predigt-2020-08-23

Predigt: Take the challenge

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Datum: 23.08.20
Bibelstelle: 1. Samuel 17
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Lass dich herausfordern! Nimm die Herausforderung an!

Was aber meint Herausforderung? Sind es eher negative oder positive Dinge, die da bei dir aufpoppen?

Die Beantwortung der Frage hat etwas zu tun mit der Persönlichkeit und mit der eigenen Lebensgeschichte:

  • Da hat es die einen, die ganz wild sind auf Herausforderungen. Ohne Herausforderungen empfinden sie das Leben als langweilig und fade. Es sind diejenigen, die Freude daran haben Neuland zu erobern. Sowohl in der Freizeit, wie im Beruf und hin und wieder auch im Glauben scheuen sie kein Risiko. No risk, no fun!
  • Anderen machen die beiden Wortteile "heraus" und "fordern" Angst. Ihre Mitmenschen, die immer wieder Herausforderungen suchen, empfinden sie als waghalsig und leichtfertig. Statt in neue Gefilde aufzubrechen, fühlen sie sich in gewohnter Umgebung am wohlsten.

Herausforderungen annehmen beinhaltet den Mut, aus einem geschützten, gewohnten Bereich herauszutreten und sich auf Neues einzulassen. Das gilt für die unterschiedlichsten Lebensbereiche und eben auch wieder für den Glauben.

Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen

  • Herausforderungen, die wir suchen, um unsere Grenzen zu weiten und
  • Herausforderungen, die sich uns plötzlich, unerwartet und ohne Zutun stellen und denen wir uns zu stellen haben, ob wir wollen oder nicht.

Der Bericht von David und Goliath aus 1. Samuel 17 ist eine Zumutung für empfindliche Gemüter. Hier wird geflucht, hier wird gekämpft und am Ende fließt auch noch Blut. Viele dieser alttestamentlichen Texte sind in dieser Hinsicht für uns von einer christlichen Ethik geprägten Zeitgenossen eine Zumutung.

In der Bergpredigt schlägt Jesus einen völlig anderen Ton an: Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. (Matthäus 5,44-45)

Um den heutigen Bibelabschnitt richtig einzuordnen, wird uns zugemutet, hinter der Text zu schauen und ihn im Sinne des Neuen Testamentes auszulegen.

  1. Umkämpft

    Die uns geläufige Redewendung "Vom Kampf zwischen David gegen Goliath" beschreibt die Auseinandersetzung zwischen zwei Gegnern mit ungleicher Kräfteverteilung. David besiegt Goliath – der Knirps den Riesen. Da jubelt unser Gerechtigkeitsempfinden.

    Bei genauerer Betrachtung werden wir feststellen, dass es um diese Art der Betrachtung nur am Rande geht: Nicht die behände Intelligenz des David steht gegen die schwerfällige Muskelkraft des Goliat, sondern Glaube gegen Unglaube, JAHWE-GOTT gegen die philistäischen Götter.

    Vordergründig geht es um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Völkern um etwa 1000 v. Chr., hintergründig aber um etwas viel Größeres: um die Frage nach dem stärkeren Gott.

    "Bin ich denn ein Hund, dass du mir nur mit einem Stock entgegenkommst?", brüllte Goliat ihn an und verfluchte David im Namen sämtlicher Götter, die er kannte. … Doch David rief zurück: "Du, Goliat, trittst gegen mich an mit Schwert, Lanze und Wurfspieß. Ich aber komme mit der Hilfe des JAHWE. Er ist der allmächtige Gott und der Gott des israelitischen Heeres. Ihn hast du eben verspottet." (1. Samuel 17,43.45)

    Die Begrifflichkeiten vom "Kampf" und "kämpfen", tauchen im Neuen Testament eher selten, dann aber hauptsächlich in den Briefen des Apostels Paulus auf. Paulus beschreibt das geistliche Leben als umkämpftes Gebiet (Epheser 6,10-12).

    Jünger und Jüngerinnen Jesu gehören in den Herrschaftsbereich Gottes. Als "neue Kreaturen" hat Satan alle Machtansprüche über ihr Leben verloren – und dennoch versucht er, in der Manier eines Partisanen, die Glaubenden zu schwächen. Sein Ziel ist es, Kinder Gottes zu zermürben, ihnen die Freude an ihrer Erlösung so sehr zu vermiesen, dass sie sich innerlich zurückziehen und alle missionarischen Bemühungen einstellen.

