predigt-2020-10-25

Predigt: Bitte, nicht mit mir! (Jeremia – Prophet um Gottes Willen/Teil 1)

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Datum: 25.10.20
Bibelstelle: Jeremia 1,4-8
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Es gibt Sachen, die liegen so völlig außerhalb unserer Vorstellungswelt, dass wir sie nicht einmal ernsthaft in Erwägung ziehen.

Jeremia, ein zwanzigjähriger Jude, aufgewachsen in einem kleinen Dorf bei Jerusalem, hat große Pläne für sein Leben. Aber wie sagt der Volksmund: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ Oder: „In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.“ (Sprüche 19,21)

Mitten im Alltag durchkreuzt der lebendige Gott alle bisherigen Pläne Jeremias und gibt seinem Leben eine völlig neue Wendung:

  1. Beschlagnahmt

    Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. (Jeremia 1,4-5)

    Die Formulierung „das Wort des HERRN geschah zu mir“ entspricht nicht unserem Sprachverständnis. Dieses Wort des HERRN ist immer auch ein Geschehen. Es ist Gottes wirkungskräftiges Wort, mit der er diese Welt geschaffen hat (Psalm 33,8-9).

    Jeremia war zwar „in einem frommen Elternhaus“ aufgewachsen, dennoch trifft ihn der Anruf Gottes völlig unvorbereitet. Indem Gott Jeremia anredet, zieht er ihn hinein in die Angelegenheiten des Reiches Gottes. Schon lange bevor Jeremia für sein Leben einen Plan entwickeln konnte, gab es eine göttliche Idee hinter seinem Leben.

    Niemand purzelt zufällig auf diese Erde. Hinter jedem Leben steht ein göttlicher Plan, eine besondere Idee des Schöpfers. Völlig unabhängig von unserem IQ, von unseren körperlichen Fähigkeiten und Einschränkungen sind wir Teil einer göttlichen Idee. Auf jeden Fall bist du berufen, an Gottes Reich mitzubauen und damit Teil der göttlichen Wirkungsgeschichte in dieser Welt zu sein.

    „Ehe ich dich im Mutterleib bildete … habe ich dich geheiligt.“ – Was oder wer ist denn „geheiligt“?

    Wir verbinden „heilig“ oft mit dem Begriff „fehlerlos“. In Kathpedia, dem katholischen Internetportal, heißt es: Als Heiliger wird ein in religiöser Hinsicht vollkommener Mensch bezeichnet. Die Heiligen werden verehrt.

    Der Begriff „geheiligt“ beschreibt aber nicht zuerst die Qualität, sondern die Zugehörigkeit: „Heilig“ ist das, was Gott gehört. In diesem Sinne ist jeder Mensch, der sein Leben Gott zur Verfügung stellt, ein „Heiliger“. Wahrscheinlich nicht ohne Macken und Gebrauchsspuren – aber in Beschlag genommen von Gott – und heiliggesprochen durch den Sühnetod Jesu Christi.

    Zunächst und immer wieder einmal in seinem späteren Leben wehrt Jeremia sich mit Händen und Füßen gegen die göttliche Beschlagnahmung. Aber Gott akzeptiert Jeremias Einwände nicht. Es kommt nicht darauf an, dass er sich der göttlichen Berufung gewachsen fühlt. Jeremia soll gehorchen. Um den Erfolg seiner Sendung hat er sich keine Sorge zu machen.

    Gott braucht Menschen, die sich seinem Ruf stellen. Die seinem Anspruch nicht ausweichen, sondern sich ansprechen und beauftragen lassen.

    Kennst du deine Berufung? Füllst du den Platz aus, der für dich vorgesehen ist? Es geht darum, sich dem Anruf Gottes nicht zu verschließen, sondern hinzuhören und zu gehorchen. Berufung – darin steckt das Wort „rufen“. Gott ruft dich an – wirst du den Hörer abheben?

  2. Begleitet und zugerüstet

    Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu retten, spricht der HERR. (Jeremia 1,8)

    Der Prophetendienst des Jeremia wird kein Zuckerschlecken sein. Jeremia scheint zu ahnen, was auf ihn zukommt: Er hat mit Spott zu rechnen, man wird ihn einsperren, er wird er um sein Leben bangen. Düstere Aussichten für einen jungen Mann in der Blüte seines Lebens.

    Dennoch soll Jeremia sich nicht fürchten. In schwierigen Zeiten verheißt Gott seinem Schützling seine besondere Gegenwart. Dem von Gott Berufenen wird kein leichtes, aber ein hochgradig erfülltes Leben verheißen. Auf dem Weg des Gehorsams, in der Spur, die in gewisser Weise auch die Passion Jesu vorzeichnet, begleitet Jeremia der besondere Segen Gottes.

    Um die letzten Vorbehalte des Jeremia aus dem Weg zu räumen, wird Gott handgreiflich: Gott streckt seine Hand aus – und berührt den Mund des Propheten: Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. (Jeremia 1,8)

    Mit dieser Symbolhandlung soll Jeremia am eigenen Leibe spüren, worin seine zukünftige Aufgabe bestehen wird. Gott gibt sein Wort so in den Mund des Propheten hinein, dass dieser zum Organ göttlichen Redens wird. Gott legt sein Wort in den Mund eines fehlsamen, angefochtenen Menschen.

    Wie das Jeremiabuch zeigen wird, gibt Jeremia den Widerstand gegen Gottes Berufung auf. In Kapitel 20,7 betet Jeremia zu seinem Gott: „HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen.“

Hat Gott dich schon für seine Sache gewinnen können? Gehört das Trachten nach dem Reich Gottes noch zu dem, was dein Leben und deine Gedanken bestimmt? Oder hast du dich vielleicht klammheimlich aus der Berufung verabschiedet?

Wirst du dich – vielleicht zum ersten Mal oder erneut – von Gottes Berufung ansprechen und gewinnen lassen? Der lebendige Gott wartet auf deine Antwort!