predigt-2021-01-17

Predigt: Partnerschaftlich teilen (Predigt zur Allianzgebetswoche 2021)

Zur Predigtübersicht

Datum: 17.01.21
Bibelstelle: Philipper 1,3-6
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

„Partnerschaft“ im profanen Bereich verbinden wir mit Begriffen wie Ansprechpartner, Handelspartner, Tanzpartner, Partnerwahl, Juniorpartner, Partnerstadt …

Der im griechischen Neuen Testament verwendete Begriff „Koinonia“ meint weit mehr als Partnerschaft. Koinonia drückt innigste Verbundenheit, Gemeinschaft, Teilhabe zwischen zwei Personen aus.

Menschen, die Jesus nachfolgen, sind nicht partnerschaftlich-vertraglich mit ihm verbunden, sondern wesenhaft. Die wesenhafte Verbindung mit Christus ist die Grundlage für die Gemeinschaft der Christen und für „die Gemeinschaft am Evangelium“ (Philipper 1,5).

  1. Von Anfang an – sein Werk

    … und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk … (Philipper 1,5)

    Von Anfang an. Kannst du dich noch erinnern? Wie war das damals, als du zum ersten Mal mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen bist? Kannst du dich noch erinnern, wie ihr hier als FeG in Aschaffenburg angefangen habt?

    Der Beginn der Missionstätigkeit in Europa – in Philippi – war extrem schwierig: Schnell hatte sich eine große Volksmenge gegen Paulus und Silas zusammengetan, und die Beamten erteilten Befehl, ihnen die Kleider zu zerreißen und sie mit Knüppeln zu schlagen. Sie wurden geschlagen und anschließend ins Gefängnis geworfen. (Apostelgeschichte 16,22-23)

    Wenn man die Anfangsereignisse in Philippi zusammenzählt, bleiben unter dem Strich: Zwei christliche Haushalte, eine gehörige Tracht Prügel, ein kurzer Gefängnisaufenthalt, eine wundersame Befreiung und anschließend die höfliche Bitte, doch möglichst schnell aus der Stadt zu verschwinden. Der Anfang in Philippi war alle andere als Erfolg versprechend.

    Zehn Jahre später, als Paulus und Timotheus den Philipperbrief verfassen, scheint die Gemeinde ordentlich gewachsen zu sein. Selbst von „Bischöfen und Diakonen“ (Philipper 1,1) ist die Rede. Aus dem kleinen Anfang ist eine funktionstüchtige Gemeinde geworden, die sich sehen lassen konnte.

    Gott selbst hat den Anfang gesetzt. Bitte vergesst es nicht! Natürlich waren es Menschen aus Philippi, die mit hohem Einsatz an Zeit, Energie und finanziellem Opfer den Gemeindebau unterstützt haben. Dennoch: Die Gemeinde ist und bleibt Gottes Werk, von Beginn an.

    Eine Gemeinde gehört nicht uns, sondern „IHM“. Und was mir nicht gehört, damit gehe ich vorsichtig um. Was uns nicht gehört, damit gehen wir respektvoll um.

    Wenn Gemeinde „meine Gemeinde“ ist, dann werde ich darauf achten, dass ich sie mir so einrichte, dass ich mich dort wohlfühle. Denn sie ja schließlich „meine“ Gemeinde.

    Weil aber Gemeinde „Gottes Gemeinde“ ist, weil sie sein Werk ist, werden wir sorgsam darauf zu achten haben, dass sie IHM gefällt und dass SEINE Interessen berücksichtigt und umgesetzt werden. Diese Art von Gemeindeverständnis könnte der Beginn eines Weges voller Abenteuer und neuer Gotteserfahrung sein.

  2. Auf dem Weg – gemeinschaftlich verbunden durch das Evangelium

    Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke – was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden – für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute. (Philipper 1,3-5)

    Wir dürfen wie Paulus Gott loben, dass wir gemeinsam als Geschwister an Seinem Reich bauen dürfen – im Vertrauen darauf, dass Er alles vollenden wird. Es geht letztendlich um die Ausbreitung der guten Nachricht, und dafür brauchen wir einander – als Leib Christi.

    Wir lernen voneinander und bereichern uns gegenseitig mit Wissen, mit Know-how, finanziellen Mitteln und Gebet. Im Miteinander gewinnen wir neue Perspektiven und eine tiefere Einsicht in den Willen Gottes. Mittelpunkt und Basis ist dabei stets das Wort Gottes.

    In Apostelgeschichte 2,42 wird die „Gemeinschaft am Evangelium“ so beschrieben: Sie alle widmeten sich eifrig dem, was für sie als Gemeinde wichtig war: Sie ließen sich von den Aposteln unterweisen, sie hielten in gegenseitiger Liebe zusammen, sie feierten das Mahl des Herrn, und sie beteten gemeinsam.

    Gebet, Herrenmahl, Unterweisung durch die Jünger und eine Beziehung, die von Fürsorge und Zusammenhalt geprägt ist, sind die Säulen der frühen Kirche. Diese Gemeinschaft am Evangelium hat die Kirche Jesus Christi davor bewahrt, in stürmischen Zeiten die Segel zu streichen.

  3. In schwierigen Zeiten – bewahrt bis zur Vollendung

    Noch ist die Kirche Jesu, noch ist die Gemeinde weltweit die Unvollendete.

    Auch in der jungen Christengemeinde in Philippi war die erste Begeisterung dahin. Theologische Auseinandersetzungen erschwerten das Miteinander in der Gemeinde. Erste Müdigkeitszeichen bei den Mitarbeitern wurden sichtbar. Das geistliche Leben ging zurück.

    Doch Paulus antwortet nicht mit einem apostolischen Donnerwetter, sondern mit einer Verheißung. Er spricht der gebeutelten Gemeinde Mut zu: … und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi. (Philipper 1,6)

    Paulus spricht vom Tag Christi nicht als Drohung. Der Tag Christi ist für ihn Zuspruch und Verheißung an eine unvollendete Gemeinde: Dann, wenn Jesus wiederkommt, dann wird vollendet, was bisher bruchstückhaft und fehlerhaft war.

    Noch gleicht unser persönliches Glaubensleben einem Puzzle, das zusammengesetzt werden soll. Vielleicht sind die Ränder schon zusammen, vielleicht ist auch das eine oder andere schon erkennbar. Aber noch stören viele Löcher das Gesamtwerk.

    Am Tag Christi, so dürfen wir wissen, wird das Puzzle vollendet werden. Am Tag Christi wird die Bruchstückhaftigkeit unseres Glaubens- und Gemeindelebens vollendet werdet – weil ER es vollenden wird.