  2. Verängstigt

    Die Philister hatten die Achillesverse, die verwundbare Stelle der alttestamentlichen Gemeinde entdeckt: Saul. Diese für das Volk Gottes so wichtige Leitfigur steckte in einer tiefen geistlichen Krise. Der Glaube, das Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes und auf seine Führungen waren einer inneren Zerrissenheit gewichen. Wem Gott klein geworden ist, dem werden die Probleme und Herausforderungen groß.

    Goliath, eine menschliche Kampfmaschine mit Übergröße, hinterlässt Eindruck. Die Moral der Israeliten ist am Boden. Goliath wird zum Inbegriff von Entmutigung und Einschüchterung: Wer seid ihr schon, ihr Israeliten? Wer seid ihr schon als neutestamentliche Gemeinde? Was habt ihr noch zu schaffen in einem nachchristlichen Abendland? Eure Zeit ist längst vorbei – ihr habt es nur noch nicht begriffen.

    Wer bist du schon? Wer bin ich schon? – Was ist dein Goliath, vor dem du zitterst? Welche schwierigen Erfahrungen haben dich dazu gebracht, in Deckung zu gehen und möglichst allen Herausforderungen auszuweichen?

    Was hat dich derart beeindruckt, dass du geistlich gesehen in Deckung gegangen bist – und dein Christsein nur noch über die Runden zu retten hoffst?

    Wir sind als Gotteskinder nicht dazu berufen, uns ängstlich zu verstecken. Wir sind dazu berufen, Herausforderungen anzunehmen und mit Gottes Hilfe zu bestehen: Doch David rief zurück: "Ich aber komme mit der Hilfe des Herrn. Er ist der Herr, der allmächtige Gott!"

    David war stärker von der Größe Gottes beeindruckt als von den Bizeps Goliaths. Wenn es darum geht, Dinge anzupacken, die für uns eine Herausforderung sind, wenn es darum geht, Angst zu besiegen, dann wird der Erfolg davon abhängen, von wem oder was ich mich beeindrucken lasse.

    Goliath konnte David nicht beeindrucken – weil der Eindruck, den Gott in Davids Leben hinterlassen hatte, weitaus stärker war.

  3. Gebremst

    Als Eliab, Davids ältester Bruder, ihn so mit den Soldaten reden hörte, wurde er zornig. "Was hast du überhaupt hier zu suchen?" fuhr er ihn an. "Und wer hütet jetzt die paar Schafe und Ziegen in der Steppe? Ich weiß doch genau, wie hochnäsig und eingebildet du bist! Du bist nur zu uns gekommen, um dir eine Schlacht anzusehen." (1. Samuel 17,28)

    Es ist schon verrückt: David hatte sich auf Anordnung seines Vaters auf den langen Weg gemacht, um seine Brüder mit Proviant zu versorgen. Er hat das Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes, das alle anderen verloren hatten, aber er wird von seinem eigenen Bruder als unreifer Sensationshascher niedergebügelt. Statt Unterstützung erlebt David, dass er ausgebremst und kritisiert wird.

    Interessanterweise reagieren Leute, die im Glaubensleben resigniert haben, nicht selten sehr empfindlich auf frischen Wind. Der lebendige Glaube des anderen wird als Angriff auf den eigenen Glauben empfunden.

    David hält die Kritik aus. Er gibt nicht nach. Was es im Reich Gottes nicht braucht, sind Miesmacher, notorische Nörgler, Ausbremser, die den Blick für Gottes Größe verloren haben.

  4. Bestätigt

    Tatsächlich sind die Kräfteverhältnisse völlig ungleich verteilt – aber nicht zugunsten Goliaths, sondern zu zugunsten Davids: "Ich aber komme mit der Hilfe des HERRN. Er ist der allmächtige Gott und der Gott des israelitischen Heeres. Ihn hast du eben verspottet." (1. Samuel 17,45)

    Das Ungleichgewicht der Kräfte liegt darin, dass David den allmächtigen Gott auf seiner Seite hat. Was können Waffen gegen einen Gott ausrichten, von dem es in Jesaja 40,15 heißt: Die Völker sind in seinen Augen wie ein Tropfen am Eimer, wie ein Staubkorn auf einer Waage. Ferne Länder fallen bei ihm nicht mehr als ein Staubkörnchen ins Gewicht.

    Vor welchen Herausforderungen stehst du gerade? Vielleicht hast du dich – wie das israelische Heer – zurückgezogen und hast resigniert?

    Nimm die Herausforderung an – du hast einen mächtigen Gott an deiner Seite:

    • "Sage Gott ruhig, wie groß deine Sorgen sind, aber sage auch deinen Sorgen, wie groß Gott ist."
    • "Sage Gott ruhig, wie groß deine Herausforderungen sind, aber sage auch deinen Herausforderungen, wie groß Gott ist."