da öffnete der Herr ihr das Herz und sie achtete genau auf das, was Paulus sagte. (Apostelgeschichte 16,14)

Der Platz, den die Bibel „Herz“ nennt, die Mitte unserer Persönlichkeit, ist kein leerer Raum mit weit geöffneten Türen.

„Da öffnete der Herr ihr das Herz …“: Wenn etwas geöffnet werden muss, dann war es vorher geschlossen. Die Botschaft des Evangeliums trifft, wenn sie uns denn trifft, immer auf besetztes Gebiet.

Eine innere Auseinandersetzung, ein Konflikt, ein Kampf ist unausweichlich:

  • Wir brauchen eine Kraft, die in der Lage ist, unsere Vorbehalte, unsere Befürchtungen und Ängste zu überwinden.
  • Wir sind darauf angewiesen, dass das Evangelium seine Kraft entfaltet und unsere verhärteten Herzen aufbricht.
  • Wir brauchen eine Kraft, die in der Lage ist, uns aus den Verbindlichkeiten unserer Gottlosigkeit zu befreien.

Wenn es darum geht, dass ein Mensch zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommt, dann sind wir auf ein Wunder angewiesen.

Dieses Wunder ist das Evangelium von einer ewigen Versöhnung, die durch das Sterben des Messias Jesus am Kreuz von Golgatha geschaffen wurde. Diese „ewig gültige Versöhnung“ gilt jedem, der sie im Vertrauen annimmt und für sich gültig erklärt.

Paulus fasst diese Informationen im Römerbrief Kapitel 3,23-25 so zusammen:

  • Alle Menschen haben gesündigt und bleiben deshalb weit hinter dem Anspruch Gottes zurück, der in seinem wunderbaren Wesen begründet ist.
  • Doch sie alle werden aufgrund seiner gnadenvollen Zuwendung gerecht und freigesprochen durch die Erlösung, die der Messias Jesus bewirkt hat.
  • Ihn hat Gott in die Mitte gestellt als ewig gültige Versöhnung, die er, der Messias, durch sein eigenes Blut bewirkt hat und die im Vertrauen angenommen werden kann.
    Dadurch beweist Gott seine Gerechtigkeit, indem er die Schuld, die sich in der Vergangenheit aufgehäuft hat, außer Acht lässt.

Was hier beschrieben wird, ist das Wunder von Golgatha. Es ist das Wunder, das Gottes Rettungshandeln beschreibt, ein Rettungsangebot für alle Menschen zu allen Zeiten.

Diese Botschaft war für die Geschäftsfrau aus Philippi völlig neu und trifft auf ein vom Heiligen Geist vorbreitetes Herz.

Es ist die Stunde des Heils – und Lydia zögert nicht lange, sondern greift entschlossen zu. Das Wunder von Golgatha wird zum Wunder von Philippi.

Lydia vertraut ihr Leben und das Leben ihrer Familie Jesus Christus an, und in Gottes ewiger Welt wird gefeiert.