predigt-2020-09-13

Predigt: Dahoam is Dahoam

Zur Predigtübersicht

Datum: 13.09.20
Bibelstelle: Psalm 84
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Seit 2007 gehört diese bayrische Familienserie zum festen Bestandteil des Vorabendprogramms im bayrischen Rundfunk. Da hat eine Sendung über Jahre hinweg den Pulsschlag der Fernsehzuschauer getroffen und sich eine echte Fangemeinde erarbeitet.

Dahoam is Dahoam – Daheim fühlen wir uns sicher. „My home is my castle“, sagt der Engländer.

Berufliche Sicherung, Karriere erfordert in der Postmoderne die Bereitschaft zur Mobilität. Ein modernes Nomadentum entwickelt sich. Heimat ist nicht mehr der Landstrich, in dem der Mensch in der Vergangenheit geboren und auch begraben wurde, sondern dort wo die Schlafmatte liegt, dort wo das moderne Lagerfeuer, der Fernseher flimmert.

Die postmoderne Familie versammelt sich nicht mehr am Lagerfeuer „Fernseher“, sondern verteilt sich dort, wo die schnellste Internetverbindung gewährleistet ist.

Auf der anderen Seite aber entdecken wir eine Gegenbewegung. Menschen besinnen sich auf ihre Wurzeln. Heimatpflege bekommt einen neuen Stellenwert, alte Bräuche werden ausgegraben und wiederbelebt. Heimat ist wieder in.

Woran es liegt? Tief in den meisten, wenn nicht in allen Menschen, schlummert die Sehnsucht nach einer Heimat, der Wunsch dort zu sein, wo man hingehört, zuhause zu sein:

  • Wohin gehöre ich?
  • Wo ist der Heimatboden, in den ich Wurzeln schlagen kann?
  • Wo ist der Platz, an dem ein Mensch Heimat finden kann?

Um Heimat geht es auch im heutigen Predigttext dem 84. Psalm:

  1. Unterwegs

    Psalm 84 gehört wie viele der Psalmen zu den Pilgerliedern. Jedes Jahr zogen zigtausend Gläubige des Judentums unter großen Mühen zu den bedeutenden Feiertagen nach Jerusalem. Manche von ihnen waren viele Tage unterwegs.

    Während dieser Zeit waren sie den Unannehmlichkeiten der Witterung ausgeliefert. Weil immer wieder Wegelagerer die Reisenden um ihre Habe bringen wollten, reiste man, wenn möglich, in größeren Gruppen.

    Wenn sich die Pilger lagerten, stimmten einige von ihnen geistliche Lieder an. Solche Psalmen sind keine theologisch-dogmatischen Abhandlungen. Psalmen sind Ausdruck einer Herzenshaltung, sind Ausdruck der inneren Befindlichkeit des Dichters. Dieser Herzenshaltung gilt es nachzuspüren.

    Im gemeinsamen Lobpreis stellten sich die Gläubigen auf den Gottesdienst ein. Vorfreude wurde geweckt auf die Begegnung mit Gott. Die Müden und Fußkranken, die Verzagten und Elenden schöpften neue Zuversicht und Kraft, um weiterzuziehen.

    Das ist sicher eines der größten Hindernisse, dass wir im Gottesdienst nicht mehr aus vollem Herzen singen können. Wir sind froh und dankbar über unsere Musikteams – aber wir sehnen uns danach, wieder mit einstimmen zu können.

    „Unterwegs“ nennt die Bibel den Zustand des Menschen seit dem Sündenfall. Seit 1. Mose 3 ist der Mensch ständig in Bewegung, immer auf der Suche nach etwas, das Ewigkeit atmet, nach dem verlorenen Paradies – aber seine Suche bleibt erfolglos. Von Beginn an ist der Mensch ein Vertriebener und Getriebener.

    Wohlstand allein schafft keine Heimatgefühle. „Unterwegs“ sind wir letztendlich auch deshalb, weil wir der Vergänglichkeit unterworfen sind:

    • Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebräer 13,14)
    • Liebe Brüder, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger … (1. Petrus. 2,11)

  2. Daheim

    Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. (Psalm 84,4)

    Was der Psalmdichter damals in der Natur beobachtet, überträgt er auf sich selbst: „Ich habe in dem lebendigen Gott auf geheimnisvolle Weise mein Zuhause gefunden.“

    Übertragen ins NT bedeutet diese Aussage: Als Jesus Christus mir zum persönlichen Herrn wurde, da bin ich innerlich zur Ruhe gekommen. Die Suche war vorbei, die innere Rastlosigkeit hatte ein Ende.

