predigt-2020-11-01

Predigt: Ganz schön verrückt! (Jeremia – Prophet um Gottes Willen/Teil 2)

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Datum: 01.11.20
Bibelstelle: Jeremia 2,1-13
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

„Wer hier arbeitet, muss nicht verrückt sein – aber es hilft ungemein.“, heißt es in einem der vielen tiefgründigen Bürosprüche. Ein gewisses Maß an Verrücktheit scheint das Leben tatsächlich zu vereinfachen.

„Ganz schön verrückt!“ – mit dieser Themenwahl geht es heute nicht um den besonderen „Spleen“ des einen oder anderen unter uns, sondern um Grundsätzliches. Was verrückt ist, steht oder liegt nicht mehr dort, wo es ursprünglich hingerückt wurde. Was verrückt ist, hat seinen angestammten Platz verloren.

Verrücktheiten gibt es auch im Glaubensleben. Es gibt eine Verrücktheit, bei dem diejenigen, die einstmals mit Leidenschaft in die Spur des Glaubens eingestiegen waren, letztendlich aus der Nachfolge Christi abgerückt sind.

  1. Ein leidenschaftlicher Anfang

    Die Botschaft des Jeremia richtet sich an die Bewohner Jerusalems, an die Gläubigen der alttestamentlichen Gemeinde. Nachdenklich, wehmütig erinnert sich Gott an die Frühzeit Israels zurück. Begeistert, verliebt wie eine frischvermählte Braut war Israel seinem Gott gefolgt.

    Die Predigt des Jeremia richtet sich an eine Frau, die untreu geworden ist, die immer und immer wieder das Eheversprechen gebrochen hat: So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät. (Jeremia 2,2)

    In diesem Vers verbinden sich Enttäuschung und Wehmut. Ob wir diesen Text auf unser Glaubensleben übertragen können?

    • Wie war das ganz am Anfang – als du dich in Gott verliebt hattest?
    • Wie war das ganz am Anfang, als Gottes Liebe dich begeistert hat – als du zum ersten Mal begriffen hast, dass du durch Christus von der Last und Schuld deines Lebens befreit bist?
    • Wie war das ganz am Anfang, als du mit zittriger Stimme versprochen hast ihm nachzufolgen, als du für ihn und sein Reich gebrannt hast?
    • Kannst du dich noch erinnern – oder hast du diese Zeit des Anfangs vergessen?

    Gott hat dich nicht vergessen. Er erinnert sich an die Zeit, an der dein Glaube lebendig und deine Leidenschaft für ihn brennend war.

  2. Was für eine Frage!

    Was geschehen ist, ist absolut nachfragewürdig: So spricht der HERR: Was haben doch eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie von mir wichen und hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte … (Jeremia 2,5)

    Das Verrückte in diesem Abschnitt ist, dass der ewige, heilige Gott sich hinterfragen lässt, während die Geistlichen, die Priester und Propheten und die weltlichen Herrscher fraglos an Gott vorbeigehen.

    Gott fragt: Hat es einen Grund, dass ihr mir den Rücken zukehrt? Habt ihr mir etwas vorzuwerfen?

    Das von Gott erwählte Volk dagegen reflektiert seine Gottesbeziehung nicht. Die Priester fragten nicht: Wo ist der HERR? (Jeremia 2,8)

    Diejenigen, die angetreten waren, um Gottes lebendiges Wort zu den Menschen zu tragen, hören nicht mehr hin. So sehr verrückt sind die von Gott Erwählten, dass sie den lebendigen Gott, den der sie erlöst und ihnen großzügig Lebensraum zugeteilt hat, völlig aus ihrem Lebensvollzug verbannt haben.

    Sie halten zwar noch die Tradition hoch, Gottesdienste und Feiertage werden gefeiert – aber mit ihren Herzen sind sie längst woanders (Jeremia 19,4-5).

  3. Was für ein Tausch!

    Das besondere an einer Tauschaktion ist der Kick, vorteilhaft zu tauschen.

    Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit eingetauscht gegen einen Götzen, der nicht helfen kann! … Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben. (Jeremia 2,11+13).

    Was für ein schlechter Tausch! Nur wer im wahrsten Sinne des Wortes „vom Teufel geritten ist“, kann so verrückt sein, einen lebendigen Gott gegen einen toten Götzen einzutauschen. Nur wer völlig verblendet ist, wird eine sprudelnde Quelle gegen ein Zisternenbecken mit abgestandenem und verunreinigtem Regenwasser eintauschen.

    Sind wir, bin ich an ähnlicher Stelle gefährdet? Ist eine Christenheit nach Pfingsten, sind Jesusleute, in denen der Geist Gottes wohnt, zu solchen Verrücktheiten überhaupt fähig?

    Im letzten Buch der Bibel kümmert sich der auferstandene Christus seelsorgerlich um die Verrücktheiten seiner Kirche: … Doch einen Vorwurf muss ich dir machen: Du liebst mich nicht mehr so wie am Anfang. Erinnerst du dich nicht, wie es damals war? Wie weit hast du dich davon entfernt! Kehr um und handle wieder so wie am Anfang! (Offenbarung 2,4-5)

    „Du liebst mich nicht mehr so wie am Anfang.“ Liebe ist immer gefährdet. Beziehungen, die nicht gepflegt werden, zerstreuen sich über kurz oder lang. Das gilt für zwischenmenschliche Beziehungen, und das gilt gleichermaßen für die Gottbeziehung.

    Warnzeichen solcher Beziehungsstörungen sind:

    • Das Gespräch verstummt – man redet nicht mehr über das, was einen wirklich bewegt – und wenn dann mit einem Dritten.
    • Die gemeinsame Zeit wird zur Qual – die Partner zieht es nicht zueinander, sondern auseinander.
    • Es gibt keine gemeinsamen Interessen mehr – jeder baut sich seine eigene Welt auf.
    • Einer oder beide Partner spielen immer öfter mit dem Gedanken, die Partnerschaft zu beenden – eine neue Beziehung ist nicht mehr undenkbar.

    Beziehungen sind Zentrifugalkräften ausgesetzt, die die Partner auseinandertreiben, wenn sie nicht wahr- und ernstgenommen werden.

    Der auferstandene Christus ruft seine verrückten Anhänger zur Umkehr. Er ruft uns verrückte Nachfolger wieder in die Spur. Verrückte Jesusleute müssen nicht bleiben, wo sie sind. Der lebendige Gott ruft seine verlorenen Söhne und Töchter zurück und empfängt sie mit offenen Armen.

    „Steh auf! Kehr um!“ – Werden wir uns rufen lassen?

    Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht! (Hebräer 4,7)