predigt-2021-01-10

Predigt: Miteinander hinhören (Predigt zur Allianzgebetswoche 2021)

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Datum: 10.01.21
Bibelstelle: Lukas 8,4-15
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Die Beschäftigung mit der Bibel ist heilsam, weil sich in ihr der lebendige Gott vorstellt. Sie ist heilsam, weil sie uns gute Regeln zum Miteinanderleben gibt. Sie ist heilsam, weil uns in ihr der Weg zum Heil aufgezeigt wird – aber sie ist kein Zauberbuch mit magischer, geheimnisvoller Wirkkraft.

Die Bibel im Bücherschrank bewahrt uns nicht vor Unfall, Gefahr, Krankheit und Feuersbrunst. Das Lesen der Bibel bewirkt nicht automatisch Glauben, sondern erst dann, wenn Gottes Geist uns erreicht und wir Gottes Stimme hören.

Beim „Miteinander hinhören“ auf Gottes Wort in der Bibel geht es zunächst um Gott selbst. Niemand könnte eine belastbare eine Aussage von und über Gott machen, – es sei denn, Gott selbst würde aus seiner Heiligkeit herabsteigen und sich selbst zu erkennen geben. Genau das meint die Schrift mit dem Begriff „Offenbarung“. Diese Selbstvorstellung Gottes hat die Kraft, Menschen im Tiefsten ihres Menschseins zu berühren und zu verändern.

Wenn dein Wort offenbar wird, so erleuchtet es und macht klug die Unverständigen. (Psalm 119,130)

Der lebendige Gott schweigt nicht, er redet, lässt uns in sein Herz blicken und weiht uns in seine Pläne ein.

  • Das Wort Gottes – Energie pur

    Zunächst geht es in diesem Gleichnis gar nicht um das Saatgut und auch nicht um die Beschaffenheit des Ackers, sondern um einen Agrarlandwirt. Dieser wirft wie in der Antike üblich, das Saatkorn in weitem Bogen und großflächig, auf den Ackerboden. Gott selbst ist Subjekt, er der Handelnde.

    Gott scheut keine Mühe, um sich seinen Menschen, die ihm den Rücken gekehrt haben, mitzuteilen. Wir erweisen Gott keinen Dienst, wenn wir uns Zeit zum Bibellesen nehmen. Nicht wir dienen Gott – sondern Er dient uns in und durch sein Wort.

    Wenn wir die Bibel studieren, wenn wir uns seinem Wort öffnen, dann öffnet Gott uns Horizonte, dann wird Gott sich offenbaren, dann beginnt der Glaube zu wachsen und Früchte zu tragen.

    Die Saat ist das Wort Gottes. (Lukas 8,11)

    Saatgut ist Energie pur. Das ist dem Korn auf den ersten Blick nicht anzusehen. Eher sieht die ganze Sache ziemlich hart, trocken und ungenießbar aus. Doch die Zuhörer von Jesus wissen genau: Korn ist Energie pur, ist Lebensgrundlage.

    Die besondere Bedeutung des Wortes Gottes besteht darin, dass es in der Lage ist, Leben zu schaffen und Leben zu ermöglichen. Gottes Wort hat die Kraft, Menschen, die absolut nicht religiös sind, aus dem Tod ins Leben zu rufen. Menschen werden frei aus ihrer Selbstumdrehung, andere werden frei von ihren Gebundenheiten.

    Nun hat die ganze Sache mit der Aussaat einen Haken, eine Schwierigkeit: Der Landwirt teilt großzügig aus – aber die Böden, auf den die Saat fällt, haben eine sehr unterschiedliche Beschaffenheit.

  • Die vierfache Beschaffenheit unseres Herzen – Anfragen erlaubt

    Vier verschiedene Herzenseinstellungen beschreibt das Gleichnis. Diese vier Herzenseinstellungen beschreiben nicht nur verschiedene Menschen, sondern sie beschreiben vier Seiten eines einzigen Menschen, sie beschreiben vier Bodenbeschaffenheiten unseres eigenen Herzens.