    Wo ist mein Zuhause?

    Mein Zuhause ist dort, wo Gott mir begegnet. Meine Heimat ist dort, wo Gemeinde Jesu sich trifft, betet und Gott anbetet. Dort ist mein Daheim, wo es Geschwister gibt, denen es um das Reich Gottes geht und mit denen ich mich verständigen kann, ohne Angst, missverstanden zu werden.

    Wenn Gott uns begegnet, wenn sein Heiliger Geist uns anspricht, dann sind wir dort, wo wir hingehören, dann sind wir daheim.

  3. Daheim und unterwegs

    Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs Tränental wandern, wird es ihnen zum Quellort, und Frühregen hüllt es in Segen. (Psalm 84,6+7)

    Die ersten beiden Punkte sind leider nur ein Teil Wahrheit. Es ist wahr, dass rastlose Menschen in Gott Ruhe finden. Es ist wahr, dass sie dort zuhause sein können, wo sie Gottes Gegenwart erleben.

    Die ganze Wahrheit aber lautet: In Christus sind wir schon zuhause – aber wir sind gleichzeitig auch noch unterwegs. Wir gehören zu ihm, seine Kraft wirkt durch den Heiligen Geist in unserem Leben – aber wir sind noch immer auf der Reise.

    „Schon jetzt“ und „Noch nicht“ – das ist die größte Spannung, die wir als Christen durchzustehen haben.

    Schon jetzt gelten uns die Verheißungen Gottes, schon strömt Ewigkeit in unser Leben, schon jetzt gehören wir einem neuen unvergänglichen Äon an – aber jetzt sind wir noch nicht dort. Noch nicht sind wir den Anforderungen und Anfechtungen des Alltags nicht enthoben.

    Auf der einen Seite sind wir ganz Teil der neuen Welt Gottes und auf der anderen Seite ganz Teil dieser Welt, mit ihrem Elend und ihrem Leid.

    Der Psalmsänger weiß, dass es bis zum Tempel nicht mehr weit ist. Er freut sich schon auf den Gottesdienst – aber noch geht’s durchs „Tränental“. Gemeint ist eine trostlose, unwirtliche Gegend, die auf dem Weg zum Tempelgottesdienst zu durchwandern war.

    Petrus spricht die Gemeindeglieder in seinem Brief als Ausländer, als Fremde an:

    • Meine lieben Freunde! Ihr wisst, dass ihr in dieser Welt Fremde (Ausländer) seid; sie ist nicht eure Heimat. Deshalb bitte ich euch eindringlich: Gebt den Angeboten und Verlockungen dieser Welt nicht nach. Es geht in diesem Kampf um euren Glauben! (1. Petrus 2,11)
    • Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien, die Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden! (1. Petrus 1,1+2)

    Genau das ist die Spannung unseres Christseins. Schon haben viele von uns geistlich gesehen nachhause gefunden – und doch sind wir noch auf dem Weg. Auf diesem Wege fließen Tränen: … wenn sie durchs Tränental wandern, wird es ihnen zum Quellort. (Psalm 84,7)

    Gott sei Dank sind wir im Tränental nicht preisgegeben. Dort, wo Trockenheit und Dürre das Regiment führen, dort wo Hunger und Leid das Leben trüben, gibt es auch Wasserstellen, dort dürfen wir auftanken, gewinnt neue Hoffnung Raum.

    Eine dieser Wasserstellen ist ohne Zweifel der Gottesdienst. Die Coronazeit hat uns an dieser Stelle als Gemeinde manches abverlangt. Wir als FeG wollen unser Gemeindeleben wieder hochfahren, aber mit Augenmaß und Vorsicht. Nüchternheit ist angesagt.

    Das Tränental ist Teil unserer christlichen Existenz. Im Tränental liegen Strapaze und Quellorte sehr eng beieinander, Höhen und Tiefen wechseln einander ab.

    Aber dann, an den Altären Gottes, am Ziel der Reise angekommen, ist das Tränental vergessen. So sehr überwiegt die Freude, so groß ist der Jubel, dass die Strapazen des Weges auch nicht mehr die geringste Rolle spielen werden.

    Paulus schreibt: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Römer 8,18)