predigt-2020-12-20

Predigt: Mache dich auf!

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Datum: 20.12.20
Bibelstelle: Jesaja 60,1-2
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,1-2)

Raus aus den Federn! Beweg dich! Mit dem heutigen Predigttext sollen die Zuhörer aus ihrer Lethargie aufgescheucht werden.

Der Weckruf des Propheten trifft auf eine schläfrige, am Boden liegende jüdische Glaubensgemeinschaft. 700 Jahre vor der Geburt Christi scheint die alttestamentliche Gemeinde keine lohnende Zukunftsperspektive mehr zu haben.

Müde und seltsam kraftlos haben sich die Gläubigen zurückgezogen, so wie sich Bären zur Winterruhe tief ins Innere ihrer Bärenhöhle verkriechen. Sie leben – aber wirklich lebendig sind sie auch nicht.

  1. Mach dich auf! Steh auf!

    Der lebendige Gott ruft den schlafenden Bären aus seiner Bärenhöhle heraus. Lass dein Gesicht hell strahlen!

    Man könnte auch sagen: Um Gottes Willen, kriech aus deiner gemütlichen Ecke, riskier den Aufstand, lass dir die Sonne ins Gesicht scheinen. Verlass deinen Schattenplatz – trete ins Licht!

    In diesen Tagen, um Weihnachten herum, leiden viele Menschen am sogenannten Winterblues. Bei den Betroffenen sinkt die Stimmung, sie leiden unter Antriebslosigkeit und verspüren Heißhunger auf Süßigkeiten.

    Ähnliche Symptome wie beim Winterblues lassen sich auch im Glaubensleben feststellen. Wie bei einem verstimmten Instrument, stimmt die Stimmung nicht mehr. Frustration macht sich breit: Da war der Einsatz für Gott, der sich scheinbar nicht ausgezahlt hat. Da waren die Träume von einem konfliktfreien Leben, die einer nach dem anderen geplatzt sind wie Seifenblasen.

    Wie kann man gegen den Winterblues angehen?

    Die immer wiederkehrenden Antworten der Fachleute, wenn es um die körperlich-psychische Gesundheit geht, lauten:

    • Gehen Sie raus an die Luft!
    • Suchen Sie Licht und Sonne!
    • Ernähren Sie sich gesund!
    • Bewegen Sie sich!

    Das heißt doch nichts anderes als: Überlass das Kommando nicht deinem inneren Schweinehund – mit Abwarten und Teetrinken ist es nicht getan. Wage gegen den Aufstand gegen die Mutlosigkeit. Wende dich dem Licht zu!

    Mache dich auf! Wir merken, dass sich diese Ratschläge für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden im Großen und Ganzen auch ins geistliche Leben übertragbar sind.

    Wir werden herausgefordert, auch für unser geistliches Wohlergehen die Verantwortung zu übernehmen. Es ist nicht deine Gemeinde, die verantwortlich für dein geistliches Leben ist, nicht dein Hauskreis, nicht deine Familie, sondern du bist gefragt.

    „Die Sünde, die uns so leicht umgarnt“, so nennt der Autor des Hebräerbriefs eine Ursache geistlicher Müdigkeit: Darum lasst uns durchhalten in dem Wettlauf, zu dem wir angetreten sind, und alles ablegen, was uns dabei hindert, vor allem die Sünde, die uns so leicht umgarnt! (Hebräer 12,1)

    Hier scheint der Schreiber nicht die offenkundigen Sünden zu beschreiben, sondern eher die unscheinbaren Dinge. Verhaltensweisen und Lieblosigkeiten, die wir uns selbst verzeihen. Verhaltensweisen, die unsere Gesellschaft toleriert, aber unserem geistlichen Leben, unserer Christusbeziehung schaden.

    Passt das, was ich über andere denke und rede, zu meiner Berufung als Kind des Lichts? Passt mein Lebensstil, die Art und Weise, wie ich mit meinem Besitz umgehe, zu meiner Berufung als Kind des Lichtes?

    Früher habt auch ihr in Dunkelheit gelebt; aber heute ist das anders: Weil ihr mit dem Herrn verbunden seid, seid ihr im Licht. Darum lebt nun auch wie Menschen, die zum Licht gehören! (Epheser 5,8)

  2. Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!

    Mache dich auf! Beweg dich! – Das ist der erste Teil des Satzes, dann aber geht es weiter: Jetzt spricht der Prophet von einer göttlichen Bewegung. Gott setzt sich in Bewegung. Gott und Mensch bewegen sich aufeinander zu.

    Der „Mach dich auf und beweg dich“-Appell des Propheten macht keinen Sinn, wenn es noch stockdunkel und finstere Nacht wäre. Der Prophet tritt vor die Tür und sieht den neuen Tag Gottes anbrechen. Er beobachtet den Silberstreif am Horizont:

    Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60,1-2)

    Zugegeben: Noch scheint die Finsternis „das Erdreich zu bedecken und die Völkerwelt in der Dunkelheit zu leben. Dennoch spricht Paulus vom Tagesanbruch und von der Zeit aufzustehen:

    Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. (Römer 13,11)

    Woran können wir erkennen, dass seine Aufforderung kein Fehlalarm ist? Eine schlüssige Antwort darauf, lässt sich nur durch eine Verbindung zwischen Advent und Ostern geben:

    Ostern ist das untrügliche Zeichen dafür, dass eine vom Tod und Sterben dominierte Zeitspanne ihrem Ende zugeht. Ostern ist wie ein Hahnenschrei, wie das Klingeln eines Weckers: „Steh auf, es ist Zeit – der neue Morgen, in dem Gottes Reich zur Vollendung kommt, ist schon am Horizont zu sehen“.

    Seit Ostern ist die Kirche Jesu Christ eine „GmbH“: eine Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung. Darum gilt: Mache dich auf!