    Alles ist möglich: Einmal gleichen wir einem Trampelpfad, einmal einem felsigem Boden. Ein anderes Mal einem Gestrüpp oder auch einem guten fruchtbaren Boden.

    1. Das harte Herz – „daneben“

      Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges auf den Weg, wo es zertreten und von den Vögeln aufgepickt wurde … Bei einigen, die es hören, ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der Teufel kommt und nimmt das Wort wieder aus ihrem Herzen weg, sodass sie nicht glauben und daher auch nicht gerettet werden. (Lukas 8,5+12)

      Ganz zu Beginn der Menschheitsgeschichte berichtet die Bibel vom sogenannten Sündenfall: mit welcher Energie und Raffinesse die Schlange die Zerstörung der Beziehung des Menschen zur ihrem Schöpfer betreibt.

      Die erste Aktion, mit der „die Schlange“ das Vertrauen in den Schöpfer untergräbt, besteht darin, Misstrauen in das Wort Gottes zu säen. Ihre Einflüsterungen lauten: „Sollte Gott gesagt haben?“ Könnte Gott mit seinen Anordnungen nicht etwas oder jemanden anderes gemeint haben?

      Kennt ihr diese Frage in euren Herzen? Du liest einen Text, Gottes Wort spricht zu dir, vielleicht hat er eine Aufgabe für dich, die dir nicht in den Kram passt – vielleicht gibt es einige Schmuddelecken in deinem Leben, in die das Licht seines Wortes leuchtet – und plötzlich beginnst du zu zappeln wie der Fisch an der Leine.

    2. Das oberflächlich begeisterte Herz – „auf“

      Einiges fiel auf felsigen Boden. Die Saat ging zwar auf, verdorrte aber bald, weil die nötige Feuchtigkeit fehlte … Bei anderen ist es wie mit der Saat, die auf felsigen Boden fällt. Wenn sie das Wort hören, nehmen sie es mit Freuden auf. Aber sie sind wie Pflanzen ohne Wurzeln; zunächst glauben sie, doch wenn eine Zeit der Prüfung kommt, wenden sie sich wieder ab. (Lukas 8,6+13)

      Immer wieder erleben wir, wie Menschen mit „Hurra“ in der Gemeinde aufschlagen, die von ihren tollen Erfahrungen mit Jesus berichten und dann plötzlich wieder verschwinden und sich dem Glauben entfremden. Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen keine Wurzeln schlagen konnten oder wollten.

    3. Das besetzte Herz – „mitten unter“

      Einiges fiel mitten ins Dornengestrüpp. Die Dornbüsche wuchsen mit der Saat in die Höhe und erstickten sie … Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dorngestrüpp fällt. Sie hören das Wort, doch im Lauf der Zeit wird es von den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet, verdrängt, sodass keine Frucht reifen kann. (Lukas 8,7+14)

      Diese dritte Bodenbeschaffenheit des menschlichen Herzens scheint mir die meist verbreitete der Gegenwart zu sein. In einer Zeit, in der wir von äußeren Eindrücken geradezu erschlagen werden, besteht die Gefahr, dass der Eindruck des Wortes Gottes immer schwächer wird. In einer Zeit der Zerstreuung ist die Sammlung die eigentliche Herausforderung.

    4. Das bereite und geduldige Herz – „in“

      Und einiges fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfache Frucht. Jesus schloss mit dem Ausruf: „Wer Ohren hat und hören kann, der höre!“ … Bei anderen jedoch ist es wie mit der Saat, die auf guten Boden fällt. Mit aufrichtigem und bereitwilligem Herzen hören sie das Wort; sie halten daran fest, lassen sich nicht entmutigen und bringen Frucht.“ (Lukas 8,8+15)

      Über diesem Gleichnis steht die Frage nach dem Ergebnis: Macht die Aussaat überhaupt Sinn?

      Die gute Nachricht in diesem Gleichnis lautet: Gottes Reich setzt sich durch. Gegen äußere und innere Widerstädne kommt er zu seinem Ziel. Die Ernte wird eingebracht, und wir dürfen Teil seiner Ernte sein.

      Deshalb gilt für uns: hören, festhalten und dranbleiben!

      Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. (Kolosser 3,16)