predigt-2020-07-26

Predigt: In spannenden Zeiten – entspannt leben

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Datum: 26.07.20
Bibelstelle: Psalm 18,1-7
Redner: Hans-Peter Dinter

Zusammenfassung:

Für die Schulkinder bei uns in Bayern haben die Sommerferien begonnen. Klingt nach Urlaub, Hängematte und Nichtstun. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Gelassen sein und entspannt bleiben.

Kann das gehen? Ist es spätestens seit der Corona-Epidemie nicht vorbei mit dem Entspanntsein?

Wir leben in spannenden Zeiten – wir können gespannt sein, was in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zu kommt … Wer könnte da entspannt leben?

In einer lebensbedrohlichen Situation beschreibt David in Psalm 18 seine Existenzangst, seine Verzweiflung: Es umfingen mich des Todes Bande, und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. (Psalm 18,5+6)

Aus dieser schwierigen Zeit bringt David Erfahrungen mit, die auch uns helfen können, in spannenden Zeiten nicht unter die Räder zu kommen. Gerade in spannenden Zeiten lernt David seinen Gott noch einmal von einer anderen Seite kennen.

Sehr bildhaft beschreibt David in Psalm 18 seine "Angst", seine "Höllenzeiten", seine "tödliche Verstrickung".

Engpässe sind Teil unseres Lebens – auch wenn es uns nicht gefällt: Wenn wir unsere Kredite nicht mehr bedienen können, wenn die Diagnose unseres Arztes unsere Zukunftsplanungen zunichte macht, wenn wir Opfer von Mobbing werden, wenn unser Arbeitsplatz auf dem Spiel steht … – dann kann sich die Angst wie eine Fessel um unsere Seele legen.

David dichtet Psalm 18, weil er am eigenen Leib erfahren hat, wie sein Gott ihn in der Enge bewahrt und wieder aus der Anspannung zur Entspannung geführt hat.

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke! (Psalm 18,2)

Schon diese Einleitung zum 18. Psalm zeigt deutlich, unter welchem Vorzeichen die nachfolgenden Verse zu verstehen sind: dem Vorzeichen der Liebe eines Menschen zu seinem Gott.

Die Liebe Davids zu seinem Gott ist nicht verstaubt, sie ist nicht zur Routine geworden, sondern frisch und lebendig.

HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz! Ich rufe an den HERRN, den Hochgelobten, so werde ich vor meinen Feinden errettet. (Psalm 18,3-4)

David beschreibt Gott in vielen Bildern, z. B.:

  • Gott als Fels:

    Als 1989 die Mauer gefallen ist und die Grenzen offen waren, entstand folgendes Lied von Theo Lehmann und Jörg Swoboda: "Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels … Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt."

    Vertraut auf den Herrn Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels – in spannenden Zeiten, und in entspannten Zeiten.

  • Gott als Burg:

    Eine Burg war damals ein Schutzraum, eine uneinnehmbare Festung, ein Ort der Sicherheit. In seiner Angst hat David in Gott einen Fluchtpunkt gefunden, einen Ort, an dem er sich sicher fühlen kann. Wer hinter Burgmauern Zuflucht gefunden hatte, war in Sicherheit.

  • In der Auseinandersetzung mit den zerstörerischen Mächten, die uns binden und die Luft zum Atmen nehmen wollen, werden wir eingeladen, unsere Zuflucht bei dem lebendigen Gott zu suchen.

David bietet uns mit seinem 18. Psalm keine Methode, wie wir in spannenden Zeiten entspannter leben können. David berichtet von einem Wunder, von einem Geheimnis, wofür ihm letztendlich die Worte fehlen.

In dem Augenblick, als David am Ende ist, kann er sich mit seinem ganzen Elend nur noch in Gottes Arme werfen. Und dann erfährt er, wie Gott ihn hält.

Damit aber die starken Bilder von Gott nicht nur tröstliche Bilder bleiben, braucht es einen Glaubensschritt: … mein Gott, mein Hort, auf den ich traue.(Psalm 18,3-4)

Dass das Wasser trägt und mein Vater mich auffängt – kann ich glauben. Die Erfahrung, dass es stimmt, wird aber nur der machen, der den Sprung wagt.

Gerade wenn wir schon lange Jahre im Glauben stehen, kennen wir Verheißungen ohne Ende. Aber nur, wenn wir uns ihnen ausliefern, werden wir erfahren, ob sie tragen.

Psalm 18 fordert uns heraus, einen Vertrauensschritt zu wagen. Im Gebet schreit David sich in Gottes starke Hände: Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott. (Psalm 18,7a)

David muss durch die Hölle gehen – aber er ist dort nicht gottverlassen. In der Zeit allergrößter Anspannung erweist sich Gott als der Verlässliche, als der Felsengrund, der nicht nachgibt. Als die Schutzburg, die nicht zulässt, dass ein Kind Gottes zu schaden kommt: Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren. (Psalm 18,7b)